Gegenlichtaufnahme von grünen Viren, die um eine Gruppe von tanzenden Menschen schweben. © Menschen Corona Fotolia_psdesign photocase_joexx Foto: Menspsdesign joexx

Corona in Niedersachsen: Land kämpft gegen steigende Zahlen

Stand: 20.10.2020 15:44 Uhr

In Niedersachsen gelten mittlerweile zahlreiche Landkreise als Corona-Risikogebiet. Das Land will zusätzliches Personal zur Nachverfolgung der Infektionen rekrutieren.

Landesweit überschreiten immer mehr Kommunen den kritischen Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Besonders angespannt ist die Lage in Delmenhorst, wo die Sieben-Tage-Inzidenz auf über 200 hochgeschnellt ist. Die Stadt hat deshalb die Corona-Maßnahmen deutlich verschärft. Neben einer Sperrstunde und der Absage sämtlicher öffentlicher Veranstaltungen sind Treffen nur noch mit maximal zehn Personen aus zwei Haushalten erlaubt. Auch andere Landkreise haben zusätzliche Einschränkungen erlassen. So führt beispielsweise die Region Hannover eine Maskenpflicht in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen ein.

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Zusätzliches Personal für die Gesundheitsämter

Um die Nachverfolgung der zahlreichen Infektionen gewährleisten zu können, will das Land die Gesundheitsämter mit zusätzlichem Personal ausstatten. Dazu sollen Bundeswehrsoldaten, aber auch Beschäftigte des Landes sowie Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) eingesetzt werden. Laut dem Niedersächsischen Städtetag könnten pro Landkreis fünf bis zehn zusätzliche Helfer gebraucht werden.

Länder vereinbaren einheitlichere Regelungen

Die Ministerpräsidenten haben sich am vergangenen Mittwoch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf einheitlichere Regeln für sogenannte Risikogebiete geeinigt. Diese sollen umgesetzt werden, wenn die Zahlen auf 35 beziehungsweise 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen steigen. Unter anderem wird die Maskenpflicht auf den öffentlichen Raum ausgeweitet, Kontakte im privaten Bereich werden weiter beschränkt und Sperrstunden eingeführt. "Wir haben eine ernste Situation", sagte Niedersachsens Landeschef Stephan Weil (SPD) nach dem Corona-Gipfel.

Beherbergungsverbot vom Tisch

Derweil hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg das sogenannte Beherbergungsverbot gekippt. Dies beinhaltete das Verbot der Unterbringung von Reisenden aus Risikogebieten in Niedersachsen. Die Landesregierung hatte die Maßnahme mit der neuen Corona-Verordnung beschlossen, die am 9. Oktober in Kraft getreten ist, nachdem die Infektionszahlen in Niedersachsen Anfang Oktober in die Höhe geschnellt waren. Die Gastronomie- und Tourismusbranche hatten das Beherbergungsverbot scharf kritisiert. Ein Hotelier aus dem Harz klagte - und bekam recht. Die neue Verordnung beinhaltet auch Teilnehmer-Obergrenzen für private Feiern.

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Eine Schutzmaske fliegt über einen Deich mit Leuchtturm. (Symbolbild) © photocase.de/panthermedia Foto: ts-fotografik.de,  Gemini13

Niedersächsische Corona-Verordnung vom 7. Oktober 2020

Die "Niedersächsische Verordnung über Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus SARS-CoV-2" zum Download. Download (438 KB)

Schweinestau in Mastbetrieben

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hat eine Ausnahmegenehmigung für Schlachthöfe auf den Weg gebracht. Die Betriebe dürfen nun auch sonn- und feiertags schlachten. Dadurch sollen Mastbetriebe entlastet werden, deren Ställe überbelegt sind und denen Notschlachtungen ins Haus stehen. Ein Landwirt aus Emsbüren hat sich beim Landkreis Emsland wegen Tierschutzverstößen selbst angezeigt. Zuletzt stand der Betrieb bei Weidemark in Sögel wegen eines massenhaften Corona-Ausbruchs einige Tage still. Laut Landwirtschaftsministerium sind die Schlachthöfe mit 30.000 bis 40.000 Schweinen in Verzug - pro Woche.

