Menschen stehen in einer Schlange und warten vor dem neuen Impfzentrum am Landtag auf eine Impfung gegen das Corona-Virus. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Immunologen raten klar von zu frühen Booster-Impfungen ab

Stand: 15.12.2021 13:48 Uhr

NRW hat die Möglichkeit der Booster-Impfung nach vier Wochen wieder kassiert - und damit auf massive Kritik reagiert. Immunologen sind gegen ein angekündigtes Ende der Testpflicht für Geboosterte.

Ein Abstand von vier Wochen zwischen der zweiten und dritten Impfungen sei zu wenig, sagte die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Christine Falk aus Hannover. Zu diesem Zeitpunkt habe eine Booster-Impfung gar keinen Effekt, so Falk. Sie fordert deshalb, zunächst Risikogruppen zu impfen oder Menschen, deren zweite Impfung bereits mehr als sechs Monate zurückliegt.

Empfehlung: Mindestens vier Monate Abstand

Laut dem Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, sollten zwischen Zweit- und Drittimpfung mindestens vier Monate Abstand liegen. Ausnahmen gelten laut Watzl aber für Menschen mit geschwächtem Immunsystem, die auf die ersten beiden Impfungen nicht oder kaum reagiert haben. Niedersachsen erlaubt eine Drittimpfung bereits nach vier Wochen, dies sei aber ausdrücklich nicht empfohlen, hieß es dazu zur Klarstellung aus dem Gesundheitsministerium. Nordrhein-Westfalen hat unterdessen auf die Kritik reagiert und die Möglichkeit einer Booster-Impfung nur vier Wochen nach der letzten Spritze wieder stark eingeschränkt. "Im Regelfall" solle ein Abstand von mindestens fünf Monaten zur Grundimmunisierung eingehalten werden, hieß es am Mittwoch. Erst am Vortag hatte Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) bekräftigt, dass Booster-Impfungen in NRW grundsätzlich nach vier Wochen möglich seien.

Daniela Behrens (SPD), Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung in Niedersachsen, trägt eine Mund-Nasen-Maske. © Moritz Frankenberg/dpa Foto: Moritz Frankenberg
AUDIO: Behrens für bundesweites Testpflicht-Aus für Geboosterte (9 Min)

Gesundheitsminister beschließen Ende der Testpflicht für Geboosterte

Unterdessen haben sich am Dienstag die Gesundheitsministerinnen und -minister von Bund und Ländern auf Erleichterungen für Menschen mit Drittimpfung geeinigt: Sie sollen dort, wo 2G-Plus gilt, keinen negativen Test mehr nachweisen müssen. Niedersachsen handhabt das schon seit knapp anderthalb Wochen so. Spätestens nach zwei Monaten soll die Maßnahme überprüft werden. Ausnahmen soll es allerdings in medizinischen und Pflege-Einrichtungen geben. Um die besonders verwundbaren Menschen in diesen Einrichtungen zu schützen, sollen auch Geboosterte vor dem Zutritt weiterhin zusätzlich eine negatives Testergebnis vorlegen müssen.

Immunologen warnen wegen Omikron vor Testpflicht-Ende

Immunologen hatten zuvor davon abgeraten, die Testpflicht für Menschen mit Drittimpfung aufzuheben. Dabei verwiesen sie auf die Omikron-Variante, die nach Einschätzung von Experten auch bald in Deutschland die dominierende Variante sein wird. Eine Aufhebung der Testpflicht für Geboosterte "würde dazu beitragen, dass die Omikron-Welle sogar früher kommt", sagte Watzl. Für die Delta-Variante sei die Idee zwar sinnvoll, da dreifach Geimpfte gegen diese Variante so gut geschützt seien, dass sie kaum noch zum Infektionsgeschehen beitragen. "Aber diese Überlegungen haben sich mit Omikron komplett erledigt", sagte Watzl.

Mehr Impfdurchbrüche durch Omikron erwartet

Da die aktuellen Impfstoffe eine Infektion mit der zuerst in Südafrika nachgewiesenen Variante aber "nicht so gut verhindern", werde es unweigerlich mehr Impfdurchbrüche geben. "Wenn wir die Testpflicht jetzt lockern, sehe ich die Gefahr, dass Omikron gerade geboosterte Personen infiziert, die sich aber nie testen lassen müssen, und die dann das Virus munter verbreiten", sagte Watzl. Auch die Virologin Sandra Ciesek bezeichnete ein mögliches Ende der Testpflicht für Geboosterte via Twitter als "irrsinnige Idee" angesichts der Gefahr durch Omikron.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Hellwach | 15.12.2021 | 06:50 Uhr

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