Stand: 25.06.2018 17:31 Uhr

Türkei-Wahl: 60 Prozent für Erdogan im Norden

In Hamburg haben mehrere Hundert Menschen den Wahlsieg des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gefeiert. Vor dem türkischen Konsulat zündeten Erdogan-Anhänger am Sonntagabend Feuerwerkskörper. Im Stadtteil Wilhelmsburg fuhren AKP-Anhänger in einem Autokorso umher. "Alles verlief friedlich, es gab keine Zwischenfälle", teilte ein Polizeisprecher mit.

Der AKP-Chef hatte in Norddeutschland aber weniger Erfolg als im Bundesschnitt: Im Einzugsbereich des Generalkonsulats Hannover stimmten 60,1 Prozent für Erdogan, im Bereich des Hamburger Generalkonsulats 59,3 Prozent. Im Bundesdurchschnitt votierten 65 Prozent derer, die hier ihre Stimmen abgegeben hatten, für Erdogan. Insgesamt erhielt Erdogan 52,6 Prozent.

Auch bei Parlamentswahl Mehrheit für AKP

Auch bei der parallel laufenden Parlamentswahl erhielt Erdogans islamisch-konservative AKP in Deutschland mit 56,3 Prozent die absolute Mehrheit, in Hannover waren es 53,1 und in Hamburg 51,1 Prozent. In der Gesamtheit aller Stimmen verpasste die AKP bei der Parlamentswahl die absolute Mehrheit - sie kommt aber aufgrund eines Bündnisses mit der rechtsradikalen MHP über diese Marke.

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Faktenfinder: Zwei Drittel für Erdogan?

Zwei von drei Deutschtürken sind für Erdogan, melden Medien. Diese Zahl bezieht sich allerdings nur auf jene mit Wahlrecht in der Türkei, die zudem abgestimmt haben. extern

"Wer Erdogan feiert, begräbt die Freiheit"

Hamburger Politiker äußerten nach einem Bericht von NDR 90,3 am Montag ihr Unverständnis über das norddeutsche Wahlergebnis. Die Fraktionschefin der Linken, Cansu Özdemir, bedauerte, dass Menschen aus Hamburg für ein Ein-Mann-Regime votierten, ohne dass ihnen bewusst sei, was das für die Menschen in der Türkei bedeute.

"Wer Erdogan feiert, begräbt die Freiheit", erklärte Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks. CDU-Fraktionschef André Trepoll wertete das Ergebnis als "eindeutiges Votum gegen unsere liberale Grundordnung". Die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei müssten beendet werden, so Trepoll weiter.

Bundesweit 1,4 Millionen Wahlberechtigte

In Hamburg waren 40.000 türkische Staatsbürger aufgerufen, ihre Stimmen bei der Wahl abzugeben. Im Einzugsbereich des Generalkonsulats Hannover waren 108.000 Wahlberechtigte registriert. Mit 49,7 Prozent der bundesweit gut 1,4 Millionen Wahlberechtigten war die Wahlbeteiligung so hoch wie nie zuvor. Bis zum 19. Juni konnten Türken in 13 Wahllokalen in Deutschland abstimmen.

Nicht als AKP-Abgeordneter ins neue türkische Parlament gewählt wurde der ehemalige niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete Mustafa Erkan aus Neustadt am Rübenberge. In Antalya, wohin Erkan umgezogen war, holte die AKP sechs Mandate, Erkan stand auf Listenplatz zehn.

Kommentar

Das Wahlverhalten sollte ein Weckruf sein

65 Prozent der in Deutschland lebenden Türken, die an der Wahl teilgenommen haben, stimmten für Erdogan. Was sagt das über die Integrationspolitik aus? Kathrin Erdmann kommentiert. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 25.06.2018 | 14:00 Uhr

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