Stand: 18.08.2020 14:16 Uhr

Corona: Schulen ziehen unterschiedliche Konsequenzen

Normalerweise sitzen 280 Schüler im Unterricht an der dänischen Jens-Jessen-Schule in Flensburg-Mürwik. Am Montag sind lediglich sieben Kinder in die Notbetreuung gekommen. Der Grund: Es gab einen Corona-Fall in der Schülerschaft. Auch an 14 anderen Schulen in Schleswig-Holstein kommt es nach Angaben des Bildungsministeriums aktuell wegen Corona zu Einschränkungen im Präsenzunterricht. Betroffen sind demnach Schulen in den Städten Flensburg, Kiel, Lübeck sowie in den Kreisen Dithmarschen, Pinneberg, Rendsburg-Eckernförde, Schleswig-Flensburg und Stormarn. Nach Recherchen von NDR Schleswig-Holstein gehen die betroffenen Schulen ganz unterschiedlich mit der Situation um.

Heide: Schüler kommen - und müssen dann doch gehen

An der Gemeinschaftsschule Heide-Ost hatte der Unterricht am Montag zunächst stattgefunden wie immer - obwohl es unter den 550 Schülern bereits zwei positive Fälle in der fünften und siebten Klasse gab. Nur wenige Schüler und keine Lehrer wurden nach Angaben der Schule in Quarantäne geschickt. "Das Schönste für uns Pädagogen ist, wenn Schüler in der Schule sind", sagte Schulleiter Matthias Claussen im Interview mit NDR Schleswig-Holstein. Das Ziel sei es, möglichst viele Schüler im Unterricht zu haben. "Das ist ja auch das, was uns vom Ministerium vorgegeben wird. Das wollen wir auch."

Erst als am Montag im Laufe des Tages in derselben siebten Klasse eine weitere Infektion bekannt wurde, schickte die Schulleitung diese Klasse bis zum 28. August nach Hause. Ob einer der Schüler den anderen in der Schule angesteckt hat, ist nicht bekannt.

Schulleiter und Gesundheitsamt entscheiden

Alle Entscheidungen trifft der Schulleiter nach eigenen Angaben aufgrund von Richtlinien aus dem Bildungsministerium und in Rücksprache mit dem Gesundheitsamt des Kreises Dithmarschen. "Das Gesundheitsamt nimmt aufgrund dieses zweiten Falles erneut Kontakt zu allen Schülerinnen und Schülern des gesamten 7. Jahrgangs auf, um zu erfahren, ob und in welcher Form Schulhof-, Schulweg- oder andere private Kontakte in dieser neuen Konstellation stattgefunden haben", teilte der Kreis Dithmarschen mit.

Schulen fühlen sich allein gelassen

Nach Recherchen von NDR Schleswig-Holstein gibt es unter Schulleitern und Schulträgern im Land Unmut über die Richtlinien aus dem Ministerium - zum Beispiel, weil es keine einheitliche Regel zu Mund-Nasen-Bedeckungen im Unterricht gibt. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern verzichtet Schleswig-Holstein auf eine allgemeine Maskenpflicht in den Schulen. Es gelte aber die "dringende Empfehlung, in den ersten beiden Schulwochen eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen", hatte Bildungsministerien Karin Prien (CDU) zum Schuljahresbeginn gesagt.

Wie bei einem Corona-Fall konkret zu reagieren ist, lässt das Ministerium ebenfalls offen. So können sich vergleichbare Fälle in unterschiedlichen Schulen auch unterschiedlich auswirken. "Grundsätzlich werden die konkreten Maßnahmen vor Ort durch die Schule in Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden entschieden", teilte David Ermes aus dem Bildungsministerium auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein mit. Die Frage, was man unternehme, um künftig eine einheitliche Linie für die Schulen zu finden, blieb unbeantwortet.

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Dänischer Schulverein: Bloß keinen Hotspot hier

Es habe ständig neue Vorgaben gegeben, sagt Lars Kofoed-Jensen vom Dänischen Schulverein für Südschleswig, Träger der Flensburger Schule. Es gebe zwar auch Vorgaben zu der Wiederaufnahme des Regelbetriebs, aber es sei ein Regelbetrieb in einer Ausnahmezeit. "Wir versuchen, den Richtlinien so gut wie überhaupt möglich zu folgen", sagte Kofoed-Jensen am Montag.

Probleme entstünden, wenn die Schule zu viel entscheiden müsse, sagt Kofoed-Jensen. "Ab und zu ist ja der Abstand zwischen Ministerium und Praxis groß." Im Moment komme der Druck auch von Seiten der Eltern, die möglichst viel Alltag wollten. Den wolle die Schule liefern. Aber Alltag hieße dann vielleicht plötzlich Hunderte von Angesteckten - und das wolle die Schule vermeiden. Deswegen seien entsprechende Maßnahmen getroffen worden. "Wir sind da vielleicht etwas vorsichtig. Aber lieber das, als wenn wir plötzlich einen Hotspot hier in Flensburg haben", sagt Kofoed-Jensen.

Kitas schicken Gruppen in Quarantäne

Die Auswirkungen an mehreren Kitas im Land sind deutlich größer: In Uetersen (Kreis Pinneberg) und Meldorf (Kreis Dithmarschen) zum Beispiel müssen etwa 60 Kinder und Betreuer 14 Tage lang Zuhause bleiben. Der Kreis Dithmarschen begründet das damit, dass die Kontakte in Kitas viel enger seien und Kleinkinder sich kaum an Hygienevorschriften hielten. Laut Kreisverwaltung müssen deshalb sogar die Eltern einiger Kinder vorsorglich in Quarantäne bleiben.

Ein ebenfalls positiv-getestetes Geschwisterkind in Meldorf besucht dort die Gemeinschaftsschule. Die komplette sechste Jahrgangsstufe blieb drei Tage lang Zuhause, soll von Dienstag aber - bis auf wenige Ausnahmen - wieder zum Unterricht erscheinen. Am Wochenende hatte das Gesundheitsamt nach Angaben eines Sprechers der Kreisverwaltung Tests für alle Mitschüler und Lehrkräfte veranlasst sowie für Schülerinnen und Schüler in den Parallelklassen, die im Gespräch mit dem Gesundheitsamt angegeben hätten, Kontakt gehabt zu haben.

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Schleswig-Holstein Magazin | 17.08.2020 | 19:30 Uhr

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