EIn Hand hält eine Weinrebe an  einem Weinstock in die Kamera. © NDR Online Foto: Ole Spata

Wein aus Niedersachsen darf kein niedersächsischer Wein sein

Stand: 21.09.2021 10:37 Uhr

Immer mehr Niedersachsen bauen Wein an, dürfen ihn aber nicht als niedersächsisch kennzeichnen. Der niedersächsische Weinbauverband glaubt, dass das auch noch dauern wird. Das ärgert viele Neu-Winzer.

Das Weingesetz sieht ein niedersächsisches Landweingebiet bislang nicht vor. Solange sich das nicht ändert, darf der Wein nicht regional gekennzeichnet werden - sondern lediglich als deutscher Wein. Landwirt Helmut Bäßmann, der in der Wedemark in der Region Hannover auf knapp zwei Hektar Fläche Wein anbaut, fordert, dass sich das ändert. Der niedersächsische Weinbauverband müsse um die Ausweisung des Landes als Weinbaugebiet kämpfen - und dabei "Gas geben", so Bäßmann.

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Bedingungen werden seit Jahren immer besser

Der Vorsitzende des niedersächsischen Weinbauverbandes, Jan Brinkmann, sieht ein niedersächsisches Weinbaugebiet dagegen "noch in weiter Ferne". Dabei werden die Voraussetzungen dafür seit Jahren immer besser. Die Klimazone für Weinanbau in Deutschland habe sich in den vergangenen 30 Jahren um 400 Kilometer nach Norden bewegt, sagte der Agrarwissenschaftler und gelernte Winzer Matthias Färber, der in Burgdorf (Region Hannover) zusammen mit einem Landwirt Wein anbaut. Die Bedingungen für Weinbau im Norden seien daher "durchaus realistisch", so Färber.

Teures Hobby, strenge Regeln

Für Färber und seinen Winzer-Partner ist der Weinbau ein Hobby - allerdings eines, in das sie "eine fünfstellige Summe" investieren. Umso ärgerlicher findet auch Färber, dass die gesetzlichen Regelungen die Vermarktung und Etikettierung des niedersächsischen Weines erschweren und sie derzeit nur "Deutscher Wein" auf ihre Etiketten schreiben dürfen. Das ist die unterste Stufe, die nächste wäre Landwein. Dafür müsste Niedersachsen aber auch offizielles Weinbaugebiet sein.

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Herkunft und nicht Qualität entscheidend

Auch Verbandschef Jan Brinkmann, der in Bad Iburg im Landkreis Osnabrück Wein anbaut, kritisiert das Weingesetz: Selbst wenn sein Wein Spätlesequalität erreiche, dürfe er das nicht auf das Etikett schreiben, ebenso wenig die Herkunft des Weines aus dem Teutoburger Wald - nur seine Adresse, die "muss drauf". Es zähle also nur die Herkunft, nicht die Qualität. Für seinen Betrieb sei Wein dennoch "die Antwort auf den Klimawandel", so Brinkmann. Kein Wunder, wenn "mir im Ackerbau drei Jahre der Weizen vertrocknet". Allerdings müsse der niedersächsische Wein regional noch bekannter werden.

Immer mehr Hobby-Winzer in Niedersachsen

Ein Winzer hält einen Rebstock in der Hand. © NDR Foto: NDR
Der Apotheker Michael Winkler hat in Lenglern einen Weinberg mit rund 6.000 Reben.

Angesichts von Klimawandel und Extremwetter, Trockenheit oder Überschwemmungen steigen immer mehr Landwirte in Niedersachsen auf den Anbau von Wein um. Aber auch Privatleute entdecken die Kultivierung von Reben zunehmend als Hobby. Einer von ihnen ist Michael Winkler aus Göttingen. Er ist eigentlich Apotheker, hat aber in Lenglern im Landkreis Göttigen auch einen Weinberg mit rund 6.000 Reben. Das sei nicht nur "Spaß und Genuss, sondern auch jede Menge Arbeit", so Winkler. Denn die Weinreben brauchen viel Aufmerksamkeit.

Flächen für Weinbau vervierfacht

Laut Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gibt es landesweit 38 Bewilligungen für professionellen Weinanbau, die genehmigte Rebfläche wuchs seit 2016 auf rund 32 Hektar. Vor ziemlich genau fünf Jahren, am 27. September 2016, hatte Niedersachsen erstmals Weinbaurechte erhalten. Die zuständige Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung genehmigte damals zehn Antragstellern insgesamt rund 7,6 Hektar für Rebpflanzungen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren solche Rechte fast ausschließlich nach Süddeutschland gegangen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Hellwach | 21.09.2021 | 08:40 Uhr

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