Stand: 14.07.2020 13:00 Uhr

FAQ: Was sind eigentlich Pop-up-Radwege?

In Corona-Zeiten setzen einige Großstädte auf Pop-up-Radwege. Die temporären Radwege dienen auch als Testballon in der Verkehrspolitik. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist ein Pop-up-Radweg?

Ein temporärer Pop-Up Radweg in Berlin
Berlin gilt unter den deutschen Großstädten als Vorreiter bei den Pop-up-Radwegen.

Der Begriff Pop-up-Radweg bezeichnet einen Radweg, der ohne große Plaunungszeit eingerichtet wird. Ein weiteres Merkmal: In der Regel sind diese Radwege nur für eine begrenzte Zeit gedacht. Pop-up-Radwege sind also temporäre Radwege - im Gegensatz zu dauerhaften Radwegen, die häufig erst nach jahrelangen Planungen entstehen.

Warum sind Pop-up-Radwege neuerdings ein Thema?

In Deutschland sind Pop-up-Radwege im Zuge der Corona-Krise zu einem viel diskutierten Thema geworden. Deswegen sprechen einige auch von Corona-Radwegen. Als Vorreiter gilt Berlin, wo die Stadt einige Pop-up-Radwege eingerichtet hat. Der Grund: Viele Berlinerinnen und Berliner wollten wegen der Amsteckungsgefahr keine Busse und Bahnen nutzen, sondern setzten sich lieber aufs Fahrrad. Die Stadt wollte deshalb zusätzliche und breitere Radwege schaffen.

Wie sieht ein Pop-up-Radweg aus?

Pop-up-Radweg in einer Baustelle auf dem Sievekingdamm in Hamburg © CityNewsTV Foto: Frank Bründel
So sieht ein typischer Pop-up-Radweg aus: Leitbaken und Farbmarkierungen grenzen ihn deutlich ab.

Für einen Pop-up-Radweg wird auf der Straße ein Stück der Fahrbahn (bei mehrspurigen Straßen häufig eine Fahrspur) abgetrennt, um sie ausschließlich für die Nutzung von Fahrrädern freizuhalten. Für die Markierung können neben (oft gelben) Farbmarkierungen Leitkegel oder Leitbaken zum Einsatz kommen - oder als ansehnlichere Lösung: Blumenkästen.

Sind Pop-up-Radwege weniger sicher als dauerhafte Radwege?

Dazu musss man sagen: Pop-up-Radwege werden von den Behörden nicht etwa in einer Nacht-und-Nebel-Aktion eingerichtet. In Hamburg beispielsweise laufen zuvor Gespräche mit der Polizei und werden Aspekte wie Sicherheit der Radfahrer im laufenden Verkehr, Ampelschaltung und Auswirkungen auf den Busverkehr berücksichtigt. Erst wenn diese Prüfung abgeschlossen ist und sich eine Strecke als geeignet herausstellt, wird ein Pop-up-Radweg eingerichtet.

Müssen neue rechtliche Grundlagen geschaffen werden?

Nein. Generell gilt: Für die Einrichtung von Radwegen - ob nun temporär oder dauerhaft - ist in Deutschland eine straßenverkehrsbehördliche Anordnung erforderlich. In Hamburg beispielsweise erfolgt eine solche Anordnung durch die Behörde für Inneres und Sport sowie die Polizei.

Sind Pop-up-Radwege ein vorübergehendes Phänomen?

Das lässt sich noch nicht eindeutig sagen. Aber einige Verkehrsexperten sehen in den temporären Radwegen ein geeignetes Mittel zur Bereicherung der Verkehrspolitik. "Pop-up-Radwege sind eine wunderbare Möglichkeit, um einen Radweg zu testen und um die Planungen für einen dauerhaften Radweg an dieser Stelle gegebenfalls anzupassen", sagt beispielsweise Dirk Lau vom ADFC Hamburg. Zudem könnten temporäre Radwege helfen, "Bedenkenträger gegen eine Verkehrsberuhigung auf Kosten des Autoverkehrs zu überzeugen".

Warum verschwinden manche Pop-up-Radwege nach kurzer Zeit?

Nicht immer stecken städtische Behörden hinter der Einrichtung eines temporären Radwegs. Zuletzt haben verschiedene Initiativen in Norddeutschland Pop-up-Radwege als Mittel einer Protest-Aktion für sich entdeckt. Diese Radwege sind von vorneherein nur für einige Stunden oder Tage gedacht. So gestalteten beispielsweise in Rostock im Mai 2020 Aktivisten von Greenpeace und dem Radentscheid Rostock eine Autospur am viel befahrenen Mühlendamm für knapp drei Stunden lang zu einem Radweg um - mit Genehmigung der Stadt. Ähnliche Aktionen gab es auch schon in Hamburg.

VIDEO: "Pop-up-Radweg" kapert Rostocks Straßen (3 Min)

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 14.07.2020 | 06:00 Uhr

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