Stand: 24.10.2018 21:07 Uhr

Niedersachsen erleichtert Jagd auf Wildschweine

Für Schweine bedeutet sie den Tod nach nur wenigen Tagen: die Afrikanische Schweinepest (ASP). In Europa ist sie schon in Belgien und in mehreren osteuropäischen Ländern ausgebrochen. Der Niedersächsische Landtag hat nun ein verschärftes Jagdgesetz verabschiedet, um vor allem Schweinezucht-Betriebe zu schützen. Abgeordnete von SPD, CDU und AfD stimmten am Mittwoch für die Novelle, die die Jagd auf Wildschweine erleichtern soll.

Auch Muttertiere dürfen erlegt werden

Die Afrikanische Schweinepest ist eine Infektionskrankheit, die vor allem von Wildschweinen verbreitet wird. Das Land will deshalb die Wildschweinpopulation reduzieren, um das Risiko einer Ausbreitung zu verringern. Mit dem neuen Jagdgesetz soll es in Niedersachsen in Zukunft möglich sein, auch Muttertiere zu erlegen, sollte sich die ASP im Land verbreiten. "Niedersachsen wäre mit seinen Regionen mit vielen Schweinezucht-Betrieben von einem ASP-Ausbruch in hohem Maße betroffen", sagte Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU). Sie bezeichnete das neue Jagdgesetz als "tragfähigen Kompromiss" und wichtigen Schritt gegen die Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest.

Schalldämpfer und Schüsse vom Auto aus erlaubt

Das neue Jagdgesetz erlaubt im Fall der Schweinepest auch Schalldämpfer für Jagdwaffen. Gleichzeitig sollen Jäger von einem Ansitz aus auf Wildschweine schießen dürfen, der auf der Ladefläche eines Fahrzeugs montiert ist. Allerdings muss das Auto dabei stehen. Schüsse von einem fahrenden Wagen aus bleiben weiterhin verboten. Die Krankheit kann sich neben Wildschweinen auch über verseuchte Speisereste, Viehtransporter und Stallkleidung übertragen werden. Bislang gibt es keine wirksamen Medikamente. Für den Menschen ist die Krankheit aber ungefährlich.

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Im Fall eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest darf die gesamte regionale Wildschweinpopulation beseitigt werden. Auch die Jagd auf Nutria wurde durch das Gesetz erleichtert. Video (01:08 min)

Auch Nutria soll stärker bejagt werden

Mit dem neuen Jagdgesetz geht es auch den Nutria an den Kragen. Die aus Südamerika stammenden Biberratten gefährden den Hochwasserschutz, weil sie Deiche und Dämme untergraben, sagt CDU-Landtagsabgeordnete Uwe Dorendorf. In der aktuellen Jagdsaison sind in Niedersachsen bereits 24.000 Tiere erlegt worden. Doch die Population wächst ständig, weil Nutria das ganze Jahr über Junge zur Welt bringen. Daher wird nun der Muttertierschutz aufgehoben. Es können in Zukunft also auch Weibchen mit Jungen getötet werden. "Wo Deiche brechen, sind Menschen in Gefahr", sagte Dorendorf. Daher sei diese Maßnahme gerechtfertigt, auch wenn der Muttertierschutz eines der wichtigsten Grundgesetze im Jagdrecht sei.

Grüne kritisieren: Das Jagdgesetz sei Freibrief für Jäger

Die Grünen im Landtag haben das neue Jagdgesetz kritisiert, der rot-schwarzen Landesregierung sei jedes Mittel recht, um im Zweifelsfall den Wildbestand reduzieren zu können. Die grüne Landtagsabgeordnete Miriam Staudte rügte, das neue Jagdgesetz sei ein Freibrief, um diverse Verbote durch Verordnungen aufzuheben. "Sie erweisen der Jagd damit einen Bärendienst, denn sie entfremden die Jäger vom Rest der Gesellschaft." Notwendige Maßnahmen, um die tierhaltenden Betriebe vor einem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest zu schützen, enthalte das Gesetz dagegen nicht.

Was ist mit den Wölfen?

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Mit dem neuen Gesetz soll die Jagd auf Wildschweine in Niedersachsen in vielen Punkten erleichtert werden.

Auch die Wölfe sind immer wieder Streitthema im niedersächsischen Landtag und die Frage, ob sie mit in das Jagdrecht aufgenommen werden sollen. Im Bundestag hatten sich bereits Anfang Februar dieses Jahres Vertreter der FDP und der AfD dafür ausgesprochen, Wölfe für die Jagd freizugeben. Oliver Lottke von der SPD-Landtagsfraktion in Niedersachsen hat sich nun noch einmal klar gegen eine uneingeschränkte Jagd auf Wölfe ausgesprochen: "Die von der FDP geforderte Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht ist billiger Populismus, der den Menschen in Niedersachsen weismachen will, dass es bei der Regulierung der Wolfspopulation einfache Antworten gäbe." Der Wolf sei eine streng geschützte Art und die Diskussion um die wachsende Population in Niedersachsen ein hochemotionales Thema, so Lottke. Es brauche jedoch eine konstruktive Lösung und kein Populismus.

Entnahme von Problemtieren

Den bedingungslosen Schutz aller Wölfe, auch solcher, die als Problemtiere gelten, untersützt die SPD in Niedersachsen allerdings auch nicht. Dazu hat Umweltminister Olaf Lies (SPD) eine Bundesratsinitiative initiiert. Die Schwelle zur Entnahme von Problemtieren soll damit leichter werden. Auch Lottke betont, dass der Wolf ein reales wirtschaftliches Risiko für Weidetierhalter darstelle und es deutschlandweite Regelung zur gezielten Entnahme von Problemtieren geben müsse. Gleichzeitig müsse es möglich sein, dem Artenschutz gerecht zu werden. Laut Bundesamt für Naturschutz habe es in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland keine Begegnung zwischen einem Wolf und einem Menschen gegeben, bei der ein Mensch aktiv angegriffen oder gar verletzt worden sei.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 24.10.2018 | 19:30 Uhr

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