Stand: 15.12.2018 09:16 Uhr

Massive PC-Probleme bei Niedersachsens Polizei

von Stefan Schölermann

Wenn Strafanzeigen statt mit dem Computer wieder mit dem Kuli geschrieben werden und Protokolle von Zeugenvernehmungen sich am PC urplötzlich in nichts auflösen: Dann stimmt etwas nicht bei der Polizei. Und genau das ist derzeit offenbar der Fall in Niedersachsen. Das Innenministerium in Hannover bestätigte am Donnerstag NDR Informationen, wonach es aktuell landesweit erhebliche Probleme mit der Datenverarbeitung gibt.

Störungen bereits seit Montag

Nicht ein Virus oder ein Hackerangriff seien die Ursache, sondern Störungen unter anderem im Bereich der Server-Infrastruktur, die es bereits seit Montag gebe. Die Folgen seien zum Teil drastisch, wie Polizeibeamte aus mehreren der insgesamt sieben niedersächsischen Polizeidirektionen hinter vorgehaltener Hand berichten. So habe man über lange Zeit keine Mails abrufen und auch keine elektronische Post versenden können. Ein Beamter sagte dazu: "Nach den Geschehnissen in Frankreich gab es auf elektronischem Wege viele Informationen und Nachfragen. Wir waren davon abgeschnitten." Problematisch: Ausgerechnet in dieser Situation seien Personenüberprüfungen wegen der Computerpanne nicht in ausreichendem Maße möglich gewesen, sagte ein anderer Beamter.

"Beamte hätten auch nach Hause gehen können"

Bei Niedersachsens Polizei war im Spätsommer ein neues Computersystem eingeführt worden, das eine zentrale Rolle spielt für Anwendungen wie das Schreibprogramm "Word", das Mail-System "Outlook" und das zentrale sogenannte Vorgangsbearbeitungssystem der niedersächsischen Polizei namens "NIVADIS". Doch genau diese Programme verweigerten in den vergangenen Tagen offenbar mehrfach über längere Zeiträume den Dienst. Die Folge: Berichte, Aktenvermerke und Anzeigen konnten nicht oder nur mit großer Verzögerung geschrieben werden, heißt es aus einer Dienststelle. "Die Beamten konnten nicht arbeiten. Sie hätten ebenso gut nach Hause gehen können."

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Müssen Zeugen erneut befragt werden?

Ein weiterer Polizist berichtet im vertraulichen Gespräch, dass Zeugenbefragungen wohl wiederholt werden müssen, weil sich das Programm während der Protokollierung verabschiedet habe. Probleme gab es nach NDR Informationen an anderer Stelle offenkundig auch mit der Datenübermittlung an Staatsanwaltschaften - und die sind oft an feste Termine gebunden.

Innenministerium: "Landesweite Auswirkungen"

Das Innenministerium spricht in einer Stellungnahme von einem Ausfall mit "landesweiten Auswirkungen". Das bedeutet, dass offenkundig die Rechner von rund 25.000 Polizeibediensteten in Niedersachsen betroffen gewesen sein könnten. An der Behebung der Störungen werde "intensiv gearbeitet" - sie seien aber in einem Rund-um-die Uhr-Betrieb nicht immer vermeidbar. Das Ministerium räumt ein, dass "Auskünfte teils verzögert abgerufen werden können". Es gebe aber die Möglichkeit, Informationen "auf andere Art und Weise abzurufen". Doch diese andere Art und Weise ist offenbar in manchen Dienststellen nicht bekannt. Vielleicht ist auch diese Botschaft des Ministeriums wegen der Computerprobleme nicht angekommen.

Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 14.12.2018 | 18:00 Uhr

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