Elbvertiefung fertig: Die großen Pötte können kommen

Stand: 16.03.2021 14:33 Uhr

Nach etwa anderthalb Jahren Bauzeit ist die Elbvertiefung zwischen Hamburg und der Elbmündung fertig. Das sagte der Leiter des neu geschaffenen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Elbe-Nordsee, Bernhard Meyer.

Das WSA ist für den längsten Abschnitt des Projektes, die sogenannte Bundesstrecke, zwischen der Hamburger Stadtgrenze und Cuxhaven zuständig. Die Baggerarbeiten in der Elbmündung vor Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) konnten nach Angaben von WSA-Chef Meyer schneller beendet werden als geplant. Dort war in den vergangenen Tagen der Tieflöffelbagger "Samson" im Einsatz. Mit einer riesigen Schaufel holte der Bagger sogenannten schweren Mergelboden, große Findlinge, Schrott und Wrackteile hoch, die vorher geortet wurden. "Die Fahrrinne ist durchgängig auf Tiefe gebracht", sagte Bernhard Meyer im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein. Auch im Hamburger Hafen sind die Baggerarbeiten nach Angaben der dort zuständigen Hamburg Port Authority (HPA) abgeschlossen.

Freigabe erfolgt Anfang Mai

Bundesminister Andreas Scheuer (CSU) sagte: "Der Bund hat geliefert: Die Wasserbauarbeiten an der Elbe zwischen der Nordsee und Hamburg sind abgeschlossen. Damit liegen wir an der Bundesstrecke bislang sowohl im Zeit- als auch im Kostenplan und können so absehbar den Verkehr zum und aus dem Hamburger Hafen wesentlich erleichtern." Nach der offiziellen Bekanntmachung an die Seefahrer darf der ausgebaggerte Fluss voraussichtlich von Anfang Mai an von Schiffen mit einem größeren Tiefgang als bislang befahren werden. "Wir wollen nun beobachten, wie das System reagiert und wie es sich mit dem Wiedereintrieb verhält", sagt Meyer. Im Hamburger Hafen könnte Schlick zum Problem werden.

Freigabe in zwei Schritten

Die Freigabe erfolgt nach Angaben von WSA und HPA deshalb in zwei Schritten. Final sollen Schiffe mit einem tatsächlichen Tiefgang von 13,50 Metern die Unterelbe jederzeit befahren können. Der seit 2002 geplante, schließlich im Juli 2019 begonnene Ausbau hat zum Ziel, dass der Hamburger Hafen besser für die neue Generation der Containerschiffe zu erreichen ist. 

Fahrrinne ist tiefer und breiter

Bislang liegt der maximale Tiefgang für eine tideunabhängige Fahrt von Hamburg nach Cuxhaven bei 12,50 Metern. Maximal wurde die Fahrrinne um 2,40 Meter vertieft, an anderen Stellen nur um 1,50 Meter oder weniger. An der tiefsten Stelle zwischen Otterndorf und Lühe wird die Fahrrinne nach der Elbvertiefung 19 Meter tief sein, in Hamburg-Altenwerder 17,40 Meter. Nur über dem Autobahn-Elbtunnel in Hamburg kann nicht weiter gebaggert werden. Dort bleibt es bei einer Flusstiefe von 16,70 Meter unter Normalnull. Darüber hinaus wurde die Fahrrinne zwischen der Störkurve bei Glückstadt und Hamburg um 20 Meter verbreitert. Damit können sich hier zwei Schiffe von jeweils 46 Meter Breite zukünftig sicher und leicht begegnen. 

Neue Behörde kümmert sich um Elbe und Nordsee

Zuständig für etwa 130 Kilometer Tideelbe ist das neue WSA Elbe-Nordsee. Es ist im Zuge einer laufenden Verwaltungsreform am Montag eröffnet worden. Die Behörde vereint die bisherigen Ämter Hamburg, Cuxhaven und Tönning unter Führung von Bernhard Meyer. Zum Aufgabenbereich gehören unter anderem das schleswig-holsteinische Wattenmeer mit den Zufahrten nach Husum, Büsum, zu den Halligen und den Nordfriesischen Inseln sowie die Bundeshäfen Helgoland und Hörnum. Das neue Amt ist auch verantwortlich für 80 Leuchttürme. Bundesweit wird die Zahl der Wasser- und Schifffahrtsämter durch die Neuorganisation von 39 auf 17 verringert. Die Reform soll in diesem Jahr abgeschlossen werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.03.2021 | 20:00 Uhr

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