Plattenteller in einer Diskothek © dpa

Maskenpflicht: Discobetreiber bitten Weil um "eine Minute"

Stand: 20.03.2022 13:35 Uhr

Aus Verärgerung über die in Niedersachsen geltende Maskenpflicht in Clubs und Diskotheken hat Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in einer ostfriesischen Disco Hausverbot bekommen.

"Stephan Weil, Sie erhalten von mir exklusiv das Platin-Hausverbot für unsere Diskothek - weil nie ein Gast, ganz gleich was er dafür getan hat, unserer Lokalität, unseren Mitarbeitern, Subunternehmern und Lieferanten in den letzten 54 Jahren so sehr geschadet hat, wie sie." So steht es auf der Facebook-Seite von "Deckers Disco", geschrieben von Hendrick Becker, dem Betriebsleiter der Diskothek in Großefehn (Landkreis Aurich). Becker bittet Weil um "eine Minute Zeit", um die Situation der Diskotheken in Niedersachsen aus seiner Sicht darlegen zu können. Der Ministerpräsident habe "einfach keine Ahnung", was er verfügt habe und welche Konsequenzen damit einher gingen.

Finanzielle Hilfen fallen weg

Disco-Besitzer Thomas Gronewold unterstützt das Hausverbot. Man wolle damit auf die vertrackte Lage der Diskotheken in Niedersachsen aufmerksam machen, sagte Gronewold am Sonntag dem NDR in Niedersachsen. In Niedersachsen gilt seit Sonnabend eine Maskenpflicht im Gehen, Stehen und Tanzen. Im Gegensatz zu fast allen anderen Bundesländern hat die niedersächsische Landesregierung den Diskotheken damit Corona-Regeln auferlegt, die nach Ansicht der Betreiber unmöglich einzuhalten sind. Konsequenterweise haben Becker und Gronewold ihre Diskothek bis mindestens 2. April geschlossen - allerdings können sie aufgrund der aktuellen bundesweiten Regeln dafür keine finanzielle Hilfe mehr erwarten.

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Keine Reaktion aus der Staatskanzlei

Was die Betreiber darüber hinaus besonders ärgert: Die umfassende Maskenpflicht wurde von der Landesregierung äußerst kurzfristig bekannt gegeben. "Dieses Mal war es unfassbar kurzfristig, man war ja nicht mal 24 Stunden vor Veranstaltung informiert", klagt Becker. Das Personal sei angemeldet, das Lager voll, der Laden geschmückt und Geld für Werbung ausgegeben gewesen - vergeblich. Reagiert auf das Hausverbot habe die Staatskanzlei bis Sonntag im Übrigen nicht, so Thomas Gronewold.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.03.2022 | 14:00 Uhr

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