Ein Handy mit der geöffneten Corona Warn-App wird in einem Bahnhof in die Luft gehalten. © dpa picture alliance Foto: Michael Weber

Corona-Warn-App ohne Nutzen?

Stand: 10.11.2020 11:34 Uhr

Wie groß ist der Nutzen der Corona-Warn-App? In Schleswig-Holstein hat es Fälle gegeben, bei denen die App eher für Verwirrung gesorgt hat. Die Behörden sagen allerdings weiter, die App ist wichtig.

von Jörn Schaar

Nutzer der Corona-Warn-App der Bundesregierung fühlen sich häufig allein gelassen mit den Anzeigen auf ihrem Smartphone. Vor einiger Zeit irrte ein Seniorenpaar tagelang auf Sylt von einer Institution zur nächsten. Die Frage, was mit der Anzeige "Risikobegegnung mit geringem Risiko" zu tun ist, blieb unbeantwortet. Entsprechend stellen sich auch in den sozialen Netzwerken Menschen die Frage, ob die App wirklich etwas bringt und wenn ja, was?

Gesundheitsämter: "Nutzen ist da"

Für die Gesundheitsämter im Land ist klar: Der Nutzen der Corona-Warn-App ist unbestritten. Das Problem: "Noch nutzen relativ wenige Menschen die App", sagt Steinburgs Kreissprecherin Sonja Wilke. "Sie funktioniert um so besser, je mehr Menschen sie nutzen. Unter anderem deswegen kann die App die Kontaktverfolgung durch das Gesundheitsamt nicht ersetzen." Nichtsdestotrotz habe es schon Fälle gegeben, dass sich Menschen aufgrund einer Warnung in der App von sich aus beim Gesundheitsamt des Kreises gemeldet hätten, so Wilke. Auch im Kreis Segeberg wurde so schon ein Infizierter gefunden.

Bundesgesundheitsministerium: "Die App wirkt"

Die App scheint in Schleswig-Holstein und auch in anderen Bundesländern aber noch eine untergeordnete Rolle zu spielen. Das zeigen auch Zahlen der Bundesregierung, wonach ungefähr ein Drittel der Handynutzer in Deutschland die Corona-Warn-App installiert hat. "Bisher haben 53.500 Menschen die App genutzt, um ihr positives Testergebnis zu teilen", erklärt eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums. "Das zeigt, dass sie funktioniert und dabei hilft, Infektionen zu vermeiden." Allerdings: Die Hürde dafür, sein Testergebnis zu teilen, liegt hoch: Nach einem Corona-Test muss man bei der Hotline der App eine Sicherheitsnummer beantragen. Die erst ermöglicht es, ein positives Ergebnis mit den Menschen zu teilen, mit denen man laut der App in den vergangenen 14 Tagen Kontakt hatte.

Weitere Informationen
.

Corona-Warn-App: Zahnloser Tiger oder technische Hilfe?

Die App hat zwar mehr als 20 Millionen Nutzer, eine spürbare Entlastung für die Gesundheitsämter ist sie aber nicht. mehr

Nicht Menschen werden erfasst, sondern Handys

Dabei kann es auch zu Fehlalarmen kommen. So hatte zum Beispiel eine Frau aus dem Raum Flensburg kürzlich eine Warnung auf ihrem Handy. Gleich drei Risiko-Begegnungen soll sie gehabt haben - an einem Tag ohne echte Kontakte. Ihr Test war negativ. Im Nachhinein ist klar: Ihr Handy lag für etwa eine Stunde in einem Schließfach im Schwimmbad, mutmaßlich neben mehreren anderen Telefonen in weiteren Schließfächern - für die App kein Unterschied zu echten Begegnungen.

Verbesserungen sind geplant

Die Entwickler der App arbeiten aber schon an Verbesserungen. "Wir wollen die Messqualität und das Zusammenspiel mit den Betriebsystemen der Handys verbessern", sagt die Sprecherin des Gesundheitsministeriums. "Außerdem wollen wir den Warnprozess verbessern und prüfen, inwieweit wir Nutzerinnen und Nutzern der App aktuelle Zahlen zum Infektionsgeschehen zur Verfügung stellen können." Auch weitere Ideen für die Weiterentwicklung der App würden laufend geprüft, sie dürften aber nicht im Widerspruch zum Grundprinzip der Freiwilligkeit stehen und müssen "datensparsam" umsetzbar sein. Im Klartext: Eine Nutzungspflicht für und Überwachung durch die App wird es nicht geben.

