In einem Klassenzimmer ist ein Fenster während des Unterrichts weit geöffnet. © picture alliance Foto: Uli Deck

Wie geht Schule in Niedersachsen nach Herbstferien weiter?

Stand: 11.10.2020 13:40 Uhr

Am 23. Oktober enden in Niedersachsen die Herbstferien. Mit versetztem Unterrichtsstart und häufigem Lüften soll die Ansteckungsgefahr mit Corona an Schulen zum Winter hin klein gehalten werden.

Das Infektionsrisiko steigt für viele Kinder und Jugendliche bereits auf dem Weg zur Schule - in überfüllten Bussen. Um diese Situation zu entzerren, kann sich Niedersachsens Kultusminister Grant-Hendrik Tonne (SPD) einen zeitlich versetzten Unterrichtsbeginn vorstellen. In einem Brief an alle Lehrer in Niedersachsen verweist der Minister auf "gute Erfahrungen" der Regionen, die sich bereits neu organisiert haben. Die Schulen, für die ein gestaffelter Unterrichtsbeginn infrage komme, könnten sich bei der Landesschulbehörde beraten lassen, so Tonne weiter.

Lüften, lüften, lüften - Schüler sollen sich warm anziehen

In der Schule selbst soll regelmäßiges Lüften in den Klassenräumen das Ansteckungsrisiko minimieren. Das Prinzip lautet "20:5:20", also 20 Minuten Unterricht, 5 Minuten Stoßlüften, 20 Minuten Unterricht. Daran führe kein Weg vorbei, sagte Tonne. In einem Brief rief er die Schülerinnen und Schüler im Land auf, nach den Ferien "eine Jacke oder einen Pullover zum Überziehen" dabei zu haben. Lehrerverbände und die Opposition im Niedersächsischen Landtag haben allerdings bereits mehrfach kritisiert, dass sich nicht in allen Schulen die Fenster weit öffnen ließen.

Risiko-Familien soll Homeschooling erleichtert werden

Angesichts der steigenden Infektionszahlen will Tonne bestimmten Kindern den Heimunterricht erleichtern. Die geplante Regelung betreffe in erster Linie Familien, in denen jemand zur Corona-Risikogruppe gehört. Schüler aus diesen Familien können demnach nach den Herbstferien zu Hause unterrichtet werden, wenn ein entsprechendes ärztliches Attest vorliegt und es darüber hinaus in der Stadt beziehungsweise dem Landkreis besonders viele Corona-Infektionen gibt. Ob die Schwelle bei 35 oder 50 Infizierten pro 100.000 Einwohner liegen wird, steht nach Angaben des Kultusministers noch nicht fest. Die Bundesländer wollen sich in dem Punkt noch abstimmen. Bislang haben Kinder mit gefährdeten Angehörigen in der Regel nur dann Anspruch auf Home-Schooling, wenn es in der Schule Verdachtsfälle oder bestätigte Infektionen gibt.

Tonne: Corona-Fälle kommen von außen in Schulen

Grundsätzlich sieht Tonne Schulen nicht als potenzielle Corona-Hotspots. Es gebe weiterhin keine Hinweise darauf, dass sich Infektionsketten in Schulen bilden. Covid-19-Fälle werden von außen in die Schulen getragen, sagte der SPD-Politiker. Auch bei den Corona-Tests für Lehrer seien bislang keine verdeckten Infektionen bekannt geworden.

Schülerrat beobachtet "neue Gelassenheit"

Der Landesschülerrat warnt unterdessen davor, dass die Angst vor dem Coronavirus trotz steigender Fallzahlen nachlasse. "Derzeit gibt es das Phänomen einer neuen Gelassenheit", sagte der Vorsitzende des Schülergremiums, Florian Reetz. Das sorge dafür, dass Schülerinnen und Schüler durch die eigentlich sehr gute und erfolgreiche Arbeit und Information durch die Lehrkräfte den Eindruck hätten, die Regeln seien nun nicht mehr so wichtig. Die Toleranzgrenze für die Regeln sinke, mahnte Reetz.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Aktuell | 10.10.2020 | 10:00 Uhr

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