Ein schwarz-weißes Foto zeigt NDR Reporter Norman Nawe in einer Kommentatorkabine in die Kamera schauen. © NDR
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Ein schwarz-weißes Foto zeigt NDR Reporter Norman Nawe in einer Kommentatorkabine in die Kamera schauen. © NDR
AUDIO: In Erinnerung an Norman Nawe (3 Min)

Abschied von unserem Kollegen Norman Nawe

Stand: 03.10.2022 13:30 Uhr

Wir alle hier im Landesfunkhaus Schleswig-Holstein sind in diesen Tagen sehr traurig. Unser lieber Kollege Norman Nawe ist tot. Er verstarb nach kurzer aber sehr schwerer Krankheit am 24. September 2022 im Alter von 50 Jahren.

von Rudi Dautwiz

Radio-Reporter werden eher an der Stimme erkannt als am Namen: "Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen" (Herbert Zimmermann) oder "Da kommt der Ball auf Müller, der dreht sich um die eigene Achse, schießt und Tor" (Heribert Faßbender). Die entscheidenden Momente der Fußball-Weltmeisterschaften 1954 und 1974 haben viele von uns im Ohr. Einer, der mit seiner Stimme die Hörer und Hörerinnen in seinen Bann zog, war Norman Nawe.

Im Jahr 1994 begann seine Karriere bei NDR 1 Welle Nord. Es war eine Zeit, in der Sportberichte noch häufig per Telefon nach Spielschluss übertragen wurden. Ein Handy gab es zu dieser Zeit noch nicht, also wurde aus Schiedsrichterkabinen oder Sportlerheimen berichtet. Den Telefonhörer in der Hand, die konzentriert lauschenden, kritischen Ohren des Schiedsrichters oder Vereinswirtes im Rücken. So lernt man mit Druck umzugehen - und Norman gelang dies schnell ohne große Probleme. Im Sport kannte er sich seit jungen Jahren bestens aus, vor allem im Fußball. Beim Wiker SV in Kiel spielte er seit dem sechsten Lebensjahr. Wenn er mal nicht auf dem Fußballplatz war, dann war kein Buch, keine Zeitung vor ihm sicher, in der er etwas über Sport finden konnte. Doch nicht nur seine Fachkenntnis bewahrte Norman vor Stress, auch seine ruhige, besonnene Art passte perfekt zu den anspruchsvollen Aufgaben eines Radio-Reporters.

Norman liebte den Sport - und das Radio

Bei NDR 1 Welle Nord entwickelte sich Norman in kurzer Zeit zu einem menschlich und fachlich sehr geschätzten Kollegen. Es wurde schnell klar, dass er der perfekte Reporter vor allem für die Spiele von Holstein Kiel war. Die "Störche" waren sein Verein. Sein unglaubliches Wissen über den Club sorgte dafür, dass er an der beeindruckenden Vereinschronik zum 100-jährigen Jubiläum 1999 als Autor mitwirkte. Als Reporter hatte Norman zunächst nicht viel Glück mit höherklassigem Fußball - Holstein Kiels sportlicher Aufschwung ließ lange auf sich warten.

Von 1996 bis 2017 pendelte der Verein zwischen der dritten und vierten Liga. Aber ganz gleich wo Holstein Kiel spielte - ob gegen Heide, Neumünster, Flensburg oder auch in Burghausen, Jena und in Großaspach - Norman berichtete von den Spielen mit einer nie endenden Leidenschaft. Und dass er auch über Deutsche Meister und Champions-League-Sieger berichten konnte, bewies er als Handball-Reporter bei den Spielen der SG Flensburg Handewitt und des THW Kiel.

Egal wer spielte, die Familie stand immer an erster Stelle

Gesetzt war der "Kieler Jung" bei den Spielen von Holstein Kiel - und so konnten sich die Hörerinnen und Hörer auch bei den großen Spielen auf seine vertraute Stimme verlassen. Norman schilderte das "Drama von München", als Holstein Kiel 2015 in der 93. Minute bei 1860 München den Zweitliga-Aufstieg verpasste. Als die Kieler 2018 und 2021 an die Tür zur Bundesliga klopften, aber jeweils am VfL Wolfsburg und dem 1. FC Köln scheiterte, war es natürlich auch seine Stimme, die Emotionen hautnah schilderten und die Niederlagen fachkundig erklärten.

Bei so viel Begeisterung für den Sport blieb immer noch Platz für die Familie, die - da konnten die Kieler "Störche" spielen wo sie wollten - immer an erster Stelle stand. Der Sommerurlaub auf Föhr war gesetzt, viele weitere Reisen fester Bestandteil des Familienmenschen. Na gut, wenn es mal in seine Lieblingsstadt Prag ging, dann konnte man das natürlich auch mit dem Besuch eines Fußball- oder Eishockeyspiels verbinden. Aber das war eher die Ausnahme als die Regel.

Norman - hervorragender Reporter, lieber Kollege und guter Freund

Wie die Liebe zum Sport und zu seinem Beruf als Sport-Reporter begleiteten Norman leider auch über viele Jahre gesundheitliche Probleme. Am 30. Juli 2022, ausgerechnet bei seinem letzten Einsatz für die NDR 1 Welle Nord, verschlechterte sich sein Zustand. Zu hören war davon rein gar nichts. Normans Stimme klang wie immer: nah bei den Hörerinnen und Hörer, kompetent - einfach nur gut. Doch es war das letzte Mal, dass er live auf NDR 1 Welle Nord zu hören war. Knapp zwei Monate später starb Norman in Kiel.

Dieses Thema im Programm:

Moin! Schleswig-Holstein mittendrin | 01.10.2022 | 14:40 Uhr

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