Stand: 24.08.2020 07:01 Uhr

Kinder und Corona - eine "verlorene Generation"?

von Katharina Seiler
Ein Kind mit Schutzmaske sieht ernst aus. © photocase Foto: Michael Schnell
Wohlfahrtsverbände sorgen sich um die Entwicklung von Kindern unter Corona-Bedingungen. (Themenbild)

Während des Shutdowns konnten die Kinder Schulen und Kitas nur sehr eingeschränkt besuchen. Jetzt wird immer deutlicher: Die Entwicklung der Kinder hat gelitten. Das haben Wohlfahrtsverbände beobachtet, wie etwa die AWO in Niedersachsen.

So sagt Beate Rempe vom AWO-Bezirk Hannover, zuständig für Kindertagesstätten: "Die sozialen Unterschiede zwischen den Kindern sind durch den Shutdown größer geworden." Kinder, deren Eltern sich in dieser Zeit intensiv hätten kümmern konnten, hätten sich normal weiterentwickelt. Doch Kinder, in deren Familien das nicht passiert sei, hätten motorisch und kognitiv kaum Fortschritte gemacht.

Drohender Jobverlust belastet Kinder

Und das hat die AWO-Fachberaterin vor allem in den Gegenden beobachtet, in denen sich viele Eltern um ihren Arbeitsplatz sorgen, weil Betrieben entweder die Aufträge weggebrochen sind oder die Kunden fehlten, wie in der Gastronomie oder im Tourismus. Wer von Jobverlust bedroht sei, dem fehle die Kraft, sich intensiv mit seinen Kindern zu beschäftigen, sagt Rempe.

Soziale Schere geht weiter auseinander

Das hat auch das Deutsche Jugendinstitut in seiner Studie "Kindsein in Zeiten von Corona" festgestellt. Das Institut hatte im Frühjahr Eltern online befragt. Ein Ergebnis: Kinder leiden nicht nur, weil die Kitas und Schulen geschlossen waren und sie ihre Freunde nicht mehr sehen konnten. Besonders belastend sei es für sie geworden, wenn die Eltern zusätzlich Existenzängste hatten, sagt Alexandra Langmeyer vom Deutschen Jugendinstitut. Die Folge: Die soziale Schere sei weiter auseinander gegangen.

Mehr Freiheiten für Schulen und Kitas

Und das ist so auch dem Deutschen Kinderhilfswerk aus Kitas und Schulen zurückgemeldet worden. Sein Präsident Thomas Krüger spricht bei einem Teil der Kinder sogar von "einer verlorenen Generation". Kinder aber hätten ein Recht auf Bildung, deshalb sollten Kitas und Schulen in Zukunft so lange wie möglich offen bleiben, sagt Uwe Kamp, Sprecher des Kinderhilfswerks. Von den Kultusministerien fordert das Kinderhilfswerk, dass sie den Schulen und Kitas in Zukunft mehr Freiheiten geben sollten, eigene kreative Konzepte zu entwickelt, um auch in Zeiten von Corona Unterricht ermöglichen zu können, so Sprecher Kamp. Mehr Unterricht im Freien wäre für das Kinderhilfswerk beispielsweise ein kreativer Ansatz.

Weitere Informationen
Ein Schüler meldet sich im Unterricht. © dpa-Bildfunk Foto: Friso Gentsch

Schule startet nach Ferien im Regelbetrieb

Nach aktuellem Stand startet Niedersachsen im eingeschränkten Regelbetrieb ins neue Schuljahr. Opposition, Eltern- und Lehrerverbände reagieren mit Kritik auf die Pläne des Landes. mehr

Spielzeug liegt in einer Kindertagesstätte auf dem Boden. © Picture Alliance Foto: Monika Skolimowska

Kitas seit Montag wieder im Regelbetrieb

Zum Start des neuen Kita-Jahres am Montag sind die Kindertagesstätten weitgehend zum Regelbetrieb zurückgekehrt. Gruppen können wieder gemischt und Kinder in Randzeiten betreut werden. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.08.2020 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Ein Feuerwehrmann steht im Dorf Mayschoß vor einem völlig zerstörten Haus. © picture alliance/dpa | Boris Roessler Foto: Boris Roessler

Malteser-Kräfte fahren heute in die Flutregion Ahrweiler

Sie kommen aus Braunschweig, Duderstadt und dem Emsland und helfen in dem vom Hochwasser betroffenen Gebiet. mehr