Ein Wolf steht im Wald. © picture alliance Foto: Patrick Pleul

Wolf soll in Niedersachsen ins Jagdrecht aufgenommen werden

Stand: 03.11.2020 20:31 Uhr

Weidetierhalter fordern schon lange, dass der Wolf in Niedersachsen ins Jagdrecht aufgenommen wird. Jetzt haben sich die Regierungsfraktionen auf einen entsprechenden Antrag verständigt.

In der kommenden Woche wollen die Fraktionen von SPD und CDU den Entschließungsantrag in den Landtag einbringen. "Das ist ein wichtiges Signal für die Weidetierhalter in Niedersachsen", sagte der CDU-Abgeordnete Frank Schmädeke. Teile der CDU hatten die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht schon lange gefordert. Am aktuellen Status des Raubtieres werde sich dadurch allerdings nichts ändern. Wölfe blieben weiter geschützt und dürften laut Europarecht nicht gejagt werden, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Die Aufnahme ins Jagdrecht sei jedoch ein weiterer Schritt hin zu dem Ziel, diesen Schutz des Wolfes allmählich aufzuweichen.

Nur Bund kann Gesetze zum Schutz von Wölfen ändern

Die FDP-Fraktion begrüßte den Schritt. Auch sie hatte sich im Landtag schon seit Längerem dafür eingesetzt. "Es bleibt wichtig, dass endlich gehandelt und nicht nur geredet wird", sagte der Abgeordnete Hermann Grupe. Auch Umweltminister Olaf Lies (SPD) kann sich vorstellen, Wölfe zur Jagd freizugeben: "Wir werden an der Frage nicht vorbeikommen: Wie viele Tiere im Land müssen da sein, damit die Population des Wolfs nicht gefährdet ist. Aber wie gehen wir dann auch damit um, wenn diese Zahl überschritten wird?" Diese Frage kann Niedersachsen nicht allein beantworten. Das kann nur der Bund, indem er entsprechende Gesetze ändert. Bis dahin bleiben Wölfe in Deutschland geschützt, auch wenn sie im Jagdrecht stehen.

Abschuss von Problemwölfen soll einfacher werden

Darüber hinaus soll es in Niedersachsen eine neue Wolfsverordnung geben, die nach Angaben des Umweltministeriums das Abschießen von sogenannten Problemwölfen erleichtern soll. So soll künftig nach einem standardisierten Verfahren vorgegangen werden und keine Ausnahmegenehmigung mehr nötig sein, die auf jeden Einzelfall zugeschnitten ist. Die Hoffnung ist, dass Problemwölfe in der Praxis dann auch schneller abgeschossen werden als bisher. "Wir werden auch beim Wolf ins System eingreifen müssen und können nicht die Vorstellung haben, dass die natürliche Entwicklung das alles löst, ohne dass es einen natürlichen Feind gibt", hatte Lies kürzlich gesagt. Angesichts der weiter wachsenden Wolfs-Population müsse man in die Lage kommen, mit anderen Maßnahmen als allein mit Schutzzäunen zu reagieren.

35 Wolfs-Rudel in Niedersachsen

In Niedersachsen leben zwischen 300 und 350 Wölfe in 35 Rudeln. In diesem Jahr gab es bis Ende August knapp 700 Wolfsrisse. Rund ein Dutzend der Tiere gelten als Problemwölfe, die zum Beispiel auch Schutzzäune überspringen und Rinder und Pferde töten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.11.2020 | 07:00 Uhr

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