Fehmarn: Spatenstich für Bau des Ostseetunnels

Stand: 29.11.2021 16:07 Uhr

Seit Jahrzehnten wird über den Bau einer festen Fehmarnbeltquerung diskutiert. Am Montag wurde in Puttgarden auf Fehmarn der erste offizielle Spatenstich auf deutscher Seite gesetzt.

Mit einem Festakt wurde am Vormittag auf der Insel Fehmarn der Beginn der Arbeiten am Ostseetunnel zwischen Deutschland und Dänemark gefeiert. Zum Spaten griffen unter anderem Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP), der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), und Dänemarks Verkehrsminister Benny Engelbrecht.

"Es geht nicht um eine dänische Insel und eine deutsche Insel. Es geht um einen europäischen Verkehrsweg. Das gibt uns die Chance, Güter aus Skandinavien komplett auf die Schiene zu verlagern und bis nach Sizilien auf der Schiene zu transportieren", erläuterte Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP). Zusätzlich würde die Straßenverbindung Chancen für die regionale Wirtschaft beinhalten, so der Verkehrsminister.

Ferlemann: Tunnel ist Riesengewinn für die Region

Für Enak Ferlemann war der Spatenstich auf deutscher Seite ein bewegender Moment: "Seit meiner politischen Karriere im deutschen Bundestag 2002 kämpfe ich für diesen Tunnel!" Nach unzähligen Debatten, Gesprächen und Bürgerversammlungen hob der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium die Bedeutung für die deutsch-dänische Zusammenarbeit hervor. Die Fahrzeit Hamburg - Kopenhagen mit dem Auto würde sich beinahe halbieren.

"Wir kommen mit dem Auto problemlos nach Dänemark, wir kommen mit dem Zug problemlos nach Dänemark. Und damit hat man natürlich engere Wirtschaftsbeziehungen und die Wissenschaft kann sich besser austauschen", sagte Ferlemann, der in dem Tunnel einen Riesengewinn für die Region sieht.

VIDEO: Erster Spatenstich für Fehmarnbelt-Tunnel in Puttgarden (5 Min)

Mit dem Tunnel gegen den Klimawandel

In Dänemark haben die Bauarbeiten für die feste Fehmarnbeltquerung bereits im Januar 2021 begonnen. Der dänische Verkehrsminister, Benny Engelbrecht, hat geduldig auf den Beginn am anderen Ende gewartet. Er wusste, dass dieser "historische Tag" kommen werde. Der Startschuss hatte sich wegen Klagen in Deutschland immer wieder verzögert, einen Groll hegt Engelbrecht deswegen aber nicht. "Ich weiß wie wichtig es in der deutschen Kultur ist, sicherzustellen, dass alles korrekt ist", sagte der dänische Verkehrsminister, der auch nicht von einem deutsch-dänischen, sondern von einem europäischen Projekt sprach.

Die feste Fehmarnbeltquerung sei auch bei der Bekämpfung des Klimawandels wichtig: "Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen von Kurzstrecken-Flügen zu internationalen Zugverbindungen wechseln." Dafür müsse man sicherstellen, dass jede größere europäische Stadt von Skandinavien aus mit dem Nachtzug erreicht werden kann. Der Tunnel sei also nicht nur für den Gütertransport wichtig.

Arbeiten am Tunnelgraben begonnen

Laut dem dänischen Bauträger Femern A/S laufen die seeseitigen Vorbereitungen für den Bau des Tunnels seit Monaten. Seit Juli wird auf dänischer Seite am Aushub des Tunnelgrabens gearbeitet, seit September auch vor der deutschen Küste. Laut Minister Buchholz kommen die Planungen für den Hinterlandausbau voran. Für den Ausbau der Bundesstraße auf Fehmarn gebe es bereits Baurecht. Die B207 auf Fehmarn soll als Zubringer zum geplanten Fehmarnbelt-Tunnel zwischen Deutschland und Dänemark ausgebaut werden - auf einer Länge von mehr als 16 Kilometern.

Der geplante Ersatz der Fehmarnsundbrücke zwischen Insel und Festland sei dagegen noch "ein etwas schwierigeres Kapitel", so Buchholz. Für die Bahnstrecke an Land rechne er nicht mit großen Schwierigkeiten. "Es wollen eigentlich alle, dass eine zweigleisige Bahnstrecke voll elektrifiziert direkt an der Autobahn entsteht." Das verlagere den Güterverkehr und ermögliche einen besseren Personenverkehr in den Norden. Insgesamt soll die knapp 90 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Lübeck und Puttgarden zweigleisig als Zubringer zum geplanten Ostseetunnel ausgebaut und elektrifiziert werden. Die Kosten liegen laut Bahn bei mehr als 1,3 Milliarden Euro.

Ausgleichsflächen für zerstörte Riffe geplant

Im November 2020 hatte das Bundesverwaltungsgericht Klagen gegen das Milliardenprojekt abgewiesen. Die Richter gaben den Planern aber auf, bei den Riffen nachzubessern. Diese waren erst später im Trassenbereich entdeckt worden. Für die Riffe, die durch den Bau zerstört werden, sind Ausgleichsflächen geplant. Der NABU und das Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung klagen aber erneut.

Der NABU wirft den Behörden vor, gesetzliche Vorgaben beim Ausgleich der 36 Hektar Riffflächen nicht erfüllt zu haben. Verkehrsminister Buchholz sieht den Gerichtsverfahren gelassen entgegen. Das Land sei beim Thema Ausgleichsflächen so vorgegangen wie bei Riffen an anderen Stellen. Da hatten die Gerichte keine Beanstandungen. "Darum sind wir sehr sicher, auf der sicheren Seite zu sein."

Dänemark trägt Baukosten

Der 18 Kilometer lange Straßen- und Eisenbahntunnel soll voraussichtlich 2029 fertig sein. Dänemark trägt die Baukosten von geschätzt 7,1 Milliarden Euro für den Tunnel, Deutschland die Kosten für die hiesige Straßen- und Schienenanbindung von geschätzt 3,5 Milliarden Euro.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 29.11.2021 | 10:00 Uhr

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