Drei Justizbeamte stehen vor dem Sitzungssaal des Amtsgerichts Meppen. © dpa-Bildfunk Foto: Friso Gentsch

Windkraft-Unternehmer Holt: Insolvenzverfahren hat begonnen

Stand: 01.07.2021 15:31 Uhr

Betrug mit Windparks, gefälschte Unterschriften und ein Schaden bei Energiekonzernen in Millionenhöhe - der Fall Hendrik Holt beschäftigt die Justiz. Jetzt ist das Insolvenzverfahren eröffnet worden.

Das Amtsgericht Oldenburg hat Malte Köster zum Insolvenzverwalter von Hendrik Holt bestellt und das Verfahren eröffnet. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes "Kriminalinsolvenzverfahren". Das heißt, Köster muss das Vermögen zunächst aufspüren, bevor er ausstehende Summen - die Verbindlichkeiten betragen mehr als zehn Millionen Euro - an die Gläubiger verteilen kann. Einen Teil habe er mithilfe der Staatsanwaltschaft Osnabrück bereits in einer ausländischen Steueroase bei einer Schweizer Bank ermittelt. Dabei handele es sich um einen niedrigen Millionenbetrag, sagte Köster dem NDR in Niedersachsen.

Gewerbsmäßiger Betrug in fünf Fällen

Insolvenzverwalter Dr. Malte Köster sitzt mit einem Aktenordner an einem Tisch. © NDR Foto: Susanne Schäfer
Insolvenzverwalter Malte Köster sucht nach Spuren der verschwundenen Millionen im Fall des Windpark-Unternehmers Hendrik Holt.

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hatte im April Anklage wegen Betruges gegen den emsländischen Jung-Unternehmer Hendrik Holt erhoben. Insgesamt müssen sich in dem Verfahren fünf Beschuldigte verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, zwischen Oktober 2019 und Februar 2020 in fünf Fällen banden- und gewerbsmäßigen Betrug begangen zu haben. Einem der Beschuldigten wird auch Insolvenzverschleppung vorgeworfen.

Wo ist das Geld der Familie aus Haselünne?

Der 31-jährige Hauptangeklagte Hendrik Holt, seine Mutter, seine Schwester, sein Bruder sowie der Finanzdirektor der Unternehmensgruppe sollen Energiekonzerne mit teils frei erfundenen Windparkprojekten betrogen haben. Insolvenzverwalter Köster geht davon aus, dass das Luxusleben der Familie aus Haselünne sehr viel Geld verschlungen habe, allerdings müsse irgendwo noch Geld verborgen sein. Dass das Insolvenzverfahren vor Prozessbeginn begonnen habe, sei rechtliches Neuland für alle, sagte Köster.

Holt ist bereits verurteilt

Das Amtsgericht Meppen hatte Holt im Oktober 2020 wegen kleinerer Delikte bereits zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Wann das Hauptverfahren gegen Holt eröffnet wird, hat das Landgericht Osnabrück noch nicht entschieden.

Weitere Informationen
Der angeklagte Windkraftunternehmer Hendrik Holt steht in Handschellen im Amtsgericht Meppen. © dpa-Bildfunk Foto: Friso Gentsch

Emsland: Anklage wegen Betrugs gegen Windkraftunternehmer

Fünf Beschuldigte sollen Energiekonzerne mit erfundenen Projekten um fast sechs Millionen Euro betrogen haben. (15.04.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 01.07.2021 | 13:30 Uhr

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