Stand: 07.04.2013 16:37 Uhr  | Archiv

NPD-Kandidat zu Gast bei Burschenschaft?

von Stefan Schölermann, NDR Info

Björn J. Neumann ist offenbar kein Mann, der lange fackelt, wenn er sieht, dass die Kamera eines Pressefotografen auf ihn gerichtet wird. Wutschnaubend stürmt er los, ruft  lauthals: "Keine Fotos". Er rudert mit den Armen, greift an das Objektiv, und verwickelt den Fotografen in eine Rangelei. Erst, als der Fotograf ihm aus vollem Halse zuruft: "Hören Sie auf" lässt er von ihm ab.

NPD-Mann Neumann früher nicht so kamerascheu

Es ist Sonnabendvormittag, fünf Minuten vor elf, als sich diese Szene im noblen Hamburger Viertel Rotherbaum ereignet. Björn J. Neumann ist in Hamburg kein Unbekannter: Im Jahresbericht des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz ist er als einer der Top-Kandidaten der rechtsextremen NPD zur Bürgerschaftswahl 2011 genannt - sein Name findet sich auf Platz zwei der Landesliste. Früher war Neumann nicht so kamerascheu. Bereitwillig ließ er sich im Bürgerschaftswahlkampf neben seinem Freund und NPD-Bundesvorstandmitglied Matthias Faust hinter einem Transparent der rechtsextremen Partei ablichten.

Auf dem Programm: Ein Fechtkampf zwischen Schülern

Am Sonnabend hat Neumanns Erscheinen in der Heimhuder Straße einen besonderen Anlass. Hier befindet sich das Haus der Burschenschaft "Germania Königsberg zu Hamburg". In dem Haus soll heute Großes stattfinden: Auf dem Programm steht eine sogenannte Mensur - ein Fechtkampf, der zwischen einer  Schüler-Burschenschaft aus Hamburg und einer ähnlichen Gruppierung aus Kiel ausgetragen werden soll. Ist Neumann auf der Suche nach Nachwuchs für die Gesinnungsgenossen? Immerhin: die Hamburger Schüler-Burschenschaft ist den Behörden der Hansestadt durchaus bekannt: die "Pennale Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg". Ihr hat der Hamburger Verfassungsschutz in seinem Jahresbericht für 2011 ein ganzes  Kapitel gewidmet.

Der Altherrenvorsitzende weist Verbindungen zu Rechten zurück

Neumann ist zumindest neugierig: "Ich bin hier eingeladen und will mir das mal anschauen", sagt er auf Nachfrage dem NDR Reporter. Mitglied einer Burschenschaft sei er nicht, er habe schließlich keinen Studienabschluss. An der Eingangstür wird er freundlich begrüßt und erhält Einlass. Neumanns Erscheinen im Haus der Burschenschaft wirft Fragen auf: Gibt es Verbindungen der rechtsextremen Szene ins Haus der Burschenschaft "Germania Königsberg zu Hamburg"?

Der Altherrenvorsitzende der Burschenschaft, Dr. Klaus Kube, weist dies auf Anfrage von NDR Info zurück. Man habe an diesem Tag lediglich die Räumlichkeiten der Burschenschaft für eine Veranstaltung von zwei Schülerverbindungen zur Verfügung gestellt, sei deshalb weder Veranstalter des Treffens noch Gastgeber gewesen. Außerdem: "Herr Neumann ist keinem meiner Bundesbrüder bekannt" schreibt Kube.

Veranstaltung auf Facebook angekündigt

Dass Neumann am Sonnabend an der Tür der "Germania Königsberg zu Hamburg" klingeln würde, war allerdings nicht überraschend. Auf der  Facebook-Seite der Burschenschaft "Chattia Friedberg" war das Mensurspektakel Tage zuvor nicht nur angekündigt worden - es hatten auch zahlreiche "Freunde" ihr Kommen zugesagt - unter ihnen auch Björn Neumann. Auch auf der  Facebook-Seite des sogenannten "Allgemeinen Pennäler Ringes", dem  Verband der Schüler- Burschenschaften finden sich diese Einträge. Kein Wunder, dass Björn J. Neumann am Sonnabend bekannte: "Es war wohl nicht sonderlich geschickt, das Ganze auf Facebook zu veröffentlichen."

Dossier
Ein Hakenkreuz-Gaffitti in einem Kameradisplay. (Montage) © NDR, fotolia Foto: Christine Raczka, nikkytok

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 07.02.2018 | 07:20 Uhr

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