Niedersachsen: Corona-Inzidenz bleibt der Maßstab - vorerst

Stand: 20.07.2021 16:47 Uhr

In Niedersachsen bleibt die Inzidenz als Richtwert für Corona-Maßnahmen vorerst entscheidend. Noch im August könnten sich die Kriterien für Beschränkungen aber ändern, so Regierungssprecherin Pörksen.

Die Gesundheitsministerinnen und -minister von Bund und Ländern arbeiteten aktuell an einer bundeseinheitlichen Regelung, sagte Anke Pörksen am Dienstag in der wöchentlichen Corona-Pressekonferenz des Krisenstabs. Derzeit sei es jedoch noch zu früh für Veränderungen. "Wir müssen weiter vorsichtig bleiben und die weitere Entwicklung im Gesundheitswesen abwarten", sagte die Regierungssprecherin. Deshalb bleibe es zunächst bei der aktuellen Corona-Verordnung und den Grenzwerten des Stufenplans. Das bedeute auch, dass es gewisse Einschränkungen geben kann, wenn ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt eine Inzidenz von 35 oder 50 überschreitet.

Geringste Inzidenz bei Menschen über 60 Jahren

Nach Angaben der Vizechefin des Krisenstabs, Claudia Schröder, wird derzeit intensiv geprüft, "welche Schwellenwerte wir bei der Inzidenz künftig tolerieren können". Im Zusammenhang mit den Impfungen gebe es aktuell "wirkliche Lichtblicke". Am besten durchgeimpft sei derzeit die Gruppe der Menschen über 60 Jahren, die ungeschützt ein signifikant höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf habe. In dieser Gruppe sei die Inzidenz aktuell am niedrigsten und Menschen dieses Alters seien wegen Corona am wenigsten im Krankenhaus vertreten.

Videos
Claudia Schröder, stellvertretende Leiterin des Corona-Krisenstabes Niedersachsen bei der Landespressekonferenz. © NDR
39 Min

20. Juli 2021: Niedersachsen hält an Inzidenzwerten fest

Claudia Schröder vom Krisenstab des Landes und Regierungssprecherin Anke Pörksen äußern sich zur aktuellen Corona-Lage. 39 Min

Inzidenz-Anstieg zeigt bislang keine Auswirkungen auf Kliniken

Auch insgesamt sei die Lage in den Krankenhäusern in Niedersachsen ruhig - trotz der seit Anfang Juli kontinuierlich steigenden Inzidenz, sagte Schröder. Positiv sei derzeit, dass die Zahl der Verstorbenen nicht im gleichen Maße steige, wie die Inzidenz, sagte Schröder. Bislang seien in Niedersachsen im Juli drei Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Die Inzidenz hatte am 1. Juli mit 2,9 ihren niedrigsten Stand seit vergangenem Sommer erreicht und ist seitdem wieder auf aktuell 11,3 geklettert. Heute lag sie erstmals über dem Bundesdurchschnitt.

Appell an Reiserückkehrende: Kontakte einschränken

"Wir haben die Pandemie noch nicht bewältigt", mahnte Schröder. Auch hinsichtlich der in dieser Woche beginnenden Sommerferien in Niedersachsen rief sie Reiserückkehrende dazu auf, sich in den ersten fünf Tagen nach ihrer Rückkehr mit Kontakten einzuschränken und sich auf eine Infektion hin zu testen. Auffällig sei derzeit sowohl in Niedersachsen als auch bundesweit, dass im Rahmen von Abi-Fahrten häufig Infektionen festgestellt wurden.

Weitere Informationen
Eine Frau bereitet ein Intensivbett vor. © Picture Alliance Foto: Sina Schuldt

Die Corona-Lage in Niedersachsen und in Ihrer Kommune

Corona-Regeln richten sich nach Hospitalisierung, Inzidenz und Intensivbettenbelegung. Hier die aktuellen Werte. mehr

Neuinfektionen treten gehäuft bei 15- bis 29-Jährigen auf

Insgesamt beobachtet der Krisenstab eine Verlagerung der Neuinfektionen hin zu jüngeren Menschen. Mehr als die Hälfte der Neu-Infektionen tritt aktuell laut Schröder in der Gruppe der 15- bis 29-Jährigen auf. Regierungssprecherin Pörksen appellierte deshalb an sie: "Gerne feiern - aber vorher impfen und intensiv testen." Impfen sollten sie sich am besten möglichst bald, um schnell durchgeimpft zu sein, damit "wir da wieder eine gewisse Sicherheit reinkriegen", so Pörksen.

