Stand: 12.07.2019 10:47 Uhr

Entzündungen durch Nanoplastik im Blutkreislauf

Die Vermüllung der Meere durch Plastik ist eines der größten Probleme unserer Zeit. Allein die Fläche mit Plastikmüll auf dem Nordpazifik ist inzwischen viermal so groß wie Deutschland. Dazu zählen große, sichtbare Teile wie Fischernetze und Flaschen bis hin zu kleinstem Mikroplastik. Die internationale Crew auf dem französischen Forschungsschiff "Tara" möchte darauf aufmerksam machen, was das für die Meere, die Fische und auch die Menschen bedeutet.

Aus Europa landen jedes Jahr 600.000 Tonnen Plastikmüll im Meer

Forscher sind mit der "Tara" ein halbes Jahr in Europa unterwegs. Überall, wo das Forschungsschiff festmacht, nehmen die Forscher Wasserproben - wie zum Beispiel von der Elbe in Hamburg und der Themse in London. "Wissenschaftler schätzen, dass sechs bis acht Millionen Tonnen Plastikmüll jedes Jahr vom Land in die Meere gelangen", sagt der Expeditionsleiter Romain Troublé. China sei der größte Verursacher auf der Welt. "Aber Europa liegt an Platz zwei. Wir bringen etwa 600.000 Tonnen Plastikmüll pro Jahr ins Meer."

Auch in der Flensburger Förde finden Forscher Plastik

Auch bei ihrem Stopp in der Flensburger Förde werden die Forscher schnell fündig: Sie ziehen ein kleines Netz nur einen kurzen Moment über die Wasseroberfläche - und es finden sich darin mehrere kleine Plastikteile. Den Toxilogen Prof. Edmund Maser von der Christian-Albrechts Universität Kiel überrascht das Ergebnis nicht.

Entzündungen durch Nanoplastik im Blutkreislauf

Maser erklärt im Interview mit NDR Schleswig-Holstein, dass es mittlerweile wissenschaftliche Belege dafür gibt, dass Mikroplastik vom Menschen auch aufgenommen wird - bisher "nur" im Magen-Darm-Trakt. Es wird aber vermutet, dass Plastik auch systemisch aufgenommen werden kann, also sich über den Darm im gesamten Körper verteilt. Der Toxikologe weist auf die Gefahr hin: "Wenn aus dem Mikroplastik Nanoplastik wird, welches im Menschen dann auch in den Blutkreislauf gelangen kann - das kann dann zu Entzündungen führen im Körper."

Chemische Stoffe: Krebs und Schädigung des Immunsystems

Außerdem enthalte das Plastik immer noch chemische Substanzen, die eigentlich längst verboten sind. "Wir müssen auch damit rechnen, dass Plastik eben Schadstoffe enthält - wie zum Beispiel Weichmacher - die dann, wenn sie in den menschlichen Körper gelangen, freigesetzt werden und dann im Fettgewebe angereichert werden", so Maser. Im Körper freigesetzt, könnten sie Krebs verursachen und das Immunsystem schädigen.

Die "Tara"-Crew berichtet, dass sich ihnen von Feuerland bis hin zur Arktis dasselbe Bild zeigt: In allen Meeren und in allen Flüssen, wo die Crew bislang Wasserproben genommen hat, schwimmen Plastikteile.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein 18:00 | 12.07.2019 | 18:00 Uhr

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