Corona: Niedersachsen verspricht jedem im Juli eine Impfung

Stand: 29.06.2021 17:15 Uhr

Vor Urlaubszeit und Sommerferien will das Land Niedersachsen bei den Corona-Impfungen aufs Tempo drücken. Möglich machen sollen das große Impfstofflieferungen aller zugelassenen Hersteller.

"Wir können versprechen, dass jeder, der im Juli einen Termin haben will, auch einen haben kann", sagte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) am Dienstag in der Pressekonferenz des Corona-Krisenstabs. Die Impfkampagne stehe aktuell unter dem Motto: "Erst impfen, dann die Ferien genießen". Gleichzeitig appellierte die Ministerin an die Menschen, das Angebot vor ihrem Urlaub wahrzunehmen. Die Impfzentren seien gebeten worden, an den Juli-Wochenenden Sonderaktionen anzubieten.

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1,3 Millionen Impfdosen für Juli angekündigt

Aktuell seien in Niedersachsen 55,2 Prozent der Menschen einmal geimpft, 34,8 Prozent hätten bereits die zweite Dosis erhalten, so die Ministerin. Auf den Wartelisten der Impfzentren stünden zurzeit 155.000 Menschen. Angesichts von wöchentlich rund 200.000 Impfungen werde die Warteliste - rein rechnerisch - bereits in einer Woche abgearbeitet sein. Der Schub in der Impfkampagne soll dann durch die für Juli angekündigten Impfstofflieferungen ermöglicht werden: Die Landesregierung erwarte allein in diesem Monat 1,3 Millionen Dosen aller in Deutschland zugelassenen Hersteller für die Zentren - auch das nur einmal zu verimpfende Vakzin von Johnson & Johnson. Bei AstraZeneca habe das Land unterdessen das Impfintervall von zwölf auf neun Wochen verkürzt. Angesichts der Impfstoffmengen rechnet Behrens bis Ende Juli mit einer Erstimpfquote von 74 Prozent, bei den Zweitimpfungen könnten es dann 50 Prozent sein.

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Ministerin sieht bislang keine Impfmüdigkeit

Eine Impfmüdigkeit, wie sie ab gewissen Punkten in Ländern wie den USA und Großbritannien zu erkennen war, bemerkt Behrens in Niedersachsen nicht. "Ein richtiges Nachlassen kann man noch nicht sagen", so Behrens. Allerdings sei das Interesse nicht mehr so groß. Anfangs hätten 600.000 Menschen auf der Warteliste gestanden, nun seien es weit weniger. Nun gehe es darum, aktiv für die Impfung zu werben. Das Land plane eine entsprechende Kampagne.

Abgesagte Impftermine schlecht für Praxen und Impfzentren

Der Deutsche Hausärzteverband hat festgestellt, dass immer mehr Patienten Impftermine absagen. Die Göttinger Medizinerin Eva Hummers ist Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert Koch-Instituts und findet diese Entwicklung problematisch: "Das erschwert die Organisation in Praxen und Impfzentren enorm. Von daher ist es schon ein bisschen kritisch." Andererseits werde im Moment eine deutlich mobilere und auch in Alltagsdingen eingespanntere Bevölkerungsgruppe geimpft als zu Anfang. "Von daher kann ich mir außer Urlaub noch andere Gründe wie die Organisation von Arbeit und Familie vorstellen, warum das im Einzelfall eben auch schwierig ist", sagte Hummels dem NDR in Niedersachsen.

Bisher keine verlässlichen Zahlen zur Delta-Variante

Zur sich ausbreitenden Delta-Variante sagte Ministerin Behrens am Dienstag, dass bis zum Herbst ein möglichst hoher Schutz der Bevölkerung erreicht werden müsse. Eine Verbreitung der Variante in Niedersachsen kann die Landesregierung Behrens zufolge noch nicht ganz nachvollziehen. Während das Robert Koch-Institut ihren Anteil in Deutschland derzeit bei etwa 35 Prozent der Corona-Infektionen ausweise, liege die Zahl nachgewiesener Fälle hierzulande bei rund sechs Prozent. Klar sei jedoch, dass die Virusmutation auch in Niedersachsen zunehmend eine Rolle spielen werde, so Behrens. Das Maß der Dinge in dieser Pandemie sei weiterhin das Impfen. Medizinerin Hummers bestätigt diese Einschätzung. Die Delta-Variante sei sehr Infektiös. "Von daher ist es natürlich gut, wenn Menschen auch geimpft sind."

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Mobile Teams frischen ab Herbst Impfungen auf

Bei der empfohlenen Booster-Impfung für ältere und immungeschwächten Menschen setzt die Landesregierung ab Herbst auf mobile Teams, die unter anderem in Pflegeeinrichtungen eingesetzt werden sollen. Fragen zur Organisation sollen in den kommenden Wochen geklärt werden. Der Bund wolle ab 1. Oktober Impfstoff für die Teams zur Verfügung stellen und sich an der Finanzierung beteiligen, so die Ministerin. Die Impfzentren sollen laut Behrens Ende September geschlossen werden. Neben den sogenannten "aufsuchenden Impfungen" in Einrichtungen und Schulen sollen die Auffrischungen dann über Haus- und Betriebsärzte erfolgen. "Wir gehen davon aus, dass die nächste Impfung wie die Grippe-Impfung organisiert werden kann", so Behrens.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Hallo Niedersachsen | 29.06.2021 | 19:30 Uhr

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