Stand: 01.02.2019 17:50 Uhr

Nord/LB soll kleiner und regionaler werden

Bild vergrößern
Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und seine Landesregierung wollen mit den Sparkassen über die Zukunft der Nord/LB verhandeln.

"Die beste Lösung", "das wirtschaftlichste Angebot", "ein solides Fundament": Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) zeigen sich am Freitag erleichtert darüber, dass die Zukunft der angeschlagenen Nord/LB nicht von privaten Investoren abhängt. Das Kabinett will stattdessen das Angebot des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) weiterverfolgen, wie Weil in Berlin sagte. Am Tag zuvor hatte der DSGV entschieden, dass er die Landesbank finanziell stützen will. Die Nord/LB benötigt Finanzkreisen zufolge bis zu 3,7 Milliarden Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuletzt den Druck auf die Landesbank erhöht und mit einer Abwicklung der Bank gedroht, sollte es nicht bald eine Lösung geben.

Außenansicht des Nord/LB Hauptsitzes

Nord/LB: Milliardenzuschüsse mit Bedingungen

Hallo Niedersachsen -

Niedersachsen will mit den Sparkassen eine Auffanglösung für die Nord/LB verhandeln. Für Ministerpräsident Weil steht jetzt schon fest: Die Landesbank muss kleiner und regionaler werden.

5 bei 3 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Kommentar

Im Fall der Nord/LB gibt es nur Verlierer

Niedersachsen will mit den Sparkassen eine Auffanglösung für die Nord/LB verhandeln. Eine rosige Zukunft für die Landesbank sei aber nicht in Sicht, meint Jürgen Webermann. mehr

Milliardenzuschüsse nötig

1,2 Milliarden Euro wollen die Sparkassen Weil zufolge zur Verfügung stellen. Das Land werde der Bank mit bis zu 1,5 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Es will auch künftig die Anteilsmehrheit halten. Ein Einstieg zweier US-Hedgefonds, die ebenfalls ein Angebot unterbreitet hatten, dürfte nun vom Tisch sein. Die privaten Bieter hätten umfassende Abschirmungsmaßnahmen des Landes erwartet, sagte Weil weiter. Hilbers zufolge wollten die US-Investoren, dass das Land die Pensionsverpflichtungen übernimmt. Land und regionale Sparkassen hätten zudem Einfluss verloren. Auch gab es in der Vergangenheit die Sorge, dass die Investoren nur auf kurzfristigen Profit aus sind. So sei die nun gefundene Lösung nicht die teuerste, sondern für das Land unterm Strich die wirtschaftlichste, sagte Weil in Berlin. Die dritte Variante, eine Abwicklung der Bank, wäre hingegen die schlechteste Lösung gewesen, der Folgeschaden beträchtlich.

FDP: Hoher Preis, unsichere Zukunft

Während die Landesregierung aus SPD und CDU überzeugt ist, den besten und wirtschaftlichsten Weg gefunden zu haben, hat die Opposition Vorbehalte. FDP-Fraktionschef Stefan Birkner verwies auf die Kosten von 1,5 Milliarden Euro. Diesem sehr hohen Preis stehe eine unsichere Zukunft der Nord/LB gegenüber, so Birkner. Grünen-Finanzexperte Stefan Wenzel kritisierte, dass das Geschäftsmodell der Landesbank weiter im Dunkeln bliebe.

Nord/LB soll kleiner werden

Ministerpräsident Weil stellte klar, dass auf das Institut einiges an Veränderungen zukommt. Das Schiffsportfolio müsse aus der Bank genommen werden. Vor allem aber: Die Nord/LB müsse regionaler und kleiner werden. Die Bilanzsumme soll wesentlich reduziert werden. Auch dürfte es zu Stellenstreichungen kommen, wie Hilbers bereits angekündigt hatte. Gemessen an den Alternativen sei dies jedoch die beste Lösung für die Arbeitsplätze, sagte Weil am Freitag. Der genaue Arbeitsplatzverlust lasse sich noch nicht beziffern. Am Wochenende werde es weitere Beratungen geben. Das ganze Konzept soll jetzt mit der Bankenaufsicht und der Europäischen Kommission erörtert werden. Auch der Landtag wird sich damit befassen müssen.

Faule Schiffskredite Grund der Probleme

Die Nord/LB hatte in den vergangenen Jahren zunehmend Probleme mit Schiffskrediten bekommen, weil die Schuldner Schwierigkeiten bei der Rückzahlung hatten. Ende September hatte die Bank zudem vor möglichen Verlusten gewarnt. Und im Oktober schließlich wurde bekannt, dass die Landesbank Schlusslicht beim Stresstest der EU-Bankenaufsicht geworden war. Sowohl die Bank selbst als auch das Finanzministerium in Hannover hatten mit einem Platz am untersten Ende der Banken-Liste gerechnet. Denn dass die Nord/LB im Vergleich zu anderen Banken das dünnste Kapital-Polster hat, ist lange bekannt.

Weitere Informationen
01:39
Niedersachsen 18.00

"Richtungsentscheidung" für die NordLB

Niedersachsen 18.00

Die deutschen Sparkassen haben entschieden, dass sie die Nord/LB finanziell stützen wollen. Im Studio erklärt NDR Redakteur Jörg Ihßen die Tragweite der Entscheidung. Video (01:39 min)

Nord/LB: Sparkassen legen Angebot vor

Richtungsentscheid bei der angeschlagenen Nord/LB: Die deutschen Sparkassen wollen die Landesbank finanziell stützen. Auch zwei US-amerkanische Finanzfirmen hatten Angebote eingereicht. (31.01.2019) mehr

Minister Hilbers: Nord/LB hat sich verbessert

Die Nord/LB war beim Stresstest der EU-Bankenaufsicht das schlechteste aller deutschen Institute. Niedersachsens Finanzminister Hilbers bleibt gelassen: die Datengrundlage sei veraltet. mehr

Schwere Versäumnisse bei Nord/LB

Interne Revisionsberichte offenbaren schwere Versäumnisse bei der kriselnden Nord/LB. Unter anderem werfen die Prüfer der Bank Schlampigkeit im Umgang mit Schiffskrediten vor. (23.08.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.02.2019 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

04:37
Hallo Niedersachsen
02:06
Hallo Niedersachsen
03:02
Hallo Niedersachsen