Hotspots machen Behörden zu schaffen

Neben Schlachtbetrieben stehen Senioren- und Pflegeheime als Corona-Hotspots immer wieder im Fokus. Nun ist eine neue Testverordnung für Heime in Kraft getreten. Im Landkreis Osnabrück hat es mindestens 40 Corona-Fälle in einem Heim gegeben. Im Landkreis Harburg sind mehrere Bewohner einer Einrichtung nach einer Corona-Infektion gestorben. In Bad Gandersheim (Landkreis Northeim) gab es zudem einen Ausbruch mit mehr als 100 Infizierten in einem Glaubenszentrum. Hier ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts von Verstößen gegen die gesetzlichen Auflagen.

Niedersachsen bekommt Grippe-Impfstoff vom Bund

Der Lieferengpass für den Grippe-Impfstoff soll nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) bald behoben sein. Nachschub sei in Sicht, hieß es. In Niedersachsen dürften in den kommenden Wochen 1,2 Millionen Impf-Dosen geliefert werden.

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Gastronomie darf auf Hilfe hoffen

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) hat unterdessen angekündigt, dass die Landesregierung die unter der Corona-Krise leidende Gastronomie unterstützen will. Unter anderem soll die Überbrückungshilfe aufgestockt werden. Zu dem 120-Millionen-Euro-Programm zur Förderung von Gastronomie und Tourismus gehöre ein Gaststätten-Förderprogramm, sagte Althusmann. Es sei vorgesehen, dass Betriebe eine Unterstützung in Höhe von 7,5 Prozent der entstandenen Umsatzverluste im Zeitraum September bis Dezember erhalten können, so der Minister.

Gesundheitsämter am Limit, die Bundeswehr unterstützt

Viele Gesundheitsämter arbeiten in der Corona-Pandemie am Limit. Für die Kontaktverfolgung bei Corona-Infektionen fehlt Personal. In Osnabrück helfen Mitarbeiter anderer Behörden aus. Der Leiter des Gesundheitsdienstes für den Landkreis und die Stadt Osnabrück, Gerhard Bojara, sprach davon, dass man an einer Grenze angekommen sei. Die Situation sei "alles andere als entspannt", so Bojara. In der Region Hannover unterstützen 40 Sanitäter der Bundeswehr das Gesundheitsamt bei der Nachverfolgung von Infektionsketten.

Corona-Hotline in Niedersachsen

Für Fragen zum Coronavirus hat das Land eine Telefon-Hotline geschaltet: Sie ist montags bis freitags zwischen 8 und 18 Uhr unter der Nummer (0511) 120 60 00 zu erreichen, am Sonnabend jeweils von 10 bis 15 Uhr. Bürger erhielten dort allgemeine Informationen zum Coronavirus und seinen Folgen, hieß es aus dem Innenministerium, und würden bei Bedarf zu anderen Bereichen der Landesregierung vermittelt. Wer glaubt, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, sollte den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116 117 oder seinen Hausarzt kontaktieren. Der Arzt klärt dann am Telefon, ob es sich um einen Verdachtsfall handelt und trifft geeignete Maßnahmen. Wird eine Infektion nachgewiesen, muss der Patient in häusliche Quarantäne. Kontaktpersonen der erkrankten Person werden bei engem Kontakt ebenfalls 14 Tage zu Hause isoliert. Die wichtigsten Schutzmaßnahmen bleiben: regelmäßig Hände waschen und nicht in die Hand husten oder niesen.

Weitere Informationen zu Corona in Norddeutschland
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Hallo Niedersachsen | 20.10.2020 | 19:30 Uhr

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