Das Pastorenpaar Diederik und Dorothea Noordveld steht in der St.-Johannis-Kirche. © dpa-Bildfunk Foto: Philipp Schulze

Kirchen leiden unter Fachkräftemangel: Junge Pastoren fehlen

Stand: 03.01.2022 15:55 Uhr

Den Kirchen in Niedersachsen fehlt es an Pastoren-Nachwuchs. Viele gehen demnächst in den Ruhestand, während deutlich weniger junge Pastoren nachrücken. Der Job verliert an Beliebtheit.

Der Nachwuchs-Mangel sei aber nicht nur ein kirchliches Problem, sagte Diederik Noordveld von der St.-Johannis-Kirche in Lüneburg. "Auf uns rollt eine riesige Ruhestandswelle zu." Bewerber könnten sich immer mehr aussuchen, wohin sie möchten. Das war noch anders als Eckhard Oldenburg im Jahr 2006 seine Stelle in der St.-Nicolai-Kirche in Lüneburg antrat. Seinerzeit hatte es 19 Interessenten gegeben. Auch Michael Grimmsmann, verantwortlich für die Nachwuchsförderung in der Landeskirche Hannover sieht das Problem: "Wir haben Sorgen, Nachwuchs zu kriegen."

Sechs Jahre Studium, zwei Jahre Vikariat

Die Kirche sei gesellschaftlich unter Druck geraten - und das sei bei jungen Leuten angekommen, so Grimmsmann. So angesehen wie in den 70er- und 80er-Jahren sei der Beruf deshalb nicht mehr. Dorothea Noordveld, die zusammen mit ihrem Mann die St.-Johannis-Kirche leitet, vermutet, dass auch das aufwendige, in der Regel sechs Jahre dauernde Studium vor dem Beruf zurückschreckt. Angehende Pastoren müssen die drei alten Sprachen Hebräisch, Altgriechisch und Latein lernen. Nach dem Studium steht ein zweijähriges Vikariat an. Und wer schließlich als Pastor arbeitet, ist rund um die Uhr für die Menschen in der Gemeinde ansprechbar.

Beruf als Berufung

Um mehr Menschen in das Studium zu locken, fördert die Landeskirche Hannover Studierende mit kleinen Zuschüssen. Zudem versucht die Landeskirche durch verschiedene Veranstaltungen, junge Menschen mit der Kirche in Kontakt zu bringen. "Wir müssen ganz neu darüber nachdenken, wenn man weniger Leute hat, den Beruf attraktiv zu halten", sagte Pastor Oldenburg aus Lüneburg. Für ihn sei die Arbeit eine Berufung gewesen, was man in der nachwachsenden Generation jedoch nicht voraussetzen können - vor allem, was die Arbeitszeit anbelangt.

70 Pastoren gehen, nur 40 kommen

Bei der Landeskirche Hannover arbeiten 1.647 Pastoren und Pastorinnen, nicht alle von ihnen in Vollzeit. Die Kirche geht davon aus, dass es 2030 nur noch 1.213 Geistliche sein werden und 2040 nur noch 1.000. Zuletzt seien jedes Jahr 70 Pastorinnen und Pastoren in den Ruhestand gegangen und nur etwa 40 nachgerückt. "Die Lücke wird größer", sagte Grimmsmann von der Landeskirche. Allerdings fielen auch Stellen weg - wegen verringerter Kirchensteuereinnahmen, Kirchenaustritten und wegen des demografischen Wandels. Einige Stellen bleiben laut Grimmsmann auch einfach frei.

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