Stand: 15.05.2020 17:34 Uhr

Bundesliga-Restart: Für Fans wenig gesellig

Admir Mehmedi, Renato Steffen und John Anthony Brooks (v.l.) bejubeln einen Treffer für den VfL Wolfsburg. © imago images
Abklatschen verboten: Wenn der VfL Wolfsburg am Sonnabend ein Tor schießt, wird auf Distanz gejubelt.

Nach 64 Tagen Corona-Pause startet die Bundesliga auch für die meisten niedersächsischen Clubs wieder. Mit Geisterspielen, in leeren Stadien. Der Restart im Profifußball ist heftig diskutiert. Von einem gemeinsamen Fußball-Erlebnis wird wenig zu spüren sein. Weder auf dem Platz, noch für die Fans. Fällt ein Tor, dürfen die Spieler vom VfL Wolfsburg und VfL Osnabrück gemäß der Regeln der Deutschen Fußball Liga (DFL) ab diesem Wochenenden höchstens ihre Ellenbögen oder Schuhe als Jubel zusammenbringen. Das muss reichen. Fans von Hannover 96 müssen auf ihren Restart noch länger warten, denn Dynamo Dresden ist verhindert. Aber wie sieht es bei den Fans außerhalb der Stadien aus? Wie wird dort gejubelt?

Tor-Jubel mit Abstand und Bedacht

Cafés, Restaurants und Biergärten sind wieder geöffnet und empfangen mit Sicherheit Fußball-Fans, sollten sie die Spiele der ersten und zweiten Bundesliga überhaupt zeigen. Gewohnt gesellig wird es dann aber nicht, Tor-Jubel mit wildfremden Menschen ist tabu. Es gelten die festgelegten Beschränkungen des Landes Niedersachsen - auch für Fans: Angehörige zweier Hausstände dürfen sich treffen. Das gilt auch, wenn dies zehn oder mehr Personen sind, wie das Land in dieser Woche mitgeteilt hatte. Wichtig für den Infektionsschutz ist demnach nur, dass alle beteiligten Personen in einem dieser beiden Hausstände leben.

Nicht viel Platz in der Gastronomie

In gastronomischen Betrieben darf maximal 50 Prozent der Sitzplatzkapazität gleichzeitig besetzt werden. Tische müssen jeweils mindestens zwei Meter auseinanderstehen. Salz, Pfeffer und Speisekarten dürfen nicht mehr zur gemeinsamen Nutzung auf den Tischen stehen. Es besteht keine Pflicht zur Reservierung, sie wird aber vom Gesundheitsministerium empfohlen. Jeder Besucher muss demnach Name und Telefonnummer im Lokal hinterlassen.

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Ein Fan-Ansturm wird nicht erwartet

Dass die Lokale von den Fußball-Fans überrannt werden, davon wird nicht ausgegangen. "In Niedersachsen dürfen getränkeorientierte Gaststätten, das sind meist die, die Fußballspiele über Sky darstellen, nicht geöffnet haben", sagt Rainer Balke, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Niedersachsen. Diese Gaststätten dürften nur auf ihrem Außenbereich verkaufen, dort werde aber nur im Ausnahmefall Fußball geschaut.

Wohnzimmer-Jubel mit zwei Hausständen

Definitiv aber schauen Fans Fußball im heimischen Wohnzimmern. Und weil die kommenden zwei Spieltage im Fernsehen über Pay-TV kostenlos als Bundesliga-Konferenz gezeigt werden, ist Zuhause vielleicht die gemütlichste Möglichkeit. Wer sich Freunde oder Verwandte dazu holen will, der kann das durchaus tun, solange es nicht mehr als zwei Hausstände sind. "Das Grundprinzip der Kontaktminimierung bleibt: Der Kreis, der sich treffenden Menschen zuhause soll möglichst klein und idealerweise gleichbleibend sein. Das Sportevent mit Personen aus einem weiteren Haushalt zu schauen stellt aber kein Problem dar", schreibt das Land Niedersachsen explizit mit Blick auf den Bundesliga-Restart.

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Gruppen-Kommentar über Videoschalte

All diese Optionen ersetzen für Fußball-Liebhaber nicht den gemeinsamen Besuch im Stadion oder das gemeinsame Jubeln in der Eckkneipe. "Es wird sicherlich komisch werden", sagt Sören Henke, der die "Meilenwölfe", einen Fan-Club vom VfL Wolfsburg, leitet. Mit professionellem Fußball habe das für ihn wenig zu tun, weil die ganze Atmosphäre fehle. Und die sei schließlich das, was den Fußball ausmache, gerade für Fans wie ihn. Doch er wird trotzdem einschalten, aber nicht allein schauen und anfeuern: "Wir gucken gerade, wie wir vielleicht über eine Videoschalte parallel in Austausch kommen, ein bisschen kommentieren", erklärt er.

Wer jubelt zuerst? Das entscheidet die Technik

"Das Problem ist einfach, dass die Spiele leicht zeitversetzt auf den jeweiligen Geräten stattfinden. Und wenn der eine schon ein Tor bejubelt und der andere hat den Elfmeter noch nicht ausgeführt gesehen, könnte das ein bisschen doof sein", fügt Henke hinzu.

Ja, mit diesen Tücken der Technik müssen die Fans in diesen Tage wohl leben. Dabei hat Henke noch eine andere Idee: "Persönlich habe ich dem VfL deutlich signalisiert, dass ich es gerade in der Autostadt Wolfsburg für äußerst sympathisch und lohnenswert halten würde, dass man sich über ein Autokino Gedanken macht.

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Hallo Niedersachsen | 16.05.2020 | 19:30 Uhr

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