Stand: 10.07.2020 07:45 Uhr

Mindestlohn - was hat er gebracht?

von Markus Plettendorf
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Mit 8,50 € ist der Mindestlohn 2015 gestartet. Im Sommer 2022 wird er wohl bei 10,45 € liegen.

Seit fünf Jahren gibt es ihn: den gesetzlichen Mindestlohn. Gestartet mit 8,50 € pro Stunde liegt er inzwischen bei 9,35 €. Zu wenig sagt zum Beispiel der Paritätische Wohlfahrtsverband und fordert ein Entgelt von deutlich mehr als 12 €. Andere befürchten bei einem so hohen Mindestlohn massive Stellenstreichungen und die Verlagerung von Arbeitsplätzen. Aber ist der Mindestlohn ein potentieller Jobkiller?

Eine Plastik-Frauenfigur sitzt auf einem kleinen Euro-Münzen-Stapel, eine Männerfigur auf einem größeren. © picture-alliance/dpa Foto: Lehtikuva Tuomas Marttila

Wie hoch sollte ein gerechter Mindestlohn sein?

NDR Info -

Ulrich Schneider vom Paritätischen Gesamtverband fordert einen Mindestlohn von 12,63 Euro. Holger Schäfer vom Institut der Deutschen Wirtschaft warnt vor den Folgen. Ein Streitgespräch.

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Bisher kaum Jobverluste durch den Mindestlohn

Die Diskussion um eine den Lebensunterhalt sichernde Bezahlung und die daraus resultierende Belastung für die Wirtschaft ist so alt, wie der Mindestlohn selbst. Schon bei der Einführung vor fünfeinhalb Jahren wurden massive Jobverluste - vor allem im Niedriglohnsektor befürchtet. Laut Enzo Weber, dem Forschungsbereichsleiter Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, haben sich diese Sorgen nicht bestätigt: "Das war definitiv nicht der Fall. Wir haben leichte negative Beschäftigungseffekte gemessen. Vor allem bei Minijobs. Die sind im Jahr 2015 dann schon ungewöhnlich stark zurück gegangen – aber immer noch wirklich begrenzt. Und man hat auch gesehen, dass viele von diesen Minijobs dann mit einem höheren Lohn in normale, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umgewandelt worden sind."

Experte sieht Spielraum für Erhöhung

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Die Taxibranche warnte 2015 vor der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns.

Seiner Einschätzung nach hat die Einführung lediglich im Niedriglohnsektor Auswirkungen gezeigt. Durch die spätere Erhöhung des Mindestlohns seien überhaupt keine negativen Effekte spürbar gewesen. "Das liegt aber auch auf der Hand. Der Mindestlohn wurde seit seiner Einführung eigentlich nur parallel zum gesamtwirtschaftlichen Lohnniveau angehoben." Nach Meinung von Enzo Weber gibt es durchaus Luft für weitere Erhöhungen. Doch sei irgendwann aber die Grenze erreicht, bei der deutliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt zu befürchten seien: "Im internationalen Vergleich geht mit Sicherheit noch etwas mehr. Aber man muss ich da vorsichtig herantasten. Beschäftigung, die einmal vernichtet ist, die kommt auch so schnell nicht wieder. Deswegen: Mindestlohn erhöhen aber immer mit der gebotenen Vorsicht."

Trotz seiner Einführung bekommt keineswegs jeder, der arbeitet, den gesetzlichen Mindestlohn. So gibt es Ausnahmen zum Beispiel für Langzeitarbeitslose oder Schülerpraktikanten. Und immer wieder ist von Fällen zu hören, in denen die Zahlung des Mindestlohns durch eine fehlende oder mangelhafte Arbeitszeiterfassung unterlaufen wird.

 

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Für ein paar Euro: Wenn Arbeit nichts mehr wert ist

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NDR Info | 10.07.2020 | 07:45 Uhr