Stand: 19.06.2020 18:43 Uhr

Schlag ins Kontor: Viel Kritik an Karstadt Kaufhof

Der Schriftzug "Galeria Karstadt Kaufhof" auf einer Scheibe einer Hamburger Filiale der Warenhaushauskette. © picture alliance/dpa Foto: Bodo Marks
Vier Filialen der Warenhauskette müssen in Niedersachsen schließen.

Das bevorstehende Aus für Filialen der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof in Niedersachsen hat Kritik ausgelöst. Die Gewerkschaft ver.di erklärte am Freitag, die Beschäftigten müssten für Management-Fehler der vergangenen zehn Jahre zahlen. In Niedersachsen sind nach Gewerkschaftsangaben rund 350 Karstadt- und Kaufhof-Beschäftigte betroffen: In Braunschweig, Goslar, Hannover und Osnabrück werden Häuser geschlossen.

VIDEO: Karstadt schließt vier Filialen in Niedersachsen (3 Min)

"Schlag ins Gesicht für alle Betroffenen"

"Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle betroffenen Kollegen und Kolleginnen", sagte die ver.di-Landesfachbereichsleiterin Sabine Gatz. Das sind 79 Kaufhof-Beschäftigte in Braunschweig, 66 Karstadt-Beschäftigte in Bremerhaven, 67 Karstadt-Beschäftigte in Goslar, 101 Karstadt-Beschäftigte in Hannover und 65 Kaufhof-Beschäftigte in Osnabrück. "Wir werden alles tun, um den betroffenen Beschäftigten in dieser Situation zu helfen", kündigte Gatz an. Jede Chance der Unterbringung in einer der verbliebenen Filialen sollte genutzt werden.

Bitterer Tag - auch für die Innenstädte

Die Fehler seien hausgemacht, kritisiert Gatz, und die Corona-Krise letztlich nur der Brandbeschleuniger. Die Gewerkschaft sprach am Freitag von einem bitteren Tag für die Mitarbeiter und für die Innenstädte - besonders für kleine und mittlere Städte sei das Ende der Traditionskaufhäuser katastrophal. Karstadt und Kaufhof zögen auch Kunden für die umliegenden Geschäfte an.

Chance für die Filialen, die weitermachen dürfen?

Der Handelsverband Niedersachsen-Bremen bewertete das Aus als "Schlag ins Kontor". Verbandschef Mark Alexander Krack warb aber auch dafür, die Chancen zu sehen, die sich nun für die anderen Filialen ergeben, die weiter machen dürfen. Auch Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk (CDU) schaut nach vorn: Der Karstadt-Standort in der Innenstadt sei attraktiv. Er werde dafür kämpfen und arbeiten, dass die Flächen weiter genutzt werden, so Junk.

Städte haben Klarheit

Braunschweigs Oberbürgermeister Ulrich Markurth (SPD) sagte zur Schließung der Filiale am Bohlweg: "Wichtig ist jetzt vor allem, dass für die Beschäftigten faire Lösungen gefunden werden und möglichst viele von ihnen in den fortbestehenden Filialen arbeiten können." Die Stadt habe nun Klarheit, dass sie zwei der großen Warenhausstandorte von Karstadt behält. Das sei angesichts der Schließung von rund einem Drittel aller Filialen ein deutliches Bekenntnis zur Einkaufsstadt Braunschweig.

Bedenkliches Signal für die Attraktivität der Innenstädte

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) verwies auf die Folgen der Corona-Krise: Die Lage im Einzelhandel sei dramatisch, sagte er. Die Schließungen jetzt seien ein schwerer Schlag für die Beschäftigten und ein bedenkliches Signal für die Attraktivität der Innenstädte.

Der Plan des letzten großen deutschen Warenhauskonzerns sieht vor, bundesweit 62 von 172 Filialen und zwei sogenannte Schnäppchencenter zu schließen. In Norddeutschland wird es voraussichtlich 13 Kaufhäuser treffen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.06.2020 | 08:00 Uhr

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