Stand: 12.01.2019 17:45 Uhr

Was ist eigentlich eine Blockchain?

An der Blockchain-Technologie scheiden sich die Geister. Für die einen ist es das nächste große Ding. Die Technologie werde unsere Lebenswelt umkrempeln - mehr noch als die Erfindung des Internets. So lautet die Meinung vieler Netzwelt-Experten. Andere halten den Blockchain-Hype für überzogen. Aber was ist eigentlich eine Blockchain?

Wie lautet die Definition?

Bei der Blockchain handelt es sich um eine Art dezentrale Datenbank. "Block" meint in diesem Zusammenhang Datenblock, "chain" ist das englische Wort für Kette. Der Begriff "Blockchain" steht demnach für eine Kette von digitalen Datenblöcken. Entscheidend ist: Die Datensätze liegen nicht auf einem einzigen Computer, sondern sind gleich auf einer Vielzahl von miteinander vernetzten Rechnern in identischer Form gespeichert. Die hinterlegten Informationen - wie zum Beispiel Bestellungen, Überweisungen oder Wertpapiere - sind für alle im Netzwerk einsehbar.

Welche Idee steckt dahinter?

Die Grundidee ist: Wichtige Daten sollen nicht in den Händen einiger weniger liegen, sondern sind auf sehr vielen Computern hinterlegt - und damit ungemein schwierig zu manipulieren. Eine der ersten Anwendungen der Blockchain-Technologie ist die Kryptowährung Bitcoin. Sie wurde im Zuge der Finanzkrise 2008 aus dem Misstrauen gegenüber den mächtigen Banken geschaffen. Die Blockchain-Technologie schuf die Grundlage für solch ein neuartiges, dezentral organisiertes Geldsystem. Aber längst sind mit der Blockchain-Technologie auch Anwendungen in allen Lebensbereichen wie Verkehr, Handel, Arbeitswelt, Gesundheitswesen und Politik denkbar.

Was macht Blockchain attraktiv?

Betrüger haben - zumindest in der Theorie - keine Chance. Bei einer Blockchain sind die Daten auf einer Vielzahl von Rechnern gespeichert - auf jedem Rechner liegt derselbe Datenblock mit denselben Informationen. Wer heimlich einen bestimmten Datenblock verändern will, würde scheitern. Das System würde in einem solchen Fall Alarm schlagen. Denn alle Teilnehmer des Netzwerks überwachen sich gegenseitig. Im Idealfall gilt das System deshalb als transparent, sicher und unveränderbar.

Wo können Blockchains im Alltag nützlich sein?

Es gibt schon Blockchains, die sogenannte smart contracts (deutsch: intelligente Verträge) ermöglichen: Das sind Programme, die Bedingungen festlegen wie in einem Vertrag. Nur dass diese Verträge dann auch vollautomatisch abgewickelt werden. Ein Beispiel: Ein Lkw mit Produkten kommt beim Händler an und der Inhalt wird vor Ort gescannt. Automatisch wird das Geld für die Waren an den Hersteller im Produktionsland überweisen. Die Algorithmen überwachen also zugleich die Erfüllung der Verträge.

Warum sprechen einige von einem Jobkiller?

Blockchains könnten Mittelsmänner überflüssig machen. Das wären zum Beispiel im Zahlungsverkehr die Banken, die bislang zwischengeschaltet sind. Im Blockchain-Szenario hingegen sind Überweisungen direkt von Person A an Person B möglich. Auch Notare müssten um ihr Geschäft bangen. Denn Dokumente wie beim Grundstückskauf könnten künftig in einer Blockchain hinterlegt werden - wie in einem digitalen Tresor. Ein Notar, der dieses Dokument beglaubigt, müsste nicht eingeschaltet und bezahlt werden. Ein weiteres Beispiel: Ein vernetztes Auto wird auf einem öffentlichen Parkplatz abgestellt, das Geld für die Parkuhr wird automatisch überwiesen - via Blockchain. Parkraum-Kontrolleure wären überflüssig, da das System nicht manipuliert werden kann.

Für wen sind Blockchains interessant?

Auch in der Wirtschaft ist Blockchain ein Thema. Fast jedes DAX-Unternehmen prüft gerade, wie es die neue Technologie nutzen kann. Im Norden zeigen beispielsweise die Hamburger Hochbahn, Airbus, und Beiersdorf Interesse. Aber auch Banken, die Energiewirtschaft und die Logistik-Branche sind hellhörig geworden.

Welche Risken bergen Blockchains?

Da die Daten nachträglich nicht mehr ohne Weiteres geändert werden können, bedeutet das zugleich: Sie werden auch nicht gelöscht. Das 'Recht auf Vergessen' und die Blockchain passen nicht zueinander. "Denn wenn irgendetwas erst einmal in der Blockchain steht, dann ist es drin - für immer", sagt der Hamburger Blockchain-Experte Lennart Ante.

Muss ich mich mit dem Thema befassen?

Nicht unbedingt. Blockchain-Experte Lennart Ante aus Hamburg rechnet damit, dass Blockchain eine Art Basis-Technologie darstellen wird: "Bestenfalls nutzen wir das alle in fünf bis zehn Jahren im Hintergrund, ohne uns wirklich damit auskennen zu müssen. Wer versteht heute, wenn er eine Internetseite aufruft, was das 'https://www' bedeutet? Nur die Experten - aber jeder nutzt es."

Globus mit Kopfhörern © fotolia.com Foto: slaved

Was ist die Blockchain-Technologie?

NDR Info -

Die Blockchain-Technologie ist eine der großen Neuerungen in der IT-Branche. Blockchain hat seinen Ursprung in der digitalen Kryptowährung Bitcoin. Wissen+ klärt auf.

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