Stand: 05.08.2019 19:23 Uhr

Kindergrundsicherung: Reimann stützt neues Konzept

Sozial- und Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) will eine Grundsicherung für Kinder bundesweit voranbringen.

Kinderarmut ist in Deutschland offenbar weit verbreitet. Rund 23 Prozent der Kinder und Jugendlichen bezögen Grundsicherungsleistungen oder lebten unter der Armutsgrenze, sagt die Darmstädter Sozialrechtswissenschaftlerin Anne Lenze. In einer Studie kommt sie zu dem Schluss, dass es diesen jungen Menschen vor allem an Teilhabemöglichkeiten fehle. Sie könnten in der Regel nicht einmal im Jahr eine Woche Urlaub außerhalb der eigenen Wohnung machen, bekämen oft keine Nachhilfe oder könnten keine Freunde zum Essen einladen. Eine Kindergrundsicherung, die initiativ von Niedersachsen ausgeht, soll Abhilfe schaffen.

Familienbezogene Leistungen überschaubar machen

Landessozialministerin Carola Reimann (SPD) will diese Grundsicherung deutschlandweit voranbringen. "Das derzeit existierende Dickicht an familienbezogenen Leistungen ist für die Betroffenen schwer durchschaubar, die Unterstützung erreicht deshalb die Kinder zum Teil gar nicht", sagte Reimann. In der Kindergrundsicherung könnten den Angaben zufolge Leistungen wie Hartz IV, Kindergeld, Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket sowie der Kinderzuschlag zusammengeführt werden.

Bei Millionen Kindern ist die "Bildungsbiographie belastet"

Rund 3,1 Millionen Minderjährige könnten von dieser Grundsicherung profitieren. Rechne man wie das Deutsche Kinderhilfswerk eine Dunkelziffer mit ein, komme man sogar auf 4,4 Millionen. "Ihre gesamte Bildungsbiografie ist deutlich belastet", sagte Wissenschaftlerin Lenze. Im Dezember hatte Reimann bei der Arbeits- und Sozialministerkonferenz ein Grobkonzept für eine Kindergrundsicherung vorgestellt. Die Mehrheit der Ländervertreter habe sich für eine Weiterentwicklung ausgesprochen, sagte sie. "Wir hoffen, dass wir in den nächsten ein bis zwei Jahren ein realistisches Konzept entwickeln können."

Weitere Informationen

Kinderarmut in Deutschland: Statistik und Ursachen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 06.08.2019 | 07:00 Uhr

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