Spritze mit Corona-Impfstoff wird verabreicht. © picture alliance/Jens Büttner Foto: Jens Büttner

Impfbereitschaft bei Pflegepersonal oft nur mäßig

Stand: 07.01.2021 15:40 Uhr

Pflegekräfte in niedersächsischen Alten- und Seniorenheimen können sich seit Dezember gegen das Coronavirus impfen lassen. Die Bereitschaft dazu hält sich aber offenbar in Grenzen.

Nach einer stichprobenartigen, nicht repräsentativen Abfrage von NDR 1 Niedersachsen stimmt im Schnitt nur rund die Hälfte der Beschäftigten in Pflegeheimen einer Impfung gegen das Corona-Virus zu. Die Gründe seien oft Skepsis und Angst vor Nebenwirkungen des unbekannten Impfstoffs, sagte Falk Hensel von der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Der Sozialverband betreibt elf Heime in der Region Braunschweig. Von den Mitarbeitenden dort wolle sich laut einer internen Umfrage ebenfalls nur jeder Zweite impfen lassen, dagegen aber fast alle Bewohnerinnen und Bewohner. Ähnlich ist es auch im Pflegezentrum Bethanien in Braunschweig und im DRK Seniorenheim Salzgitter, wo 54 Prozent der befragten Mitarbeiter zur Impfung bereit sein sollen.

Skeptiker wollen noch abwarten

Dass die Impfbereitschaft durchwachsen ist, bestätigte auch Frank Pipenbrink vom Diakonischen Werk Niedersachsen. In den Häusern der Diakonie würden sich 60 bis 70 Prozent der Pflegekräfte gegen Corona impfen lassen wollen - das entspricht ungefähr dem Durchschnitt aller Berufsgruppen. "Es gibt viele Skeptiker und viele, die erst einmal abwarten möchten", sagte Pipenbrink. Das liege unter anderem daran, dass die Dauer der Immunität nach der Impfung noch unklar sei. Etwa 10 bis 15 Prozent des Pflegepersonals seien komplette Impfverweigerer.

Caritas setzt auf Erfahrung und Aufklärung

Die Caritas in Niedersachsen rechnet damit, dass sich die Bedenken zerstreuen, wenn die Impfzentren überall verlässlich in Betrieb sind. Derzeit lasse sich in manchen Caritas-Heimen bis zu 95 Prozent des Personals impfen, in anderen seien es 50 bis 70 Prozent, so Erk Kosel, der für das katholische Hilfswerk die Alten- und Pflegearbeit koordiniert. Für verlässliche Aussagen sei es aber noch zu früh. "Es ist eine freiwillige Impfung, die Gründe werden vor Ort nicht erfragt", sagte Kosel. Allerdings könne der "noch vorhandenen Skepsis und Unsicherheit" durch sachliche Information begegnet werden.

Höhere Werte bei Krankenhauspersonal

Besser sieht es an den Kliniken aus. Im Krankenhaus Marienstift Braunschweig beispielsweise wollen sich nach Angaben der Geschäftsführung etwa 80 Prozent der Mitarbeitenden impfen lassen. Ähnlich groß soll die Bereitschaft auch am Klinikum Braunschweig, den Helios-Kliniken in Bad Gandersheim, Herzberg und Northeim sowie am Klinikum Wolfsburg sein.

Aufklärung soll Quote verbessern

Damit sich mehr Pflege-Beschäftigte für die Impfung entscheiden, will die AWO Braunschweig vor allem noch mehr aufklären: mit Plakaten und in den sozialen Medien. Einzelgespräche mit Mitarbeitenden solle aber es nicht geben, so AWO-Sprecher Hensel. Die Impfung sei schließlich freiwillig. Auch die Pflegekammer Niedersachsen setzt sich für eine umfassende und transparente Aufklärung ein, um die Bereitschaft zu erhöhen. Manche Pflegekräfte seien skeptisch, ob der neue Impfstoff und seine möglichen Nebenwirkungen ausreichend erforscht sind, sagte eine Sprecherin. "Auch diese Sorgen und Bedenken gilt es ernst zu nehmen."

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 07.01.2021 | 16:00 Uhr

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