Stand: 22.08.2017 19:52 Uhr

AKW Brunsbüttel: Betreiber nennt Rückbau-Details

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Der Chef des Atomkraftwerks in Brunsbüttel rechnet damit, im kommenden Jahr die Genehmigung für den Abriss des Meilers zu erhalten.

Vor knapp fünf Jahren stellte Betreiber Vattenfall den Antrag, sein Kernkraftwerk in Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) abreißen zu dürfen. Wie im Geesthachter Meiler Krümmel war es dort zuvor immer wieder zu Pannen gekommen. Dies führte bereits 2007 dazu, dass Vattenfall den Reaktor vom Netz nahm. Am Dienstag hat AKW-Chef Markus Willicks erklärt, er rechne bis spätestens Mitte kommenden Jahres mit einer Abriss-Genehmigung. Im Jahr 2031 könnte in Brunsbüttel anstelle des Meilers wieder eine "grüne Wiese" zu sehen sein, so Willicks. Was dann mit den Grundstücken geschieht, weiß noch niemand. Der Meiler in Brunsbüttel wäre der erste in Schleswig-Holstein, der abgerissen wird.

Brennelemente in Castor-Behälter ausgelagert

Bis die Genehmigung des Energiewendeministeriums da ist, kann Betreiber Vattenfall den Rückbau nur vorbereiten. Die Entfernung aller Brennelemente wurde laut Willicks Mitte Juni abgeschlossen. Sie befinden sich in Castor-Behältern auf dem Betriebsgelände. Beginnt der Abriss des Kraftwerks, wird davon von außen viele Jahre nichts zu sehen sein. Nach Angaben des für den Rückbau verantwortlichen Hans-Georg Bacmeister beginnt der Abriss innen. "Rückbau heißt sägen, schneiden, schleifen und schrubben", sagte Bacmeister. Sämtliches Material werde zu handlichen Stücken zerkleinert, mit einer Presse verdichtet und eingepackt.

Einige der Abfälle sollen dekontaminiert werden

Der Meiler in Brunsbüttel hat laut Umweltministerium ungefähr 300.000 Tonnen Masse. Rund 90 Prozent gelten als Bauschutt und unbelastet. Das sind Gebäude, Fundamente oder Rohrleitungen, die weit genug vom Reaktor weg waren, um nicht von radioaktiven Materialien verstrahlt zu werden. Übrig bleiben neben den Brennelementen und anderen stark kontaminierten Materialien, die dauerhaft verunreinigt und dadurch selbst strahlungsaktiv sind, noch 20.000 bis 30.000 Tonnen schwach radioaktive Abfälle. Sie sollen dekontaminiert werden. Das kann bedeuten, dass die Oberfläche abgeschrubbt oder abgefräst, mit Zitronensäure abgespült oder mit einem Hochdruckreiniger beziehungsweise Strahlgebläse gereinigt wird.

Umweltschützer kritisieren Freimess-Methode

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Die sogenannte Freimess-Anlage prüft die Abfälle, die bei dem Rückbau anfallen, auf Strahlung.

Abfälle, die nach der Strahlenschutzverordnung radioaktiv sind, dürfen nach Angaben des Energiewendeministeriums nicht recycelt werden. Deshalb wird mit Ausnahme der dauerhaft verunreinigten Materialien sämtlicher Müll in einem silbernen Würfel namens Freimess-Anlage auf Strahlung geprüft. In der Strahlenschutzverordnung ist festgelegt, dass durch die Abfälle die Dosisbelastung für eine Person einen Grenzwert von zehn Mikrosievert im Kalenderjahr nicht überschreiten darf. Umweltschützer kritisieren das Freimessen. Damit könne Bauschutt mit einer Radioaktivität unterhalb einer willkürlich festgelegten Schwelle als normaler Abfall aus dem Atomgesetz entlassen werden, sagte Karsten Hinrichsen von der Initiative "Brokdorf akut".

In etwa zwölf Jahren soll laut Vattenfall schließlich mit dem Abriss der Außenhülle in Brunsbüttel begonnen werden. Danach wäre das Kernkraftwerk dann verschwunden. Übrig bleiben nach Angaben des Betreibers jedoch die Atommüll-Lager auf dem Gelände - und zwar so lange, bis es in Deutschland ein funktionierendes Endlager gibt.


28.08.2017 14:00 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer älteren Version dieses Artikels war im Zusammenhang mit radioaktiven Abfällen vom Strahlenschutzgesetz die Rede. Diesem hat der Bundesrat am 12. Mai zwar zugestimmt. Noch ist es aber nicht in Kraft getreten. Grenzwerte beziehen sich daher noch auf die sogenannte Strahlenschutzverordnung. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

 

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 22.08.2017 | 19:30 Uhr

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