Stand: 10.08.2020 20:09 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Eddy macht's möglich: Methan-Messungen bei der Kuh

Kühe grasen auf den saftigen Wiesen, dahinter plätschert die Ostsee, der Himmel ist tiefblau. Nur ein mehrere Meter hohes Gerät stört diese Idylle beim Versuchsgut Lindhof an der Eckernförder Bucht: eine sogenannte Eddy-Kovarianz-Station mit vielen unterschiedlichen Sensoren. Dort kann der Methan-Ausstoß von Kühen gemessen werden - laut der Christian-Albrechts-Universität (CAU) in Kiel sind so erstmals Messungen der Treibhausgasemissionen einer Rinderherde in Echtzeit auf der Weide möglich.

VIDEO: Kühe: Das Problem mit dem Methan-Ausstoß (3 Min)

Albrecht: Einblick darin, was auf unseren Äckern passiert

Die Landesregierung finanziert die Geräte. "Mit diesen Messstationen haben wir einen echten Einblick darin, was auf unseren Äckern passiert, welche Treibhausgasemissionen bei welcher Fütterung und bei welchem Anbau zu erwarten sind", sagt Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne), der das Gut am Montag besuchte. "Und daraus können wir weitere Einblicke ziehen und unsere Anbauweise immer weiter optimieren."

Eddy-Station erfasst Austausch mit Atmosphäre

Die Station, kurz Eddy-Station genannt, scheint ein wahres Multitalent zu sein: Es erfasst den turbulenten Austausch zwischen der Landoberfläche und der Atmosphäre. Dieser Austausch besteht aus einer Vielzahl an Luftwirbeln - englisch "eddies" genannt. Die Verwirbelungen werden per Ultraschall erfasst. Ein Infrarot-Gassensor misst außerdem die Konzentration von Wasserdampf und Kohlendioxid. Für die Messung der Methankonzentration wird ein zusätzlicher Sensor mit Nah-Infrarot-Laser eingesetzt. Aber das ist immer noch nicht alles: Eddy kann auch Niederschlag, Temperatur, Luftfeuchte, Bodenwassergehalt und so einiges mehr messen.

Wiederkäuer haben großen Anteil an Treibhausgas-Ausstoß

"Wir wissen, dass die Methanemission der Wiederkäuer sehr, sehr großen Anteil an den Treibhausgasemissionen des landwirtschaftlichen Sektors in Deutschland hat. Genau genommen sind das 40 Prozent", erklärt Arne Poyda vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung der CAU. Wenn die Landwirtschaft ihre Klimaschutzziele bis zum Jahr 2030 erreichen wolle, so Poyda, dann müsse ein großer Aufwand betrieben werden, diese Methanemissionen zu reduzieren.

Bisher wisse man aber wenig darüber, wie sich das Ganze bei Freilandkühen verhalte, so Poyda. Bis jetzt - nun kommen bald die ersten Messergebnisse. Die insgesamt zwei Eddy-Stationen beim Versuchsgut Lindhof wurden erst vor gut vier Wochen in Betrieb genommen. Laut Poyda gibt es in Deutschland keine andere Forschungsgruppe, die diese Methode so durchführt.

SH: Klimaschutz-Ziele bisher nicht erreicht

"Spannend", sagt Minister Albrecht. Von der neuen Methode hält er viel. Insgesamt hat die schleswig-holsteinische Landesregierung das Ziel, eine klimafreundlichere Landwirtschaft zu schaffen. Deutschland und damit auch Schleswig-Holstein hat das Ziel, die Treibhausgase im Vergleich zu 1990 bis Ende dieses Jahres um 40 Prozent zu reduzieren.

Selbst wenn Deutschland das schaffen sollte - der Beitrag von Schleswig-Holstein würde vergleichsweise klein ausfallen. "Wir sind bei den Klimazielen immer noch hintendran", gibt der Grünen-Politiker zu. Das liege aber auch ganz einfach daran, dass Schleswig-Holstein viel Landwirtschaft - und viele Kühe - habe.

