Stand: 21.03.2019 07:00 Uhr

"Wälder fit machen für den Klimawandel"

Es waren harte Zeiten für den Wald in Niedersachsen: Erst fegte Orkan "Friederike" im Januar über das Land, dann folgte ein Dürre-Sommer und nun schon wieder schwere Sturmtiefs namens "Eberhard" und "Franz". Zum Tag des Waldes am 21. März ein Gespräch mit Mathias Aßmann von den Niedersächsischen Landesforsten.

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Mathias Aßmann von den Landesforsten äußert sich zum Zustand des Waldes. (Archiv)

Inwieweit sind die Schäden durch Sturm und Dürre in den Wäldern bereits abgearbeitet?

Matthias Aßmann: Die Schäden des Orkans "Friederike" im Januar 2018 sind vollständig beseitigt. In Folge der letztjährigen Dürre kam es jedoch zu einer Massenvermehrung der Borkenkäfer, die in den Fichtenwäldern vor allem Südniedersachsens zu massiven Schäden geführt hat. Die Aufarbeitung dieser Schäden dauert noch an. Hinzu kommen neuerliche Sturmschäden, die durch die Sturmtiefdruckgebiete "Eberhard" und "Franz" in der vergangenen Woche entstanden sind. Die Wiederaufforstung der durch Stürme, Dürre und Borkenkäfer entstandenen Kahlflächen in den Landesforsten ist in vollem Gange. Bis zum Abschluss der diesjährigen Pflanzsaison werden die Landesforsten etwa fünf Millionen junge Bäumchen gepflanzt haben - etwa eine Million mehr als in Normaljahren.

Wie soll gegen den Borkenkäfer-Befall künftig vorgegangen werden?

Aßmann: Die Landesforsten gehen davon aus, dass die Population der Borkenkäfer, die Ende 2018 in die Überwinterung gegangen sind, sehr groß ist. Die Förster arbeiten daher derzeit mit Hochdruck daran, eine neuerliche Massenvermehrung der Borkenkäfer in diesem Jahr zu verhindern. Hierzu müssen geschwächte und umgestürzte Fichten, in denen sich die Borkenkäfer vorzugsweise vermehren, aus dem Wald entfernt werden, noch bevor der Borkenkäfer aktiv wird. Das passiert ab etwa 15 Grad Celsius Lufttemperatur je nach Witterung Ende März oder Anfang April. Dann gilt es, die Borkenkäfer möglichst früh und zahlreich zu fangen. Dazu werden Lockstofffallen eingesetzt. Außerdem müssen die befallenen Fichten möglichst schnell gefällt und aus dem Wald transportiert werden.

Was ist präventiv zu tun, um ähnliche Entwicklungen in den Wäldern künftig zu vermeiden?

Aßmann: Mittel- bis langfristig ist es wichtig, die Wälder auf solche Schadereignisse, wie sie durch den Klimawandel zukünftig voraussichtlich häufiger auftreten werden, vorzubereiten, sie sozusagen fit zu machen für den Klimawandel. Bereits seit fast 30 Jahren setzen die Landesforsten das Programm zur langfristigen ökologischen Waldentwicklung ("LÖWE") um. Kernpunkt dieses Programms ist die Entwicklung stabiler Mischwälder. In Bezug auf den Borkenkäfer und den Klimawandel bedeutet dies, dass Wälder, in denen die Fichte häufig geschwächt und damit besonders anfällig für den Borkenkäfer ist, mit Mischbaumarten anzureichern. Insbesondere an Südhängen und auf sehr trockenen Böden ist es daher sinnvoll, auch andere Nadelbäume und weitere Mischbaumarten, die mit diesen Bedingungen besser zurechtkommen, zu pflanzen.

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Wie sieht die Lage auf dem Holzmarkt derzeit aus?

Aßmann: Sowohl Stürme als auch die Borkenkäfer-Massenvermehrung haben in ganz Deutschland und auch über die Bundesgrenzen hinaus zu massiven Schäden und damit zu großem Anfall von Schadholz geführt. Die Holzmärkte sind von dem entsprechenden Überangebot geprägt, das heißt, die Holzpreise sind gegenüber dem Niveau vor "Friederike" um teilweise bis zu 50 Prozent gefallen. Hinzu kommen Engpässe im Holztransport und bei den Lagerungsmöglichkeiten: Die Landesforsten haben etwa 150.000 Kubikmeter Fichtenholz in Nass- und Folienlagern konserviert, um den Holzmarkt zu entlasten und das Holz zu einem späteren Zeitpunkt zu besseren Preisen verkaufen zu können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.03.2019 | 08:00 Uhr

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