Auf einem Stromzähler liegen Geldscheine. © picture alliance / pressefoto_korb | Micha Korb Foto: Micha Korb

Energiekrise: Kommt ein Strom- und Gaspreisdeckel?

Stand: 26.08.2022 10:41 Uhr

Angesichts der gestiegenen Kosten für Strom und Gas fordert Niedersachsens Wirtschaftsminister Althusmann, die Preise zu deckeln. Unterdessen spricht sich Energieminister Lies klar gegen Fracking aus.

"Die Strompreise galoppieren davon, die monatlichen Abschläge verdreifachen sich zum Teil gerade", sagte Bernd Althusmann (CDU) der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ). Viele Menschen seien verzweifelt und wüssten nicht mehr, wie sie die Kosten bezahlen sollten. Deshalb sei er für einen Strom- und Gaspreisdeckel. Konkret fordert der Wirtschaftsminister, dass die ersten 2.000 Kilowattstunden Strom für die Haushalte nicht mehr kosten als im vergangenen Jahr. Gleiches sollte ihm zufolge auch für die ersten 5.000 Kilowattstunden Gas gelten. Für Verbraucherinnen und Verbraucher würde dies eine erhebliche Entlastung bedeuten, so der Minister.

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Lies: Strompreisdeckel kommt auch Nicht-Bedürftigen zugute

Auch Energieminister Olaf Lies (SPD) sagte, dass ein Strompreisdeckel den Menschen Sicherheit für den Winter geben und gleichzeitig auch die Stadtwerke absichern würde. Ein Strompreisdeckel mache jedoch keinen Unterschied zwischen den Menschen, die in finanzieller Not seien und jenen, die keine Entlastungen nötig hätten. "Daher müssen wir auch weiter über pauschales Energiegeld oder ein einkommenbezogenes Wohn- beziehungsweise Wärmegeld diskutieren", sagte Lies.

Althusmann für vorübergehenden Weiterbetrieb der AKW

Laut dem Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, Volker Müller, müsse jetzt über alle möglichen Maßnahmen nachgedacht werden, um den Preisanstieg zu bremsen. "Bis hin zu einem Strompreisdeckel ist nichts tabu", sagte er der HAZ. Er hält angesichts eines drohenden Strommangels den Weiterbetrieb der drei noch laufenden Atomkraftwerke in Deutschland für "zwingend notwendig". Das sieht auch Althusmann so. "Wir kommen in dieser Situation mit einem drohenden Stromengpasses nicht umhin, die Kernkraftwerke begrenzt länger laufen zu lassen", sagte er und versicherte, dass dies nicht bedeute, dass Deutschland generell wieder in die Kernkraft einsteige.

Lies: Fracking würde aktuelle Probleme nicht lösen

Um einem drohenden Gasmangel entgegenzuwirken, war zwischenzeitlich auch wieder das Thema Fracking zur Erdgasförderung im Gespräch. Das hat Energieminister Lies jetzt aber erneut ausgeschlossen. Die Genehmigungszeiten seien zu lang, weshalb die umstrittene Erdgasfördermethode keine Einfluss auf die momentane Gasversorgung hätte, sagte Lies der HAZ. "Selbst die Optimisten unter den Experten sagen, dass frühestens in fünf Jahren überhaupt die ersten Kubikmeter Gas fließen könnten." Die größten Herausforderungen bestünden aber in diesem und im kommenden Winter. Zwar werden die LNG-Terminals, wie sie unter anderem in Wilhelmshaven geplant sind, auch mit teils über Fracking gewonnenes fossiles Gas aus dem Ausland beliefert. Möglichst zeitnah solle dafür aber grünes Gas verarbeitet werden, sagte Lies.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.08.2022 | 10:00 Uhr

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