Stand: 06.05.2019 19:13 Uhr

A7: Sollte das Tempolimit 120 einfach bleiben?

von Jelto Ringena

Sie schien wie eine endlose Baustelle: Die A7 zwischen dem Bordesholmer Dreieck und Hamburg. Fast fünf Jahre lang wurde an der Strecke gebaut, doch jetzt sind die Bauarbeiten abgeschlossen. Das Ergebnis: eine Autobahn mit drei Spuren in jeder Richtung. Mit dem Abschluss der Bauarbeiten soll jetzt auch das Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde wieder aufgehoben werden. Über diesen Plan ist nun ein Streit entbrannt - zwischen Verkehrs-Vereinen, zwischen Politikern und auch zwischen Nutzern auf NDR.de.

DVWG fordert dauerhaft 120 auf der A7

Eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 Kilometern pro Stunde würde auf der Strecke für einen besseren Verkehrsfluss sorgen, außerdem würde es sicherer auf der A7, meint Jan Ninnemann, Präsident der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft (DVWG). Er selbst sei gerade erst aus Dänemark zurückgekommen, erzählt er. "Wenn man in Dänemark unterwegs ist, merkt man, dass man da relativ entspannt fahren kann. Man merkt sobald man über die Grenze bei Flensburg kommt, dass die Verkehrssituation anstrengender wird." In Dänemark gilt ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde.

Grüne: CO2-Ausstoß wird durch Tempolimit gesenkt

Die Grünen unterstützen die DVWG-Forderung, das Tempolimit von 120 auf der A7 beizubehalten. Andreas Tietze, Verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, sagte NDR Schleswig-Holstein, dass der CO2-Ausstoß durch ein Tempolimit gesenkt würde. Dies sei ein Aspekt, der in Zeiten des Klimawandels nicht zu verachten sei. Außerdem erwähnt Tietze den besseren Verkehrsfluss. Dieser sei für die Fahrtzeit nach Hamburg ein großer Vorteil. Auch auf Bundesebene setzen sich die Grünen für ein generelles Tempolimit ein. Deswegen ducke man sich im Falle der A7 nicht weg, betont Tietze.

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Differenzen innerhalb der "Jamaika"-Koalition

Damit offenbart Tietze Differenzen in der Verkehrspolitik innerhalb der "Jamaika"-Koalition. "Ein durchgehendes Tempolimit auf der A7 lehnen wir grundsätzlich ab", sagte etwa der CDU-Verkehrspolitiker Hans-Jörn Arp. Weil der Abschnitt zwischen Bordesholmer Dreieck und Hamburg auf höhere Geschwindigkeiten ausgelegt sei, gebe es entsprechend aufwendige Schallschutzmaßnahmen.

FDP-Fraktionschef Christopher Vogt ließ wissen: "Wir wollen kein politisch begründetes Tempolimit auf der A7, die auch für höhere Geschwindigkeiten geplant und gebaut ist." Man habe im Koalitionsvertrag nicht vereinbart, dass man sich für ein generelles Tempolimit einsetze. "Dies werden wir jetzt auch nicht durch die Hintertür machen", sagte Vogt.

ADAC: Autobahnen sicherste Straßen Deutschlands

Mit diesem Satz dürfte Vogt beim Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) Schleswig-Holstein offene Türen einrennen. Dieser spricht sich gegen ein Tempolimit auf Autobahnen aus. Laut ADAC sind die Autobahnen die sichersten Straßen in Deutschland. Probleme bei der Verkehrssicherheit gebe es bei den Landstraßen. Auch den Umweltaspekt findet der ADAC nur wenig nachvollziehbar. Aufgrund der heutigen Verkehrsdichte sei es ohnehin kaum möglich, viel schneller als 130 Kilometer in der Stunde zu fahren, so der ADAC.

Nur das Bundesministerium kann entscheiden

Da die A7 eine Bundesautobahn ist, kann nur das Bundesverkehrsministerium in Berlin über ein mögliches Tempolimit auf der Autobahn entscheiden. Nichtsdestotrotz hat die SPD zu dem Thema für die Landtagssitzung in der nächsten Woche eine Aktuelle Stunde beantragt. "Es sprechen viele Gründe für ein Tempolimit", sagte Fraktionschef Ralf Stegner. Höhere Fahrsicherheit und damit weniger Unfälle gehörten dazu. Er halte Tempo 130 als Limit für denkbar, sagte Stegner.

Lebhafte Diskussion im Netz

Das Thema wird auch auf NDR.de und der Facebook-Seite von NDR Schleswig-Holstein kontrovers diskutiert. Dabei reichen die Meinungen von kompletter Freigabe der Autobahn ohne Begrenzung bis zur Forderung nach einem generellen Tempo-130-Limit auf allen Autobahnen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 06.05.2019 | 19:30 Uhr

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