Stand: 17.01.2020 10:16 Uhr  - Hallo Niedersachsen

Organspende: Bundestag prüft Gesetz auf Herz und Nieren

von Antje Schmidt
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In Deutschland gibt es zu wenig Organspender. Der Bundestag will das mit einer Gesetzreform ändern. Mediziner in Niedersachsen halten die Neuregelung für notwenig. (Themenbild)

An der Medizinische Hochschule Hannover (MHH), Deutschlands größtem Transplantationszentrum für Herz und Lunge, wartet man mit Spannung auf die Entscheidung des Bundestages. Wird es durch die Neuregelung des Transplantationsgesetzes bald mehr Organspender geben? Die Mediziner hoffen darauf. Derzeit warten an der MHH rund 1.000 Erwachsene und 65 Kinder auf ein Spenderorgan.

Organspende: Kritik und Lob zum Beschluss

Hallo Niedersachsen -

An der Medizinischen Hochschule Hannover hat man beim Thema Organspende vergeblich auf die Widerspruchslösung gehofft. Chirurg Axel Haverich ist enttäuscht von der neuen Regelung.

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Wird jede Person zum potenziellen Organspender?

Transplantationschirurg Prof. Axel Haverich sendet kurz vor der Entscheidung einen Appell an die Bundestagsabgeordneten: "Diese Zahlen zeigen, dass wir dringend einen Neustart bei der Organspende brauchen", so Haverich. Als Leiter des Transplantationszentrums befürwortet er die doppelte Widerspruchslösung. Die Widerspruchslösung ist der Vorschlag einer Gruppeninitiative von zehn Bundestagsabgeordneten. Darunter auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Nach diesem Entwurf gilt jede Person als Organ- oder Gewebespender, es sei denn sie hat zu Lebzeiten aktiv nein gesagt und somit einer Entnahme widersprochen. Auch die Angehörigen dürfen mitreden und Widerspruch einlegen, wenn sie mit einer Organentnahme nicht einverstanden sind.

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Organspende: Bundestag lehnt Widerspruchslösung ab

16.01.2020 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Die Abgeordneten im Bundestag haben die sogenannte Widerspruchslösung abgelehnt. Künftig soll jeder befragt werden, ob sie oder er Organspender sein möchte oder nicht. Video (00:40 min)

Widerspruchslösung gilt in 18 EU-Ländern

An der Medizinischen Hochschule (MHH) erhofft man sich von diesem Entwurf einen starken Anstieg an Organspenden. Die Widerspruchslösung gilt bereits in 18 EU-Ländern. Dort hat sich die Zahl der Spender nach Einführung im Schnitt um 20 bis 30 Prozent erhöht. In Deutschland sind Entnahmen nach dem Hirntod bisher nur möglich, wenn die Person ausdrücklich zugestimmt hat. Hier gilt die Entscheidungslösung. Geht es nach dem zweiten, konkurrierenden Gesetzentwurf, über den abgestimmt wird, soll das künftig im Wesentlichen so bleiben. Dieser Entwurf stammt von Abgeordneten um die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock. Im Unterschied zum heutigen Zeitpunkt, sollen künftig jedoch alle Bürger und Bürgerinnen in regelmäßigen Abständen befragt werden, ob sie einer Organentnahme zustimmen. Die Abfrage könnte etwa alle zehn Jahre erfolgen bei der Verlängerung des Personalausweises.

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Leben - dank einer Spenderlunge

16.01.2020 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Thomas Täger hat vor 14 Jahren eine Spenderlunge erhalten, Christina Uhlich wird bald auf eine neue Lunge angewiesen sein. Beide hoffen, dass künftig die Zahl der Spender steigt. Video (04:32 min)

Ministerin Reimann für freiwillige Lösung

Dieser Gesetzentwurf ist auch für Prof. Claudia Wiesemann eine gute Lösung. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrats und lehrt an der Universitätsmedizin Göttingen. Wiesemann spricht sich entschieden gegen eine Widerspruchslösung aus. "Ich halte es für eine moralische Bankrotterklärung, auf die Nichtentscheidung der Bürgerinnen und Bürger zu setzen." Die Professorin für Medizinethik befürwortet eine bewusstere Auseinandersetzung mit Tod und Sterben und kritisiert die noch immer schlechte Melde- und Entnahmepraxis einiger Krankenhäuser. Auch Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) favorisiert eine freiwillige Lösung. "Wichtig ist aus meiner Sicht, dass Menschen selbst über ihren Körper bestimmen und ihre eigene, aktive Entscheidung treffen", so Reimann. Laut einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung befürworten 84 Prozent der Menschen in Deutschland eine Organspende. Allerdings besitzen nur 36 Prozent auch einen Organspendeausweis.

Weitere Informationen

Organspende: Spendenbereitschaft aktiv erklären

Derzeit müssen sich die Bürger aktiv entscheiden, wenn sie nach dem Tod ihre Organe spenden wollen. Am Donnerstag stimmt der Bundestag über eine Neuregelung ab. Fragen und Antworten zum Thema. (15.01.2020) mehr

Norddeutsche spenden 2019 weniger Organe als 2018

In Norddeutschland ist laut DSO-Jahresbericht die Zahl der Organspender von 2018 auf 2019 leicht gesunken. Niedersachsen liegt bei Transplantationen bundesweit auf Platz vier. (15.01.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 16.01.2020 | 19:30 Uhr

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