Stand: 12.09.2018 13:19 Uhr

Lehman-Pleite: Anleger verlieren Erspartes

von Markus Plettendorff, NDR Info Wirtschaftsredaktion
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Vor allem ältere, wenig risikobereite Privatanleger haben in die vermeintlich sicheren Lehman-Zertifikate investiert.

Vor zehn Jahren - am 15. September 2008 - meldete die drittgrößte amerikanische Bank Insolvenz an. Die Pleite von Lehman Brothers war der Auftakt zu einer weltweiten Finanzkrise, bei der nicht nur Banken und Fonds in Schieflage gerieten, sondern auch Tausende Privatanleger Geld verloren. Sie hatten auf Anraten ihrer Banken sogenannte Lehman-Zertifikate gekauft.

Sichere Anlage bei hoher Rendite?

Auch Klaus Tobaben aus Hamburg wurde geschädigt: "Ich bekam Anfang 2007 einen Anruf im Büro. Der Bankberater hat gesagt, dass er ein Papier hätte von einer großen amerikanischen Bank. Er würde mir vorschlagen, das zu zeichnen. Er sagte, ich würde auf jeden Fall 35.000 Euro zum Ende der Laufzeit bekommen. Das sind circa zweieinhalb Jahre."

Rund acht Prozent Zinsen sollte die Investition in die Lehman-Zertifikate für Tobaben bringen. Ausschlaggebender als die Gewinnaussicht war für ihn - wie für viele der rund 50.000 Anleger in Deutschland - der Glaube daran, den Einsatz nicht verlieren zu können. Keine Sorgen solle er sich machen, zum Ende der Laufzeit bekäme er alles wieder, beteuerte sein Bankberater. Ein Irrtum, wie sich zeigte. Eine Ausschüttung von etwa 3.000 Euro erhielt Klaus Tobaben, dann kam die Pleite - und es drohte der Totalverlust der Kapitalanlage.

Das Logo der Bank Lehman Brothers. © dpa picture alliance Fotograf: epa Peter Foley

Tausende Privatanleger geprellt

NDR Info - Wirtschaft -

Die Pleite der Lehman Brothers war der Auftakt zur weltweiten Finanzkrise. Nicht nur Banken und Fonds gerieten in Schieflage, auch Tausende Privatanleger verloren ihr Erspartes.

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"Keiner hat etwas geahnt"

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten deutsche Banken Zertifikate im Wert von rund einer Milliarde Euro an ihre Kunden verkauft. Ein gutes Geschäft mit attraktiven Provisionen für die Geldhäuser, die sich einen Totalausfall überhaupt nicht vorstellen konnten. "Ich würde sagen, dass die gesamte Finanzbranche von diesem Ereignis überrascht worden ist. Das war so einschneidend und für niemanden vorhersehbar", sagt Stefanie von Carlsburg von der Hamburger Sparkasse (Haspa), die seinerzeit rund 3.700 Kunden Lehman-Zertifikate verkauft hatte.

Mut zur Klage wurde belohnt

Der Schriftzug Lehman Brothers auf einer Zeitung hinter einem Brillenglas. © dpa picture alliance Fotograf: Lawrence Looi

Lehman-Zertifikate: Doppelt verdient

NDR Info - Wirtschaft -

Tausende Privatanleger verloren durch die Pleite der Lehman Brothers in den USA viel Geld. Einige Banken nahmen die Papiere zurück - und profitieren heute davon.

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Allen Anlegern drohte der Totalverlust. Von Erstattungen oder Entschädigungen wollten die Geldhäuser zunächst nichts wissen - trotz öffentlicher Proteste. Mithilfe von Verbraucherzentralen, Anwälten und nach ersten Gerichtsverfahren lenkten die Banken ein, erinnert sich Rechtsanwalt Ulrich Husack: "In Hamburg hat man natürlich hauptsächlich mit der Hamburger Sparkasse zu tun gehabt. Diese hat sich am Anfang ein wenig gesträubt, aber war dann - kann man sagen - letztlich vorbildlich. Andere Banken haben sich außergerichtlich nur in einer für mich gefühlten Quote von zwei Prozent verglichen. Vor Gericht war es dann aber ganz anders. Die Anleger, die den Mut hatten, zu klagen, haben es dann auch geschafft, dass man sich einigt."

Die Hamburger Sparkasse habe zehn Millionen Euro Soforthilfe bereitgestellt, sagt Stefanie von Carlsberg: "Wir haben für Härtefälle sehr schnell und unbürokratisch zehn Millionen Euro Soforthilfe bereitgestellt. Insgesamt sind wir mehr als tausend Kunden auf diese Weise finanziell entgegengekommen. Und wir haben unsere Kunden bei der sehr aufwendigen Anmeldung ihrer Forderungen unterstützt, die sie gegenüber Lehman Brothers im Insolvenzverfahren geltend machen konnten."

Einige Anleger gingen völlig leer aus

Leer sind am Ende diejenigen ausgegangen, die weder Forderungen gegen die Lehman Brothers angemeldet, noch von ihrer Bank Geld erhalten hatten. Bei allen anderen fielen die Entschädigungen sehr unterschiedlich aus. So gab es Angebote von Geldinstituten, die Zertifikate zu 25 Prozent der ursprünglichen Kaufsumme zurückzunehmen. Auch Entschädigungen von mehr als 60 Prozent hat es gegeben. Klaus Tobaben konnte sich kurz vor einem Gerichtstermin mit seiner Bank vergleichen. Er bekam ungefähr die Hälfte zurück. Seine Lehman-Zertifikate musste er dafür zurückgeben.

Über diese Zertifikate freut sich heute seine Bank, weil die Inhaber der Zertifikate mehr Geld aus der Insolvenzmasse von Lehman Brothers erhalten haben als ursprünglich vermutet. Das heißt: Banken, die ihre Kunden zum Beispiel mit 25 Prozent der Kaufsumme entschädigt und die Papiere zurückgenommen haben, bekamen so viel Geld aus der Insolvenzmasse zurück, dass diese Einnahmen die 25 Prozent Entschädigung deutlich überstiegen. Mit anderen Worten: Einige Banken haben am Ende mit den Zertifikaten nochmals Geld verdient.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 12.09.2018 | 06:38 Uhr

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