Zwei chinesische Austauschstudenten an der FH Westküste in Heide stehen Maske tragend vor der FH Westküste in Heide. © NDR

Chinesische Studierende lernen interkulturelle Kompetenz

Stand: 29.10.2020 05:00 Uhr

Neun chinesische Austauschstudierende lernen interkulturelle Kompetenz an der FH Westküste in Heide. Das Leben in Dithmarschen ist für sie ein großer Unterschied zur chinesischen Metropole - vor allem in der Corona-Pandemie.

von Katharina Kücke und Oliver Kring

Aubergine, Chinakohl und gemischtes Hack mit Sojasauce in der Pfanne anbraten. Fertig. Nach der Uni noch kochen - das hätte es Zuhause nicht gegeben. Denn in China werden Studierende intensiv betreut und der Tag komplett durchgeplant. Die Mensa ist immer offen und es gibt Frühstück, Mittag- und Abendessen. Doch seit drei Wochen ist für Weng Yichen und Xu Zhehao alles anders: Sie sind in Dithmarschen - und zwei der neun chinesischen Austauschstudierenden an der FH Westküste in Heide.

Wegen Corona nur 9 statt 15 Austauschstudierende

Normalerweise studieren sie Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Zhejiang in Hangzhou in der Nähe von Shanghai. Knapp zehn Millionen Menschen leben in der Metropole, in Heide sind es nur etwa 20.000. Seit sieben Jahre kooperieren die beiden Hochschulen miteinander. Deutsche studieren in China und Chinesen in Deutschland. Wegen der Corona-Pandemie haben 6 von ursprünglich 15 Studierenden abgesagt. Zu groß ist das Risiko, sich hier anzustecken. Denn in China gibt es seit Monaten kaum neue Corona-Fälle, während die Infektionszahlen in Deutschland wieder steigen. Wirklich besorgt sind die beiden aber nicht. "Es sind nicht so viele Menschen auf der Straße und die Leute halten Abstand", meint Xu Zhehao.

Bei Infektion: Chinesische Regierung überwacht Tür

Der Umgang mit der Pandemie werde in Deutschland ziemlich anders zu China gehandhabt. Zur Hochzeit seien die meisten Chinesen Zuhause geblieben, erzählt Weng Yichen. "Wir sind sehr selbstdiszipliniert und einfach nicht mehr rausgegangen. Und wenn jemand infiziert war, hat die Regierung die Tür überwacht, damit die Leute nicht mehr rausgehen konnten." Im Gegenzug habe die Regierung Freiwillige organisiert, die Infizierte mit Lebensmitteln versorgt haben. Abstandsregelungen und Masketragen seien weniger verbreitet.

Zwanzig statt Hunderte Studierende in einem Seminar

Zwei chinesische Austauschstudenten an der FH Westküste in Heide sitzen Maske tragend in einem Vorlesungsraum. © NDR
Einziges Hindernis ist die Sprache: Denn Deutsch verstehen die beiden noch nicht so gut.

Bisher leben Weng Yichen und Xu Zhehao ziemlich isoliert in Deutschland. "Meine erste Begegnung hatte ich im Supermarkt, als mich eine Frau auf den Abstand hingewiesen hat", schmunzelt Weng Yichen. Andere Studierende außerhalb der deutsch-chinesischen Wohngemeinschaft haben sie noch nicht persönlich kennengelernt, denn bisher läuft fast alles digital. Trotzdem konnten sie bereits einige Unterschiede feststellen. "In China sind wir mehrere Hundert Studenten in einem Vorlesungssaal. Hier sind es nur etwa zwanzig", freut sich Weng Yichen. Auch gebe es hier mehr Austausch zwischen Studierenden, denn Diskussionen seien Teil des Seminars. "Ich habe hier viel bessere Chancen, meine Meinung zu äußern und lerne so die Inhalte auch besser", erzählt er.

Sie verstehen nur die Hälfte

Einziges Hindernis ist die Sprache. Denn Deutsch verstehen sie noch nicht so gut - nur etwa die Hälfte von dem, was die Lehrkräfte sagen, erzählen sie. Und das, obwohl die beiden, bevor sie nach Deutschland gekommen sind, fleißig deutsch gelernt haben. "Nach dem Unterricht brauchen wir etwa zwei bis drei Stunden, um alles zu wiederholen", erzählt Weng Yichen. Besonders schwierig sei es, wenn es keine Bücher gibt, in denen sie die Inhalte nochmal nachlesen und übersetzen können. Teilweise sei es - auf Grund von Datenschutz - nicht mal erlaubt, Unterlagen zu kopieren. Das sei in China anders. Da gebe es für alles Bücher.

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Corona: Unterschiede zwischen China und Deutschland

Betreut werden die beiden von Boris-Maximilian Uran, der an der FH Westküste für die fachliche Kooperation zuständig ist. Er hat vor Jahren selbst in China studiert und freut sich, dass auch in diesem Jahr ein paar Chinesen nach Dithmarschen gekommen sind. "Das ist für uns Internationalisierung und ein schönes Zeichen für die Fachhochschule, dass unsere Studierenden mit interkulturellen Kompetenzen ausgestattet sind." In diesem Jahr können die Studierenden außerdem miterleben, wie anders Deutschland mit der Pandemie umgeht. "China hat die Pandemie sehr strikt und rigoros eindämmen können. In Deutschland wurde ein anderer Weg gewählt", erklärt er. Umso mehr müsse er sich darum kümmern, dass sich die Studierenden trotzdem gut einfinden können.

Deutsches Essen: Nicht sehr ausgewogen

Wie unterschiedlich die zwei Länder sind, konnten Weng Yichen und Xu Zhehao bereits feststellen. Und auch beim Thema Essen gibt es große Unterschiede für die beiden. Denn seit sie hier sind, müssen sie sich komplett selbst versorgen. Das ist für beide Neuland. "Das Essen in Deutschland ist sehr salzig und trocken und oft ohne Gemüse", erzählt Weng Yichen. "Das finde ich nicht sehr ausgewogen." Dafür seien die Preise für Lebensmittel sehr viel günstiger. Milch zum Beispiel sei sehr viel billiger. Mittlerweile haben sich die beiden daran gewöhnt, selbst zu kochen, und haben sogar Spaß daran. "Aber die Sojasoße schmeckt hier nicht so gut wie in China", findet Weng Yichen. Ein paar chinesische Lebensmittel hat er aber mitgebracht. Doch schon jetzt sehnen sich die beiden nach original chinesischem Essen.

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