Stand: 24.11.2018 12:26 Uhr

"Türkische Gemeinde" will souveränen Islamverband

von Angelika Henkel

Der Islamvertrag für Niedersachsen, die Integrationspolitik - hier sind die Diskussionen stecken geblieben, es geht nicht voran. Für Bewegung könnte ein Vorschlag des Vorsitzenden des Vereins "Türkische Gemeinde in Niedersachsen", Osman Timur, sorgen. Er fordert im Gespräch mit dem NDR einen unabhängigen Islamverband. Die "Türkische Gemeinde" genießt hohes Ansehen und setzt sich parteipolitisch neutral für die Belange türkischstämmiger Menschen im Land ein. "Wir brauchen ein Gremium, das wissenschaftlich fundiert arbeitet und Leitplanken definiert, wie wir den Islam hierzulande ausüben können und wollen", sagte Timur dem NDR. Nach seiner Vorstellung könnten dort Vertreter der muslimischen Zivilbevölkerung, Wissenschaftler und staatliche, deutsche Organisationen vertreten sein.

Gespräche "jenseits der großen Organisationen"

Timur vermisst bei den bisherigen Religionsgemeinschaften eine Modernisierung: "Wir brauchen Reformen und wir müssen mehr mit der islamischen Zivilgesellschaft jenseits der großen Organisationen sprechen." Bislang sind die Ansprechpartner der Landesregierung der alevitische Verband, die Schura e.V. und der Verein Ditib - den beiden letzten wird eine große Nähe zur Türkei vorgeworfen. Auch die türkische Gemeinde begreift sich als Ansprechpartner für die Politik - und engagiert sich zugleich für den interkulturellen Dialog.

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Deutsche Imam-Ausbildung schafft Unabhängigkeit

Dreh- und Angelpunkt ist für Timur eine deutsche Imam-Ausbildung. Die Landesregierung müsse hier finanzielle Förderungen möglich machen. Derzeit sind zahlreiche Moscheen auf Ditib-Imame aus der Türkei angewiesen, die für einige Jahre von der staatlichen Religionsbehörde nach Niedersachsen entsandt werden. Die meisten Moscheen finanzieren sich durch Mitgliederbeiträge. Eigene Imame mit theologischer Ausbildung an einer deutschen Moschee aber sind für sie zu teuer. Die Folge: Moscheevereine greifen auf die subventionierten Ditib-Prediger zurück. Osman Timur: "Warum machen wir uns da abhängig von einem fremden Land?"

Ziel ist für Timur finanzielle Eigenständigkeit

Man habe zu lange Imame aus der Türkei geholt und nicht selbst in Deutschland ausgebildet, sagt der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde. Im Vergleich etwa mit Frankreich und Belgien sei es dennoch lange Zeit "gut gelaufen", so Timur: "Grundsätzlich können wir dankbar sein. Ditib hat jahrelang eine Form des Islams nach Deutschland geholt, die demokratiekompatibel ist. Aber jetzt müssen wir gemeinsam überlegen, wie wir andere Wege finden." Mittelfristig müsse man Lösungen finden, wie sich die Moscheegemeinden besser finanzieren könnten. "Ich darf zum Beispiel keine Kirchensteuer zahlen für die islamische Gemeinde. Das kann ich als Jude, das kann ich als Christ. Aber nicht als Moslem. Wir müssen Strukturen finden, damit sich die Gemeinschaft selbst finanzieren kann. Da braucht es einen Anschub durch die Landesregierung. Welchen Islam können wir uns hier leisten?"

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