Sendedatum: 04.12.2019 19:30 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Back to the roots: Schweinemast wie früher

Sie stehen dicht an dicht, können sich kaum bewegen und werden im Turbotempo gemästet - so sieht es oftmals in der konventionellen Schweinehaltung aus. Ganz anders bei Thies Mohr in Hohenfelde bei Itzehoe im Kreis Steinburg: Seine Schweine haben viel Platz. Sie können sich im Matsch suhlen oder, wenn es ihnen zu kalt ist, im Stall verschwinden. Jeden Morgen serviert der Landwirt ihnen frische Äpfel. Das Ganze klingt nach bio - ist es aber nicht.

"Back to the Roots": Schweine im Schlamm

Schleswig-Holstein Magazin -

Besseres Fleisch durch Freilandhaltung und zufriedene Schweine. Das Motto von Landwirt Thies Mohr in Hohenfelde: "Back to the Roots". Mit Bio hat das erstmal nichts zu tun.

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Schweine halten wie früher

Mohrs Motto lautet: back to the roots. 80 Schweine hält er nach diesem Prinzip, verschiedene Rassen wie Duroc oder Angler Sattelschwein. Auch ein Wildschwein ist bei ihm zu Hause. "Die Fleischqualität verbessert sich um mindestens 300 Prozent. Sie bilden einen hohen Anteil an intramuskulärem Fett - durch die Bewegung im Schlamm", erläutert der Schweinewirt.

Freilandhaltung zusätzlich zur konventionellen Haltung

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Die Schweine von Thies Mohr dürfen im Dreck wühlen. Und jeden Morgen gibt es frische Äpfel.

Seit fünf Jahren arbeitet Mohr auf dem Hof seiner Eltern mit. Das Hauptgeschäft ist immer noch die Mast von Schweinen in konventioneller Haltung. Jetzt will er mit der Freilandhaltung durchstarten und einen Direktvertrieb aufbauen. "Wir haben noch nicht so viel Ahnung. Wir müssen ein kalkulierbares Risiko eingehen", gibt der Bauer zu. Bei seinem neuen Projekt will er vorhandene Ressourcen nutzen. So baut er beispielsweise einen Stall so um, dass die Schweine selbständig rein- und rausgehen können. "Wenn es schief geht, kann man es wieder umstellen."

Mohrs Schweine sind nicht bio

Auch wenn das alles nach ökologischer Landwirtschaft klingt - ein Bio-Siegel ziert die Produkte von Mohr nicht. Denn dann müssten die verfütterten Äpfel auch bio sein. "Wer ein Bio-Label kauft, der kann sich nicht sicher sein, dass das Schwein artgerecht gehalten wurde. Der kann nur sicher sein, dass alle Futterstoffe Bio-Charakter haben", erklärt er den Sachverhalt. Mohr stellt aber das Tierwohl in den Vordergrund. Ein Vertreter eines Bio-Labels hatte seinen Angaben zufolge mit der Freilandhaltung sogar Probleme. Man sei der Meinung, dass der Verbraucher die Außenhaltung nicht mag - wegen all dem Schlamm und Dreck.

Man sieht den Unterschied

Der Hohenfelder beweist aber das Gegenteil: Die Nachfrage nach seinen Produkten steigt. Die Koteletts sehen anders aus, als die im Supermarkt. Von außen ist zu sehen, welches Schwein im Schlamm wühlen durfte und welches nur im Stall herumstand. Die Produkte verkauft Mohr in seinem Hofladen. Preislich liegen sie zwischen Bio-Produkt und konventionellem Fleisch. Leben kann er davon noch nicht. Aber die Nachfrage macht Thies Mohr Mut: In den kommenden Jahren will er die Freilandhaltung von 80 auf 200 Schweine ausbauen.


05.12.2019 12:00 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version hatten wir im 2. Absatz von der Schweinerasse "Turoc" geschrieben. Hier hatte sich leider ein Tippfehler eingeschlichen. Es muss natürlich "Duroc" heißen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

 

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 04.12.2019 | 19:30 Uhr

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