Ein Pappaufsteller der Gewerkschaft Verdi mit der Aufschrift "Gebraucht. Geliefert. Gelackmeiert!?" steht auf dem Opernplatz © dpa-Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich

Warnstreiks: Tausende Niedersachsen legen Arbeit nieder

Stand: 21.10.2020 15:50 Uhr

Einen Tag vor den nächsten Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst sind in Niedersachsen und Bremen 15.000 Beschäftigte in den Ausstand getreten. Das schätzt ver.di. Im ganzen Land gab es Aktionen.

Die Erwartungen an die Teilnehmerzahl seien fast durchweg um etwa zehn Prozent übertroffen worden, teilte die Dienstleistungsgewerkschaft am Mittwoch mit. Der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke sprach in Hannover von einem "starken Signal". Er warf den Arbeitgebern einen "Corona-Blackout" vor. "Die öffentlichen Arbeitgeber haben vergessen, was Ihr jeden Tag leistet", sagte Werneke vor rund 500 Menschen auf dem Opernplatz. Während der Pandemie sei Herausragendes geleistet worden. Allerdings erlebe er nach vielen warmen Worten der Politiker einen "kompletten Gedächtnisverlust".

Viele Streikende in der Landeshauptstadt

Frank Werneke, Vorsitzender der Gewerkschaft Verdi, spricht während einer Kundgebung zu Beschäftigen im öffentlichen Dienst auf dem Opernplatz. © dpa-Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich
Ver.di-Chef Werneke wirft den Arbeitgebern einen "kompletten Gedächtnisverlust" vor.

In Hannover waren am Mittwoch erneut unter anderem Beschäftigte der Stadtverwaltung, des Abfallentsorgers aha, der Sparkasse und des Klinikums Region Hannover in den Warnstreik getreten. In der Abfallentsorgung etwa sei der Warnstreik "sehr erfolgreich angelaufen", sagte ein Sprecher der Gewerkschaft ver.di. Etwa 90 Prozent der zum Warnstreik aufgerufenen Beschäftigten habe sich beteiligt - das zeige einen "wahnsinnigen Streikdruck".

Große Kundgebungen in Braunschweig und Salzgitter

In Braunschweig kamen rund 400 Beschäftigte der Stadtverwaltung, der Bau- und Grünbereiche, von BS Energy, der Agentur für Arbeit und des Jobcenters zu einer Kundgebung. Das berichtet NDR 1 Niedersachsen. In Salzgitter waren es demnach rund 200, in Wolfenbüttel 150 Teilnehmer. In Braunschweig und Peine blieben jeweils fünf Kitas geschlossen. Auch das Schwimmbad in Peine öffnete nicht, genauso wie in Wolfenbüttel. Im Landkreis Goslar wurden Mülltonnen zum Teil nicht geleert. Am Klinikum Wolfsburg wurde eine Notversorgung eingerichtet. Auch in Göttingen, Northeim und Osterode beteiligten sich Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes am Warnstreik.

Müll in Hameln-Pyrmont bleibt stehen

Auch im Weserbergland hatte die Gewerkschaft Aktionen angekündigt. Im Landkreis Hameln-Pyrmont waren unter anderem die Mitarbeiter der Kommune, der Kreisabfallwirtschaft, der Wasserschifffahrtsverwaltung und der Straßenmeisterei aufgerufen, sich erneut an dem Warnstreik zu beteiligen.

700 Beschäftigte streiken in Lüneburg

In Nordostniedersachsen gab es ebenfalls verschiedene Aktionen. In Lüneburg haben rund 700 Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in der Innenstadt an einem Warnstreik teilgenommen. Beschäftigte von Kitas, Rat- und Kreishäusern, Sparkassen, der Müllabfuhr und anderer kommunaler Betriebe kamen aus der ganzen Region. Unter anderem aus den Landkreisen Harburg, Uelzen und dem Heidekreis. Auch in Stade kamen ver.di zufolge rund 200 Beschäftigte zusammen.

Osnabrücker streiken in der Stadt und im Homeoffice

In Osnabrück beteiligten sich am Mittwoch rund 250 Menschen am Warnstreik. Das teilte ein ver.di-Sprecher mit. Rund 60 Beschäftigte der Stadt trafen sich demnach vor dem Gewerkschaftshaus. Aus dem Homeoffice heraus beteiligten sich zudem etwa 200 Mitarbeiter der Sparkasse.

Menschenkette in Verden, eingekreistes Rathaus in Schortens

In Verden bildeten 300 Beschäftigte eine Menschenkette mit Abstand, in Syke im Landkreis Diepholz kamen 150 Mitarbeiter zusammen. Hinzu kämen noch mehrere Hundert Mitarbeiter, die im Homeoffice gestreikt haben, sagte eine Gewerkschaftssprecherin. In Schortens im Landkreis Friesland umzingelten demnach Beschäftigte der Stadt und aus Wilhelmshaven das Rathaus. Und in Oldenburg machten 80 Mitarbeiter der Stadtverwaltung Stimmung gegen das Angebot der Arbeitgeber, wie NDR 1 Niedersachsen weiter berichtet.

Bisheriger Vorschlag "geradezu respektlos"

Bereits in den vergangenen Wochen hatte die Gewerkschaft im aktuellen Tarifstreit immer wieder zu Warnstreiks aufgerufen. Ver.di fordert für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen unter anderem eine Lohnerhöhung von 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro pro Monat. Die bisher von der Arbeitgeberseite angebotenen Gehaltserhöhungen seien "geradezu respektlos", so eine ver.di-Sprecherin. Die dritte Runde der Verhandlungen ist für Donnerstag und Freitag in Potsdam angesetzt.

Weitere Informationen
Beschäftigte im öffentlichen Dienst streiken vor dem Neuen Rathaus in Hannover. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Kitas zu, keine Müllabfuhr: Tausende streiken für mehr Lohn

In Hannover haben 3.000 Menschen am Donnerstag eine Kette gebildet, im Nordosten verschoben Kliniken geplante Operationen. (15.10.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 21.10.2020 | 17:00 Uhr

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