Artenschutz mit dem richtigen Nistkasten für Fledermäuse

Stand: 10.08.2022 15:12 Uhr

Im Segeberger Forst wird erforscht, wie der Artenschutz auch bei moderner Architektur und Gebäudesanierung funktionieren kann. Denn viele Arten sind schon auf der Roten Liste.

von Elin Halvorsen

Wer an schönen Sommerabenden im Garten von Mücken gestört wird, könnte sich ein einfaches Abwehrsystem am Haus befestigen: einen Nistkasten für Fledermäuse. Doch nicht für alle Fledermausarten ist klar, welchen Kastentyp die Tiere bevorzugen. Deshalb wollen die beiden Biologen Matthias Göttsche und Florian Gloza-Rausch in einem Forschungsprojekt im Segeberger Forst herausfinden, wie die Fledermaus am liebsten wohnt. Weil die Rückzugsorte immer weniger werden, müssen Alternativen her.

Artenschutz muss bei Gebäuden mitgedacht werden

Ein Mann beobachtet durch eine Wärmebildkamera Fledermäuse. © NDR Foto: Elin Halvorsen
Florian Gloza-Rausch beobachtet mit der Wärmebildkamera das Abfliegen der Tiere aus dem Quartier

Seit Jahren werden Dächer gedämmt, Risse im Mauerwerk zugespachtelt, Hohlräume hinter Fassaden befüllt. Das alles sei wichtig, um Energie zu sparen, zerstöre aber wichtige Lebensräume der Fledermäuse, erklären die Biologen. Sie fordern: Wer sein Haus sanieren möchte, solle sich vorher beraten lassen, zum Beispiel vom NABU oder einem Planungsbüro, das sich auf den Artenschutz spezialisiert hat. So sei gewährleistet, dass bei den Gebäudesanierungen keine Fledermäuse zu schaden kommen, weil die Tiere tagsüber schlafen. Bei Neubauten müsse der Artenschutz dringend schon bei der Planung mitgedacht werden.

15 Fledermausarten in SH beheimatet

24 verschiedene Kästen sind am diesem Haus für ein Fledermaus-Forschungsprojekt angebracht. © NDR Foto: Elin Halvorsen
24 verschiedene Kästen sind am Haus für das Forschungsprojekt angebracht.

An einem alten Gebäude auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Wittenborn sind künstliche Quartiere, also unterschiedliche Nistkästen, angebracht. Ein paar Kästen hängen auch drumherum in freier Landschaft. Matthias Göttsche und Florian Gloza-Rausch kontrollieren hier, welcher Kastentyp von welcher Art bevorzugt genutzt wird. Etwa 15 verschiedene Arten sind in Schleswig-Holstein beheimatet, viele von ihnen bedroht und auf der Roten Liste.

Zwergfledermaus mag Holzbetonkasten

Ein Mann untersucht mit einem Geräuschmesser das Verhalten von Fledermäusen. © NDR Foto: Elin Halvorsen
Matthias Göttsche kann anhand der Laute der Fledermäuse die Art bestimmen.

Von Nistkästen im Eigenbau wird eher abgeraten. Oft seien die Schlitze am Kasten zu groß und die Tiere würden so gar nicht erst einziehen. Unterstützen kann man einige Fledermaustypen, wie die Zwergfledermaus, mit einem sogenannten Holzbetonkasten am Haus. Welches Quartier die anderen bedrohten Arten bevorzugen, dazu soll das Forschungsprojekt im Segeberger Forst in diesem Jahr Aufschluss geben, um alle 15 Arten in Schleswig-Holstein zu erhalten.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 10.08.2022 | 19:30 Uhr

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