Stand: 25.10.2018 13:12 Uhr

Erster Spatenstich für Landstrom in Kiel

Premiere im Kieler Hafen für eine emissionsfreie Schiffsversorgung: Nach jahrelangen Diskussionen hat jetzt der Bau der ersten Landstromanlage für Kreuzfahrt- und Fährschiffe am Norwegenkai begonnen. Damit soll ab Frühjahr 2019 ermöglicht werden, dass die Schiffe während ihrer Hafenliegezeit die Maschinen abschalten und vollständig über Landstrom versorgt werden können.

Die 4,5-Megawatt-Anlage soll der erste Schritt im Hafen sein, um weniger Schadstoffe an die Luft abzugeben - und es sollen weitere folgen: "Nach dem Norwegenkai werden bis zum Jahr 2020 auch der Schwedenkai und das Kreuzfahrtterminal am Ostseekai landstromfähig sein", kündigte Hafendirektor Dirk Claus beim feierlichen Spatenstich an. "Wir wollen künftig die Hälfte aller Schiffsanläufe in Kiel mit Landstrom versorgen."

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) erklärte, mit der Landstromanlage solle der Ausstoß von Stickoxiden und Feinstäuben im Hafen gesenkt werden. "Zudem wird weniger Kohlendioxid ausgestoßen und so dem Klimaschutz Rechnung getragen", so Kämpfer.

Diesel günstiger als Strom

Die Pläne für Landstromanschlüsse für den Kieler Hafen lagen schon länger in der Schublade, doch viele Reedereien haben bisher wenig Interesse gezeigt, da Schiffsdiesel weiterhin deutlich günstiger ist als die externe Stromversorgung.

Mit der Diskussion über Luftschadstoffe von Dieselfahrzeugen sind auch die Schiffsabgase in den Fokus gerückt. Um Imageschäden vorzubeugen, sind inzwischen einige Reeder bereit, in Landstromanschlüsse zu investieren. Im Frühjahr hatte die Reederei Aida angekündigt, bei 40 Anläufen in Kiel künftig den Strom aus der Steckdose nutzen zu wollen.

Oslo bietet Landstrom bereits seit 2011 an

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Stecker rein, Maschine aus: Zur Vermeidung von Schiffsabgasen im Hafen sollen Schiffe künftig mit Landstrom versorgt werden.

Die Schiffe der norwegischen Reederei Color Line, die Kiel täglich mit Oslo verbinden, sind schon lange für den Strombezug von Land ausgerüstet. Sie liegen seit 2011 in Oslo und seit 2017 in allen vier norwegischen Häfen an der Hafensteckdose. Mit der sogenannten PLUG-Übergabestation synchronisiert sich das Schiff mit der Landstromanlage, die die Bordversorgung übernimmt.

In Kiel soll künftig der jährliche Strombedarf der Color-Line-Schiffe von rund 4 Millionen Kilowattstunden während der Hafenliegezeit über den Landstromanschluss erfolgen. Die Kosten für den Bau der ersten Anlage am Norwegenkai sind mit 1,3 Millionen Euro veranschlagt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.10.2018 | 12:00 Uhr

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