Stand: 20.04.2020 14:35 Uhr

Sommerurlaub? Wohl eher Binz als Ballermann

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Der Wunsch nach einem Sommerurlaub auf Mallorca wird wohl schwer zu erfüllen sein

Viele Menschen in Norddeutschland sehnen sich in der Corona-Krise nach Entspannung. Sie träumen von einem Strandurlaub auf Mallorca, einer Wandertour in Österreich oder einem Städtetrip nach Paris, Rom oder Barcelona. Aber was in diesem Sommer an Urlaub möglich sein wird, ist noch ziemlich unklar. Immerhin machen aber einige Politiker und auch die Reisebranche Mut.

Derzeit gilt noch weltweite Reisewarnung

Derzeit gilt noch bis Ende April eine weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Bürgerinnen und Bürger in Deutschland sollen bis 3. Mai auf private Reisen und Besuche - auch von Verwandten - verzichten, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Das gilt auch im Inland und für überregionale tagestouristische Ausflüge. Rückkehrer aus dem Ausland sind seit dem 11. April verpflichtet, sich 14 Tage in häusliche Quarantäne zu begeben. Derzeit haben aber sowieso einige norddeutsche Nachbarländer wie Polen und Dänemark ihre Grenzen geschlossen.

Keine Lockerungen im Tourismus - Dehoga schlägt Alarm

Im Gegensatz zum Einzelhandel, wo seit Montag neue Regeln gelten, gibt es im Tourismus noch keine Lockerungen. Hotels und Pensionen müssen bis mindestens 3. Mai weiter geschlossen bleiben. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga schlug deshalb Alarm und spricht von Milliardenverlusten. Von den rund 223.000 Betrieben in Deutschland drohe jedem dritten die Pleite.

SH: Buchholz und Günther optimistisch

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz geht dennoch davon aus, dass der Tourismus in Deutschland bis zum Sommer schrittweise wieder in Gang kommen wird. Das Sperren von Inseln und das Abriegeln von Stränden sei auf Dauer keine Lösung, sagte Buchholz auf NDR Info. Der FDP-Politiker betonte, Schleswig-Holstein lebe vom Tourismus und müsse diesen Bereich sobald wie möglich wieder hochfahren. Zunächst sollten Zweitwohnungen in dem Bundesland wieder für Besuche freigegeben werden, danach Ferienwohnungen und Hotels mit eingeschränkten Kapazitäten. Dabei müssten die Abstandsregeln weiter eingehalten werden, betonte Buchholz. Anschließend müsse man sehen, ob die Regeln weiter gelockert werden könnten. Zuletzt würden Tagestouristen wieder zugelassen. Konkrete Termine nannte der Minister nicht. Er würde die Sommerferien aber "auf keinen Fall abschreiben", so Buchholz.

Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther ist trotz der Corona-Krise zuversichtlich. Er glaube daran, "dass so viel Disziplin da ist, dass man auch im Restaurant, in den Gaststätten sich an die Regeln hält und es dann auch möglich ist, den Tourismus wieder hochzufahren", sagte der CDU-Politiker am Sonntag im "Bericht aus Berlin" der ARD. Einen Zeitpunkt für eine mögliche Lockerung der Beschränkungen im Bereich Tourismus nannte aber auch Günther nicht.

Suche nach Lösungen in norddeutschen Ländern

Auch für Mecklenburg-Vorpommern ist der Tourismus ein enorm wichtiger Wirtschaftszweig. Deshalb wollen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) mit der Gastronomie- und Tourismusbranche sprechen, um nach Lösungen für eine behutsame Öffnung zu suchen. Mit einem "Hilferuf des Gastgewerbes" wandte sich Mecklenburg-Vorpommerns Hotel- und Gaststättenverband an die Landesregierung. "Kein Unternehmen verkraftet es, wenn der Umsatz für mehrere Monate zu 100 Prozent wegfällt", heißt es in dem an Schwesig gerichteten Brief. Darin fordert der Dehoga-Landesverband ein sofortiges Rettungspaket, das neben einer Senkung der Mehrwertsteuer für alle gastronomischen Umsätze auf sieben Prozent auch direkte Finanzhilfen umfassen soll.

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Auch in Hamburg herrscht großer Frust bei Betreibern von Restaurants oder Hotels. In dieser Woche soll es deshalb Gespräche zwischen Regierung und Gastronomieverband geben.

Tourismusbeauftragter rät zu Urlaub in Deutschland

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, rechnet damit, dass Fernreisen in diesem Sommer nicht möglich sein werden. Auf NDR Info appellierte der CDU-Politiker an die Bürgerinnen und Bürger, wegen des Coronavirus ihren Urlaub im eigenen Land zu verbringen. Er hoffe, dass die deutsche Tourismusbranche von der Situation profitieren werde.