Albrecht: Finanzielle Anreize für Landwirte schaffen

Ganz allein könne das nördlichste Bundesland hier nicht viel ausrichten. "Wir müssen darauf drängen, dass der Bund und auch die EU die richtigen Rahmenbedingungen für eine weitere Reduktion der Treibhausgase setzen", sagt Albrecht. Nun müsse das Land dafür sorgen, Bauern zu honorieren, die dazu bereit sind, anders zu wirtschaften und damit erheblich Treibhausgase einzusparen.

Solche Leistungen für das Allgemeinwohl, sagt Albrecht, sollen künftig besser bezahlt werden. Daran werde gearbeitet. Zeitnah will die schleswig-holsteinische Regierung einen Klimaplan vorlegen, der vorsieht, wie das Land in 20 bis 30 Jahren klimaneutral werden kann.

Kohlenstoff, Kräuter, Klee - und unbeeindruckte Kühe

Der Rundgang über das Versuchsgut mit den Journalisten und Forschern dauert länger als zwei Stunden. Es geht darum, wie mehr Kohlenstoff im Boden gebunden werden kann oder wie Weidemilcherzeugung die Treibhausgase reduzieren könnte. Welche Kräuter- und welche Kleearten tragen wie zum Klimaschutz bei? Und was sollen die Kühe optimalerweise fressen?

Die Tiere zeigen sich an diesem sonnigen, warmen Tag zumindest völlig unbeeindruckt von dem groß angelegten Pressetermin. Sie fressen und fressen - und stoßen jede Menge Methan aus. Wie viel, das weiß Eddy nun bald ganz genau, wenn weitere Testergebnisse vorliegen.

Weitere Informationen
Kühe werden mit einer besonderen Ausrüstung versehen, um den Ausstoß von Methan zu messen. © picture-alliance Foto: Carsten Rehder

Verringerter Methan-Ausstoß durch neuen Futtermix

Forscher der Uni Kiel untersuchen, wie sich Treibhausgase bei Kühen reduzieren lassen, indem sie ihnen einen besonderen Futtermix geben - eine Art klimafreundlichen Klee. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 10.08.2020 | 19:30 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Einsames Ferienhaus in Nymindegab Dänemark © Fotolia.com Foto: fmu64

Reisewarnung: Was Dänemark-Urlauber jetzt wissen müssen

Kurz vor Beginn der Herbstferien hat die Bundesregierung einige Regionen in Dänemark zu Risikogebieten erklärt. Dazu zählt auch die beliebte Ferieninsel Bornholm. Was müssen Reisende beachten? mehr

Eine Frau mit Trillerpfeife und ver.di-Mütze. © dpa - Bildfunk Foto: Carsten Rehder

Gewerkschaft weitet Warnstreiks in Schleswig-Holstein aus

Im öffentlichen Dienst wird heute wieder gestreikt. In Schleswig-Holstein sind Kiel und Schleswig laut ver.di die Schwerpunkte. Die Gewerkschaft fordert 4,8 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten. mehr

Fahne von Schleswig-Holstein. © Fotolia.com Foto: moonrun

Wirtschaft in SH verkraftet Corona-Krise offenbar am besten

Das Bruttoinlandsprodukt in Schleswig-Holstein hat bundesweit die geringsten Einbußen. Laut Wirtschaftsministerium liegt das daran, dass das Land weniger Industrie und weniger verarbeitendes Gewerbe hat. mehr

Die Teilnehmer der Synode sitzen bei der Eröffnung der Veranstaltung im Saal. © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder

Nordkirche: Kirchensteuern brechen wegen Corona ein

Der Nordkirche fehlen etwa 66 Millionen Euro im Etat, weil die Corona-Pandemie Auswirkungen auf die Kirchensteuer hat. Auf der Synode in Lübeck diskutieren die Parlamentarier über Einsparungen. mehr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein