Sendedatum: 01.10.2014 07:38 Uhr

Stromtrasse: Bürger in Wedemark verunsichert

von Claudia Plaß, NDR Info

Die geplante Stromtrasse Südlink, von einigen auch als Strom-Autobahn bezeichnet, sorgt für neue Diskussionen: Der Netzbetreiber Tennet hat zusätzliche mögliche Korridore für die Trasse erarbeitet. Bundesweit liegen jetzt 98 Varianten vor - abweichend von der ursprünglich geplanten Strecke. Für die Region Hannover bedeutet das: Von den Routenvorschlägen sind nicht nur Gemeinden östlich, sondern auch westlich der Stadt betroffen. Gleich drei Trassen verlaufen beispielsweise durch die Wedemark, beliebtes Wohn- und Naherholungsgebiet im Speckgürtel von Hannover. Dort sind viele Bürger verunsichert.

Eine mögliche Riesen-Stromtrasse durch die Gemeinde Wedemark - die  meisten Befragten in der Kleinstadt Mellendorf müssen sich an diesen Gedanken erst einmal gewöhnen. Auch der Bürgermeister der Gemeinde, Helge Zychlinski, war überrascht, als er Ende vergangener Woche von den neuen Routenvarianten erfuhr. Gleich drei Trassen führen demnach mitten durch die Wedemark.  Zwei davon entlang der A7, die will der Bürgermeister genauer betrachten. Auf Unverständnis aber stößt der dritte Vorschlag: "Denn der würde unseren Brelinger Berg zerschneiden, als wertvolles Naherholungsgebiet. Der würde durch die hannoversche Moorgeest verlaufen und würde Landschafts- und Naturschutzgebiete in höchstem Maßen tangieren, würde direkt die Wohnbevölkerung in einem ganz starken Maße herausfordern. Das ist keine Planung, die man ernsthaft betreiben kann", erklärte Zychlinski.

"Ein verwirrendes Knäuel von Trassen"

Auch Axel Priebs schaut mit Kopfschütteln auf die neuen Routen, die der Netzbetreiber Tennet ausgearbeitet hat. Priebs ist Umwelt- und Planungsdezernent bei der Region Hannover. "Was wir jetzt auf den Tisch bekommen haben, ist erst einmal ein verwirrendes Knäuel von Trassen, was Tennet in den Raum gestellt hat. Wo zwar gesagt wird, das ist das Ergebnis von Bürgerbeteiligung - aber ich habe schon Sorge, dass es jetzt eher verwirrt, als dass es jetzt hilfreich ist im weiteren Verfahren", sagte der Dezernent.

Strukturiertes Verfahren gefordert

Der Netzbetreiber hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Monaten mehr als 3.000 Hinweise und Anregungen aus der Bevölkerung und von Interessenverbänden gesammelt. Daraus wurden Varianten zur ursprünglichen Südlink-Trasse erarbeitet - bundesweit insgesamt 98. Eine Sprecherin von Tennet sagte gegenüber NDR Info, man habe damit Bürgern früh die Möglichkeit zur Mitsprache und Mitgestaltung gegeben. Alle Hinweise seien geprüft worden, ob sie  beispielsweise durch Siedlungen oder Naturschutzgebiete verlaufen. Priebs aber spricht von einer scheinbaren Transparenz. Hier würden pauschal neue Trassenvarianten auf den Markt geschmissen: "Ein gutes Planungsverfahren zeichnet sich auch dadurch aus, dass Vorschläge bewertet, strukturiert und gebündelt werden - dass man dann auch interessante Trassen hat, aber wir stehen ja noch einen Schritt weiter zurück." Für die Vorzugstrasse gebe es keine Begründung. Priebs fordert ein strukturiertes Planungsverfahren.

"Ich werde mit allen Mitteln kämpfen"

Die Region Hannover hat sich mit mehreren Landkreisen zusammengetan. Gemeinsam wollen sie von Tennet auch Auskunft darüber, warum die ursprüngliche Südlink-Trasse ausgerechnet durch die Region Hannover und andere dicht besiedelte Gebiete führen soll. Notfalls will man die Auskunft mit einer Klage erzwingen. Auch in der Wedemark gibt sich Bürgermeister Zychlinski entschlossen: "Ich sage ganz klar, die Variante, die uns am meisten belastet, und die unsere Natur zerstören würde, gegen die werde ich mit allen Mitteln kämpfen, die wird es garantiert nicht zur Realisierung bringen."

Noch hat das Genehmigungsverfahren für Südlink nicht begonnen. Im November will Netzbetreiber Tennet die entsprechenden Unterlagen bei der Bundesnetzagentur einreichen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 01.10.2014 | 07:38 Uhr

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