Das Industriegebiet Stade-Bützfleth vor den Toren Hamburgs liegt am seeschifftiefen Wasser und ist somit der ideale Standort für ein LNG-Terminal. © NORD-LUFTBILDER.de Foto: Martin Elsen

Gutachten: LNG-Terminal in Stade ist nicht genehmigungsfähig

Stand: 14.01.2021 15:02 Uhr

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hält Flüssiggas-Terminals für überflüssig. Für den geplanten Standort Stade hat die DUH jetzt ein Gutachten vorgelegt, wonach ein Terminal nicht genehmigungsfähig wäre.

von Katharina Seiler

Ein LNG-Terminal in Stade würde ein erhebliches Störfallrisiko darstellen und in sensible Naturräume eingreifen. Dieses Ergebnis eines von ihr in Auftrag gegebenen Gutachtens hatte die die DUH bereits Anfang des Jahres vorgestellt. Am Donnerstag hat die Organisation weitere Details bekanntgegeben.

Drei Gründe sprechen gegen das Projekt

Es sind vor allem drei Gründe, weshalb die Deutsche Umwelthilfe das Terminal für nicht genehmigungsfähig hält. So würde nach Meinung der Gutachter der Flüssiggashafen den Schiffsverkehr auf der Unterelbe gefährlich behindern. Außerdem stelle die Nähe des LNG-Terminals in Stade zu einer Chemiefabrik und einem Atommülllager eine potenzielle Gefahr dar und sei mit dem Störfallrecht nicht vereinbar. Und drittens: Der Flüssiggashafen würde Natur- und Vogelschutzgebiete in der unmittelbaren Nachbarschaft bedrohen. Deshalb will die Deutsche Umwelthilfe auch gegen das LNG Terminal in Stade klagen, sollte es genehmigt werden.

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Verflüssigtes Erdgas (liquified natural gas), kurz LNG, gilt im Vergleich zu Öl als umweltfreundlicherer Treibstoff für Schiffe, Lkw und Energieträger in der Industrie. Über spezielle Terminals sollte das verflüssigte Gas leichter nach Deutschland eingeführt werden können. In Norddeutschland gab es Pläne für drei Terminal-Standorte, mit Stade und Wilhelmshaven zwei davon in Niedersachsen. Für den Standort Wilhelmshaven hatte der Energiekonzern Uniper im vergangenen November seine Pläne vorläufig eingestellt.

Genehmigungsantrag ist noch nicht gestellt

Die Planungen für ein LNG-Terminal in Stade liegen bei der Projektgesellschaft Hanseatic Energy Hub. An dem Standort, der Teil eines Industrieparks ist, soll das verflüssigte Erdgas auf Tankwagen umgeladen werden und von dort zu den Abnehmern wie Tankstellen, Bunkerschiffen und Industrieunternehmen in Polen Deutschland und Österreich transportiert werden. Laut ihrer Internetseite will die Projektgesellschaft schon im nächsten Jahr mit dem Bau beginnen. Ein Antrag auf Genehmigung ist allerdings noch nicht gestellt worden.

LNG kommt im Norden nicht in Fahrt

Bis vor Kurzem war auch in Wilhelmshaven ein LNG-Terminal geplant. Auch für dieses Terminal hatte ein Rechtsgutachten, das ebenfalls im Auftrag der DUH erstellt worden war, festgestellt, dass es aus Umweltschutzgründen nicht genehmigungsfähig ist. Allerdings hatte der Energiekonzern Uniper seine Pläne zu dem LNG-Terminal im November überraschend selbst gestoppt. Der Grund: Zu wenige Unternehmen hatten Interesse an dem verflüssigten Erdgas gezeigt - die Investition für ein Terminal hätte sich nicht gerechnet. Dem Projekt in Wilhelmshaven droht jetzt das Aus. Noch im Rennen ist ein geplantes LNG-Terminal im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel. Aber auch dort ist man mit den Plänen weit hinter den ursprünglichen Zeitplan gerutscht.

Ist LNG eventuell sogar der falsche Weg?

Mittlerweile gibt es in Expertenkreisen immer mehr Zweifel, ob deutsche LNG-Terminals überhaupt gebraucht werden. In einem Bericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aus dem Sommer vergangenen Jahres heißt es, dass neue LNG-Terminals in Europa überflüssig seien, weil die vorhandenen Kapazitäten ausreichten. Denn Erdgas - auch LNG - helfe als fossiler Energieträger nicht, die Klimaziele zu erreichen und werde deshalb als Brückentechnologie keine bedeutende Rolle mehr spielen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.01.2021 | 12:00 Uhr

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