Stand: 19.11.2019 00:00 Uhr

Der Läufer, der für Frühchen Spenden sammelt

Unter dem Titel "Nicht meckern, machen!" berichtet NDR Info gemeinsam mit der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", den "Kieler Nachrichten", der "Ostsee-Zeitung" und dem "Hamburger Abendblatt" über Menschen, die selbst etwas bewegen. Menschen, die trotz hoher Hürden etwas für sich und andere erreichen. Einer von ihnen ist Sebastian Lange aus Altwarmbüchen bei Hannover. Er hat ein Spendenprojekt für die Neugeborenen-Intensivstation der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ins Leben gerufen, obwohl genau dort seine Tochter gestorben ist.

von Bertil Starke

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Sebastian Lange aus Altwarmbüchen hat mit seinen Spendenläufen schon mehr als 8.000 Euro für eine Frühchen-Station in Hannover gesammelt.

Ein hellgrünes T-Shirt gehört für Sebastian Lange mittlerweile zum Standard-Outfit, wenn er zu seinen Läufen aufbricht. Der Altwarmbüchener trägt es bei Jedermann-Rennen, aber auch beim einfachen Joggen nach Feierabend. Auf Brusthöhe ist ein Schriftzug zu sehen, der seine Mission auf den Punkt bringt: "Ich laufe für die Frühchenstation der MHH" steht dort.

Zunächst hatte Lange gehofft, dass er mit dem Slogan auf dem Shirt Zuschauer und andere Teilnehmer von Amateur-Rennen zum Spenden animieren könnte. "Ich habe dann aber gemerkt, das zieht nicht so richtig." Lange überlegte sich etwas anderes. Nun ruft er via Facebook zu Spendenläufen um den Maschsee auf: eine private Trainingsrunde für fünf Euro. "Das wurde dann gut angenommen. Erst kamen 100 bis 200 Euro zusammen. Am dritten Spendenlauf waren es sogar knapp über 400 Euro."

Sebastian Lange sitzt in Sportbekleidung und einem grünen T-Shirt auf dem Flur eines Krankenhauses. © NDR Foto: Starke, Bertil

Sebastian Lange läuft für MHH-Frühchenstation

NDR Info - Infoprogramm -

Sebastian Lange hat ein Spendenprojekt für die Neugeborenen-Intensivstation der Medizinischen Hochschule Hannover ins Leben gerufen - obwohl genau dort seine Tochter gestorben ist.

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Laufen als Trauerbewältigung

Für Lange sind die Spendenläufe eine Möglichkeit, den frühen Tod seiner zweiten Tochter zu verarbeiten. Sie kam 2017 als Frühchen auf die Welt. Nach drei Monaten starb das kleine, schwerkranke Mädchen auf der Neugeborenen-Intensivstation der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) - trotz intensiver ärztlicher Behandlung.

Dem 36-Jährigen war und ist es wichtig, mit seinem Projekt zu zeigen, dass das Leben weitergeht: "Man denkt natürlich an sie, aber man möchte auch etwas schaffen, wo man sich auch später noch dran erinnern kann." Er wollte den guten Kontakt zum medizinischen Personal auf der Station nicht abreißen lassen. "Jetzt, nach über zweieinhalb Jahren, diesen Kontakt immer noch zu haben, ist wichtig und auch sehr schön."

Hilfe soll unbürokratisch ankommen

Lange hat nun schon mehr als 8.000 Euro gesammelt. Einen Verein will er aber nicht gründen. Nur durch das private Projekt könne er die Spenden der Frühchen-Intensivstation unbürokratisch zukommen lassen. Finanziert werden können damit sowohl medizinische Geräte, aber auch Eis für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wenn es im Sommer richtig heiß wird.

Geld für Spezialstühle

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Durch die Spendenaktion hält Sebastian Lange Kontakt zu Oberärztin Bettina Bohnhorst und dem Pflegeteam in Hannover.

Die Spendenaktion kommt auf der Frühchen-Intensivstation der MHH richtig gut an. Die leitende Oberärztin Bettina Bohnhorst ist begeistert vom Engagement des Hobbyläufers. Dank seiner Hilfe wurden bereits Spezialstühle für die Station angeschafft, auf denen Eltern ihre Neugeborenen ganz entspannt auf die Brust legen können. Groß sei die Freude aber auch bei den Krankenschwestern und Krankenpflegern, wenn Lange einfach so mal ein paar Süßigkeiten vorbeibringt: "Auch für das Personal ist die Pflege eines Kindes hier eine große Belastung. Sie machen da ja fast den Hauptjob. Wenn dann Eltern mit so einer Anerkennung kommen, freuen die sich sehr. Das ist auch wichtig, dass Lob und Anerkennung mal offensichtlich werden."

"Man zieht daraus neue Energie"

Ein Ende des Spendenprojektes ist nicht in Sicht, denn Sebastian Lange denkt überhaupt nicht ans Aufhören. Er will auf diese Weise auch anderen Betroffenen helfen: "So plump das auch klingen mag: Ich will den Eltern, die in einer ähnlichen Situation sind, zeigen: Es geht weiter. Man zieht daraus neue Energie, auch wenn es schwierig ist."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 19.11.2019 | 06:00 Uhr

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