Verschiedene Satellitensysteme zum Aufbau (links), auf einem Polizeifahrzeug (Mitte) sowie auf einer Mobilen Wache (rechts) stehen in der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Extremlagen: Polizei setzt auf Kommunikation über Satellit

Stand: 19.08.2021 15:19 Uhr

Seit längerem testet die Zentrale Polizeidirektion Niedersachsen wie satellitengestützte Kommunikation etwa in Extremlagen helfen kann. Am Donnerstag ist das Projekt beendet und vorgestellt worden.

Die verheerenden Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hätten gezeigt, wie wichtig eine im Katastrophenfall verlässliche Kommunikation sei, hieß es von der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen (ZPD). Mittels satellitengestützter Kommunikation solle die Abhängigkeit von kommerziellen Mobilfunknetzen verringert werden. Fällt das Handynetz wie beim Hochwasser aus, bräuchten die Einsatzkräfte ein zusätzliches System, hatte Innenminister Boris Pistorius (SPD) bereits im Vorfeld erklärt.

Satellitengestützte Kommunikation in "absehbarer Zeit" einsatzbereit

Der Katastrophenschutz und die ZPD haben mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) seit August 2019 an einem entsprechenden Pilotprojekt gearbeitet. Die satellitengestützte Kommunikation soll in "absehbarer Zeit einsatzbereit" sein. Dieser Ansatz ist den Angaben zufolge bislang bundesweit einmalig. "Die ZPD verfügt bereits über eine langjährige Erfahrung in Einsätzen unter Nutzung von Satellitentechnik", sagte Polizeipräsidentin Christiana Berg am Donnerstag. So könne die Autorisierte Stelle Digitalfunk Niedersachsen (ASDN) bereits eine Satellitenkopfstelle nutzen, um Videobilder zu empfangen. Hierzu sei bereits im vergangenen Jahr ein Anhänger mit Satellitentechnik ausgestattet worden, um mobil Daten in die ZPD übertragen zu können. Durch die Ausstattung von "Mobilen Wachen" und Einsatz-Containern sowie von ausgewählten Fahrzeugen mit Satellitentechnik lasse sich künftig in kurzer Zeit ein "vollfunktionsfähiges breitbandiges Kommunikationsnetz aufbauen und nutzen" - nicht nur in Notfallsituationen, hieß es.

Zu viele Nutzer im Handynetz

Bislang sei es so, dass etwa bei Großveranstaltungen zwar in der Regel ein hervorragendes LTE-Netz vorhanden sei, um das die Polizei aber "mit 50.000 Menschen" konkurriere, erklärte Projektleiter Andreas Belitz. Auf dem Land dagegen konkurriere die Polizei mit niemandem, aber leider gebe es auch kein LTE-Netz. Und beim Telefonieren via Satellit merke man keinen Unterschied - solange Sicht zum Satelliten bestehe.

E-Auto-Anteil bei Polizei steigt auf 16 Prozent

Doch es gibt noch mehr Änderungen bei der Polizei in Niedersachsen. Die Polizei will künftig umweltfreundlicher unterwegs sein. Dafür soll sich die Zahl der reinen E-Autos von etwa 100 auf über 300 mehr als verdreifachen, bei den Hybriden, also Verbrennern mit zusätzlichem E-Motor, soll die Zahl von 165 auf über 340 steigen. Hierfür steht den Angaben zufolge ein Budget von 37,5 Millionen Euro bereit. Vor allem für Zivilstreifen sollen dafür bis Jahresende nach Angaben des Fuhrparkmanagements 215 vollelektrische Autos von Volkswagen dazukommen. Der Anteil von E-Autos im Fuhrpark steigt damit auf 16 Prozent. Die Polizei Niedersachsen ist nach Angaben von VW die erste Behörde in Deutschland, die in dieser Größenordnung auf reine Elektroautos setzt.

7,2 Millionen Euro für Schutzhelme

Geld fließt auch in ballistische Schutzhelme, Splitterschutzbrillen und Uniformen. Auch in diesem Bereich will das Land nachhaltiger werden - daher seien bei der Kaufentscheidung sogar Textilingenieure beteiligt, sagte Pistorius: "Wir kaufen nicht mehr in jedem Fall direkt von der Stange." Allein für die Schutzhelme seien etwa 7,2 Millionen Euro investiert worden. Dafür sind diese dann mit kugelsicherem Visier ausgestattet.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 19.08.2021 | 15:00 Uhr

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