Stand: 23.03.2020 21:44 Uhr

Weil zu Corona: Land in "tiefgekühltem Zustand"

"Eine solche Woche hat Niedersachsen noch nie erlebt." Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat sich am Montagnachmittag erneut zur Ausbreitung des Coronavirus im Land geäußert. Seit Montag gilt in Niedersachsen und den anderen Bundesländern wegen der Corona-Krise ein weitrechendes Kontaktverbot. Menschen dürfen sich unter anderem nur noch maximal zu zweit in der Öffentlichkeit aufhalten, zu anderen Personen ist ein Mindestabstand von 1,50 Meter vorgeschrieben. Und das wird auch erst einmal so bleiben: Weil kündigte an, dass die Kontaktsperren erst einmal bis zum 18. April dieses Jahres gelten werden. Er bezeichnete Niedersachsen als "Land im tiefgekühlten Zustand" - es sei generell sehr ruhig im Land.

VIDEO: Coronavirus: Wenige Verstöße gegen Kontaktverbot (6 Min)

Derzeit 1.779 Infektionen in Niedersachsen

Die aktuellen Zahlen: In Niedersachsen gäbe es derzeit 1.779 Infektionen mit dem Coronavirus. Zwei weitere Todesfälle gab es im Landkreis Vechta sowie in Wolfsburg. Sechs Menschen sind bislang gestorben. "Wir hoffen, dass wir so nach Ostern einen spürbaren Einfluss auf die Infektionskurve nehmen können", sagte Weil. Die meisten Menschen würden sich an die Vorgaben halten, so der Ministerpräsident weiter. "Die Bürger haben verstanden, was vorgesehen ist und beachten es." Er sei sich klar, dass es sich bei den Vorgaben um eine Einschränkung von Grundrechten handele, die es so noch nicht gegeben hat. Aber: "Wir sehen uns im Ergebnis bestätigt, unsere eingeschlagene Strategie fortzusetzen." Die Polizei werde bei Hinweisen auf Verstöße intervenieren, kündigte Weil an.

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Erst Gefährderansprache - "dann wird reagiert"

Claudia Schröder, Abteilungsleiterin im niedersächsischen Gesundheitsministerium und ebenfalls Mitglied des Krisenstabs, erläuterte am Montag, wie die Kontrollen der Polizei ablaufen werden. Zunächst, so Schröder, gebe es eine sogenannte Gefährderansprache bei möglichen Verstößen. Auf diesem Weg sollen die Inhalte der entsprechenden Allgemeinverfügung noch einmal erklärt werden. "Dann wird reagiert", sagte Schröder weiter. Es könne aber in naher Zukunft auch sein, dass schneller reagiert wird, weil das Wissen über die Allgemeinverfügungen in der Bevölkerung auch zunehme. Entscheidend sei dann noch, ob ein möglicher Verstoß vorsätzlich oder nicht erfolge. Die Bußgelder reichen von 2.500 bis 25.000 Euro - entscheidend sei, in welchem Umfang verstoßen wurde, so Schröder.

Patienten werden verlegt

"Wenn wir den Infektionsverlauf verlangsamen, werden unsere Krankenhäuser gut aufgestellt sein", sagte Schröder. Um die Zahl verfügbarer Intensivbetten zu erhöhen, würden viele der übrigen Patienten in andere für die Pflege geeignete Einrichtungen verlegt. Die zusätzlich bestellten Beatmungsgeräte sollten binnen zwei Stunden nach Anlieferung auf die Kliniken verteilt werden. Niedersachsen verfüge in etwa über so viele Betten mit Beatmungsmöglichkeit wie ganz Italien. Zwei Hubschrauber der Luftrettung wurden dafür reserviert, Betroffene im Notfall binnen 60 Minuten in eine Klinik mit Beatmungsmöglichkeit zu schaffen.

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Weil: "Einige haben es noch nicht kapiert"

Die meisten Menschen im Niedersachsen hätten sich bereits am Wochenende an die Vorgaben des Landes gehalten. Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, gab es lediglich vereinzelte Verstöße, die von der Polizei geahndet werden mussten. "Es gibt aber immer noch einige, die es nicht kapiert haben", sagte Ministerpräsident Weil. Da müsse man nun nachhelfen. Weil betonte, dass eine komplette Ausgangsperre, bei der die Menschen in ihrer Wohnung bleiben müssten, aktuell nicht zur Debatte stehe. Es sei aus medizinischer Sicht nicht sinnvoll, wenn die Menschen nicht mehr ins Freie dürften, sagte er.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 23.03.2020 | 19:30 Uhr

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