Ein Büro mit Hempels-Deckblättern an den Wänden. © NDR Foto: Cassandra Arden

Das Straßenmagazin "Hempels" feiert 25. Geburtstag

Stand: 27.01.2021 08:00 Uhr

Im Februar 1996 erschien die erste "Hempels"-Ausgabe. Damals dachte Jo Tein, der heute ehrenamtlich im Vorstand des Vereins ist, dass das auch gleichzeitig die letzte Ausgabe gewesen sein dürfte. Heute schafft der Verein Hempels sogar Wohnraum.

Viel Hoffnung auf eine zweite Ausgabe hatte Jo Tein vor 25 Jahren wirklich nicht: "Weil das einfach so amateurhaft aussah. Ich dachte echt, das kauft keiner." Aber er irrte sich. Die Auflage zu Weihnachten 1996 lag bei 20.000 Stück. Tein erinnert sich: "Danach wurde es aber auch wieder weniger. Und wir mussten feststellen, dass eben doch auch ein gewisser journalistischer Standard nötig ist." Anfangs gab es oft Ärger, erzählt Jo Tein, weil Geschichten nicht immer stimmten. Damals schrieben Leute von der Straße über Themen auf der Straße und es war nicht immer alles gründlich genug recherchiert. "Inzwischen haben wir auch Profis an Bord." Und auch wenn mittlerweile Hochglanzbilder das Cover zieren, die Themen im Straßenmagazin haben sich nicht geändert.

Corona hat auch die Verkäuferinnen und Verkäufer hart getroffen

Rund 250 Männer und Frauen verkaufen "Hempels" in Schleswig-Holstein. Es bedeutet etwas Geld, es bedeutet aber auch soziale Kontakte und einen guten Grund morgens aufzustehen. Während des ersten Lockdowns im März ruhte der Verkauf etwa sechs Wochen. Hygienekonzepte mussten erstellt werden. Sozialarbeiterin Cathrina Neubert hat gesehen, wie sehr Corona und die wochenlange Zwangsverkaufspause einigen Verkäuferinnen und Verkäufern zu schaffen gemacht hat: "Viele haben hier gestanden und geweint. Weil das Geld fehlte, weil sie nicht wussten wie es weitergeht." Und dann war es nicht einmal möglich tröstend die Hand auf die Schulter zu legen, fügt sie sichtlich getroffen hinzu.

Verkaufsverbot vor einigen Märkten

Der Verein hat die Verkäuferinnen und Verkäufer mit einer Einmal-Zahlung unterstützt und inzwischen ist der Verkauf unter Corona-Bedingungen fast zur Normalität geworden. Allerdings, Verkäufer Bodo Floethke bemerkt schon, dass die Leute weniger kaufen. "Und sie sind auch mehr auf Distanz wegen Corona. Es wird weniger geschnackt." Er steht trotzdem fast jeden Tag mit seinem Hund "Fly" auf seinem Stammplatz in Eckernförde am Hafen. Einigen seiner Kollegen geht es da anders, weil sie - auch durch Corona - ihren Platz verloren haben. Weggefallen sind vor allem die Verkaufsplätze in den Eingängen von Supermärkten, erzählt Cathrina Neubert: "Einige Märkte wollen das wegen der Pandemie nicht mehr, weil da dann zu wenig Platz ist." Das Team um Cathrina Neubert versucht auch da Lösungen zu finden, genau wie bei einem der größten Probleme der "Hempels"-Verkäuferinnen und -Verkäufer - der Wohnungsnot. Das nächste Großprojekt des Vereins lautet dementsprechend: Wohnraum schaffen.

Das Logo von Hempels auf einer Plane an einer Wand. © NDR Foto: Cassandra Arden

AUDIO: "Hempels": Eine Geschichte voller Erfolge (4 Min)

Hempels e.V. schafft Wohnraum

Da "Hempels"-Mitarbeiter oft die letzte Wahl von Vermietern auf dem freien Markt sind, hat der Verein ein Mehrfamilienhaus in Kiel gekauft. Und das ist noch nicht alles, erklärt Vorstandsmitglied Jo Tein: "Es gibt einfach zu wenig Wohnraum. Deswegen wollen wir auch auf dem Grundstück noch ein weiteres Haus bauen." Aus der kleinen Idee von einer Zeitung von der Straße für die Straße ist heute ein aktiver Verein für ganz Schleswig-Holstein geworden, der auf 25 Jahre bewegte Geschichte zurückblicken kann. Jo Tein guckt ungläubig auf Hunderte Cover, die im Redaktionsbüro hängen und meint: "Das hätte ich vor 25 Jahren niemals gedacht."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 27.01.2021 | 19:40 Uhr

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