International kompatibel

Die neuesten Verbesserungen sehen vor, dass die deutsche Corona-Warn-App kompatibel mit den Apps anderer Länder werden soll. Irland und Italien machten dabei im Oktober den Anfang. Dänemark, Lettland und Spanien sollen kurze Zeit später folgen; Länder wie die Niederlande, Österreich, Polen und Tschechien voraussichtlich im November. Zum Jahresende könnten bis zu 16 nationale Apps miteinander gekoppelt sein. Auch ein Datenaustausch mit der Schweiz ist im Gespräch. Lediglich Frankreich kann absehbar keine Daten mit der deutschen Corona-Warn-App austauschen, weil sich die Struktur der Apps so stark unterscheidet und die französische App nicht so datenschutzkonform ist wie die Deutsche.

Symptomtagebuch für Infizierte

Zum Oktober-Update der App gehörte auch ein freiwilliges Symptomtagebuch für positiv Getestete. Die zusätzlichen Informationen sollen die Risikoberechnung der App verbessern. "Je mehr wir über die Symptome wissen und den Zeitraum der Symptome kennen, desto genauer können wir die Warnungen in der App einstellen", erklärt Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI). "Je mehr die Pandemie an Dynamik gewinnt, desto wichtiger wird die Corona-Warn-App als ein kleines Werkzeug, das eben auch einen Beitrag dazu liefert, dass wir die Pandemie besser beherrschen können."

Weitere Informationen
Die Corona-Warn-App auf dem Handy wird von einer Frau mit Mundschutz gezeigt © imago-images Foto: MiS

Warnung über die Corona-App: Was muss ich tun?

Die Corona-Warn-App ist bereits millionenfach heruntergeladen worden. Aber was tun, wenn die App Risiko-Begegnungen anzeigt? mehr

Eine Karte von Schleswig-Holstein vor einer 3D Animation eines Corona-Vrius. © Colourbox Foto: Hannu Viitanen

Übersicht der Coronavirus-Infektionen in SH

Wie viele Infektionen aus den kreisfreien Städten und Kreise in Schleswig-Holstein gemeldet wurden - Tabellen und Grafiken. mehr

Ein Virus schwebt vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia, fotolia Foto: Christian Müller

Coronavirus in SH: Videos, Infos, Hintergründe

Hier finden Sie Videos, Informationen und Hintergründe zum Coronavirus Sars-CoV-2 in Schleswig-Holstein. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.11.2020 | 08:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Die Fähre setzt mit einigen Autos über. © Christian Wolf Foto: Christian Wolf

NOK-Fähranleger stark beschädigt: Nutzung wird eingeschränkt

Bei mehreren Anlegern ist die Statik in Gefahr. Künftig dürfen nur noch Fahrzeuge bis 30 Tonnen Last darüber fahren. mehr

Ein Igel ohne Stacheln, geborgen im Wildtier- und Artenschutzzentrum, Offenseth-Sparrieshoop © NDR Foto: Thilo Buchholz

Igel ohne Stacheln in Wildtierstation abgegeben

Die Wildtierstation in Klein Offenseth-Sparrieshoop kümmert sich um den nackten Igel, bis die Stacheln wieder da sind. mehr

Daniel Günther steht an einem Pult im Landeshaus SH. © dpa-Bildfunk Foto: Frank Molter

Regierungserklärung in SH: Normalität nur mit Solidarität

Jamaika- und Oppositionsfraktionen stehen hinter dem Sonderweg Schleswig-Holsteins bei der Bewältigung der Corona-Krise. mehr

Das Stadion an der Lohmühle des VfB Lübeck © imago images/nordphoto Foto: Tauchnitz

Corona-Fall beim VfB - Lübecks Duell mit Mannheim fällt aus

Ein Profi des norddeutschen Drittligisten ist positiv getestet worden. Die für Sonnabend angesetzte Partie muss verlegt werden. mehr

Videos