Verstärkt Sonderaktionen für Impfungen geplant

Die Impfbereitschaft sei in Niedersachsen nach wie vor hoch, sagte Schröder. Der Drang in die Impfzentren sei allerdings nicht mehr so groß wie noch vor einigen Wochen. 12.000 Menschen stünden derzeit auf der Warteliste, die aber voraussichtlich im Laufe des Monats abgearbeitet werden könne. Künftig werde es verstärkt Sonderaktionen wie Impfungen ohne Termin und an anderen Örtlichkeiten geben, um die Menschen zu erreichen, die den Weg ins Impfzentrum scheuen, so Schröder.

Krankheitsverläufe bei Kindern schwächer

Auch die Sonderaktion mit Impfungen für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren am vergangenen Wochenende sei gut angenommen worden. Rund 8.000 Unter-18-Jährige seien mit dem einzigen für diese Altersgruppe zugelassenen Impfstoff von Biontech/Pfizer geimpft worden. Zwar seien die Krankheitsverläufe bei Kindern und Jugendlichen deutlich schwächer als bei Erwachsenen, sagte Schröder. Aber auch bei ihnen gebe es Fälle von Long-Covid und dem sogenannten PIMS-Syndrom, einer Entzündung innerer Organe, die Wochen nach einer Corona-Infektion auftreten kann und in der Regel im Krankenhaus behandelt werden muss. "Es ist nicht so, dass Kinder und Jugendliche kein Risiko haben", sagte Schröder. Zuletzt hatten die Ständige Impfkommission und der Verband der Kinder- und Jugendärzte die Impfaktion des Landes für Unter-18-Jährige kritisiert.

Weitere Informationen
Ein Mädchen mit bunter OP-Schutzmaske bekommt eine Spritze in den Oberarm ©  Picture Alliance / Laci Perenyi | Laci Perenyi Foto: Laci Perenyi | Laci Perenyi

Niedersachsen: Kritik an Sonder-Impfaktion für Jugendliche

Mitglieder der Ständigen Impfkommission und der Verband der Kinder- und Jugendärzte warnen vor möglichen Risiken. mehr

Besucher stehen an der Einlasskontrolle für ein Konzert. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild Foto: Britta Pedersen

Neue Corona-Regeln: Niedersachsen erlaubt Großveranstaltungen

Voraussetzung ist eine Inzidenz von unter 35. Es gibt verschiedene Auflagen - unter anderem beim Alkoholkonsum. mehr

Ein Kalender mit projezierten Coronaviren (Montage) © PantherMedia, Colourbox Foto: belchonock

Sieben-Tage-Inzidenz: Der aktuelle Wert in Ihrem Landkreis

Vielerorts in Niedersachsen steigt die Zahl der Corona-Fälle wieder. Ein Überblick. mehr

Eine Frau mit Mundschutz kauft auf einem Wochenmarkt ein. © imago images Foto: Michael Weber

Inzidenz über 10: Auch in Osnabrück drohen Verschärfungen

Das Infektionsgeschehen in der Hasestadt ist eher diffus. In Hannover und Wolfsburg gelten bereits strengere Regeln. mehr

Vor einer Bar im Hamburger Stadtteil St. Georg steht ein Hinweisschild, welches auf den Einlass nach der 2G-Regel hinweist. © picture alliance/dpa Foto: Axel Heimken

Corona in Niedersachsen: 2G und ein neuer Leitindikator

Für Geimpfte und Genesene soll es mehr Freiheiten geben. Zudem hat das Land die drei Warnstufen präzisiert. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.07.2021 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Eine Frau mit Mundschutz steht an einem Fenster und blickt ins Licht. © imago images Foto: Action Pictures/imago

Corona: Niedersachsen stoppt Entschädigungen für Ungeimpfte

Ab dem 11. Oktober sollen ungeimpfte Kontaktpersonen bei Quarantäne keine Verdienstausfälle mehr ersetzt bekommen. mehr