Zwei Füße gucken über die Lehne eines Strandkorbes. © photocase.de / greenpapillon Foto: photocase.de / greenpapillon

Tourismusbeauftragter: "Sommerurlaub geht"

NDR Info -

Thomas Bareiß, Tourismusbeauftragter der Bundesregierung, glaubt und hofft: "Der Sommerurlaub fällt nicht aus". Fernreisen seien wohl aber nicht möglich, sagte er im NDR Info Interview.

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Bundesaußenminister Maas wartet noch ab

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) legte sich bisher nicht fest. "Solange es Ausgangssperren gibt in vielen Ländern, wird dort auch kein Urlaub zu machen sein", sagte er zwar, fügte aber hinzu: "Wir werden das von Woche zu Woche entscheiden." Maas ist derjenige, der es in der Hand hat, um das Startsignal für den Sommerurlaub im Ausland zu geben. Er hatte Mitte März für alle Länder dieser Welt eine Reisewarnung für Touristen ausgegeben - ein beispielloser Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik.

Erst Reisen innerhalb Deutschlands, dann Auslandsreisen

Für eine Aufhebung der Reisewarnung müsste eine ganze Reihe von Bedingungen erfüllt sein. Zunächst einmal müssten touristische Reisen innerhalb Deutschlands wieder ermöglicht werden. Am 30. April soll es eine neue Entscheidung geben. Die Grenzen müssten wieder für den Reiseverkehr geöffnet, Flugverbindungen wieder aufgenommen werden. Dafür wünscht sich Maas eine europäische Abstimmung. Das wird nicht ganz einfach: Bei der Schließung der Grenzen handelten die EU-Mitgliedsstaaten zunächst auf eigene Faust. Zudem muss sicher sein, dass Auslandsreisende auch ohne Probleme wieder zurückkommen können. Das Auswärtige Amt holte gerade erst mit Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften mehr als 240.000 wegen der Corona-Krise gestrandete Touristen nach Hause zurück. Das soll eine Ausnahme bleiben.

Videos zur Tourismus-Krise im Norden
02:30
Hallo Niedersachsen

Situation in vielen Urlaubsländern düster - Österreich macht Hoffnung

Letztlich hängt auch viel davon ab, wie sich die Situation in den Hauptreisezielen entwickelt, die zum Teil zu den am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern gehören. Und da sieht es derzeit noch düster aus - wie beispielsweise in Italien, Spanien, Frankreich oder auch den USA. Die österreichische Regierung ist immerhin grundsätzlich bereit, eine Öffnung der Grenzen für Sommerurlauber aus Deutschland zu erwägen. "Dazu wird es sicherlich Gespräche geben, aber das auch Schritt für Schritt", sagte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) am Montag in Wien. Fortschritte im Tourismus hingen natürlich von der Entwicklung der Corona-Pandemie in Deutschland und Österreich ab. Wann genau ein solcher Schritt umgesetzt werden könne, sei noch unklar.

Reiseveranstalter zuversichtlich

Große Veranstalter in Deutschland geben die bis Oktober laufende Sommereise-Saison noch nicht verloren - das gilt auch für das wichtige Auslandsgeschäft. Das Reiseunternehmen TUI aus Hannover gibt sich optimistisch. "Wir gehen davon aus, dass wir im Hochsommer wieder Gäste in verschiedene Urlaubsziele fliegen werden", sagte ein Sprecher. Derzeit nutzt das Unternehmen die Zeit, um sich vorzubereiten. TUI stehe in engem Austausch mit den Regierungen auch in den Urlaubsländern und entwickele gemeinsam mit Hotelpartnern umfangreiche Sicherheits- und Hygiene-Standards. Das gelte auch für die Kreuzfahrtschiffe und Flugzeuge des Konzerns. "Sobald die Menschen wieder reisen können, werden sie das tun. Wir sind dann entsprechend startklar und in der Lage, wieder Reisen anzubieten", sagte der TUI-Sprecher.

Viele Deutsche haben Urlaub schon storniert

Laut dem aktuellen ARD-Deutschlandtrend haben 14 Prozent der Deutschen ihren Urlaub bereits storniert, 21 Prozent haben geplante Buchungen verschoben. 28 Prozent wollen der Umfrage zufolge dagegen noch an ihren Reiseplänen festhalten. 31 Prozent hatten ohnehin nicht vor, zu verreisen.

Hintergrund

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 20.04.2020 | 07:20 Uhr