Stand: 10.10.2018 11:17 Uhr

Baustellen im Norden: Darum wird überall gebuddelt

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Baustellen in der Innenstadt, wie hier in Kiel, sind für alle Verkehrsteilnehmer nervenaufreibend.

In vielen Städten im Norden herrscht das Verkehrschaos. Im Feierabendverkehr, aber zeitweise auch jenseits der Rush-Hour, staut sich der Verkehr auf vielbefahrenen Strecken täglich kilometerlang. In Hamburg sind Großbaustellen zum Beispiel auf der Amsinckstraße zwischen Elbbrücken und Innenstadt sowie auf der Dratelnstraße in Wilhelmsburg eingerichtet. Über Jahre blockierte Hauptschlagadern, die täglich von 70.000 Autos genutzt werden.

Zehntausende Baustellen jedes Jahr

Seit Beginn der Legislaturperiode von SPD und Grünen im März 2015 ist laut Hamburger Senat auf den Straßen in der Stadt an gut 22.000 Stellen gebaut worden. Diese Auflistung erhebe allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit, heißt es. Die zuständige Behörde schätzt rund 25.000 Baustellen pro Jahr im Hamburger Straßennetz, davon mehr als 3.700 in den wichtigen Hauptverkehrsstraßen. Auch der ADAC spricht von 20.000 Maßnahmen allein im Jahr 2017. "Dazu zählen wir alle Eingriffe, auch Tagesbaustellen wie die Reparatur von Kanaldecken oder das Zuschütten von Schlaglöchern", sagt ADAC-Hamburg-Sprecher Christian Hieff. 2018 werden es laut ADAC kaum weniger Baustellen sein.

Viele Akteure in Hamburg

Neben der Stadt Hamburg und den sieben Bezirken selbst bauen und buddeln auf den Straßen auch der Bund, Hamburg Wasser, Stromnetz Hamburg, Gasnetz Hamburg, die Hamburger Hochbahn und die Hafenverwaltung HPA. Sie alle melden ihre Baustelle beim jeweiligen Bezirk an. Die übergeordnete "Koordinierungsstelle für Baustellen in Hauptverkehrsstraßen", die im Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer angesiedelt ist, versucht mithilfe eines Computerprogramms die Baustellen so zu planen, dass nicht auf einer Hauptverkehrsstraße und auf der entsprechenden Ausweichroute gleichzeitig gebaut wird.

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Das Problem: Der Bereich, für den die Koordinierungsstelle zuständig ist, umfasst 550 Kilometer, das gesamte Netz jedoch 4.000 Kilometer. Somit fallen viele Baustellen schlicht und einfach nicht in die Zuständigkeit der Koordinierungsstelle. "Wir würden uns wünschen, dass die Mitarbeiter für mehr Straßen zuständig sind", sagt ADAC-Sprecher Hieff.

Die zuständige Verkehrsbehörde weist grundsätzliche Mängel im System von sich. "Klar ist, dass das Straßennetz in Hamburg saniert werden muss und sich Baustellen nicht gänzlich wegkoordinieren lassen. Derzeit sind Herbstferien, jetzt sind weniger Autofahrer in der Stadt, weshalb jetzt auch mehr gebaut wird", sagt Behördensprecher Christian Füldner. Von den Bauarbeiten hätten alle Verkehrsteilnehmer etwas, "nämlich sichere, zeitgemäße Straßen in sehr gutem Zustand, an vielen Stellen einen neu aufgeteilten Straßenraum mit dem angemessenen Platz für Autos, Busse, Fahrräder und Fußgänger und ausgelegt auch auf den zukünftigen Verkehr."

Kritik am Baustellen-Management

Außerdem, so kritisiert der ADAC, gehe es an den Baustellen nicht schnell genug voran. "Man könnte im Dreischichtsystem arbeiten, anstatt wie bislang nur im Zweischichtsystem", sagt Hieff. Allerdings würden mit einer weiteren Arbeitsschicht die Kosten pro Baustelle um 60 Prozent steigen, der Baufortschritt jedoch nur um 40 Prozent. Das sei eine Rechnung, die man aber durchaus in Erwägung ziehen könne, um es den Verkehr so schnell wie möglich zu entlasten, meint der ADAC.

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Fahrradstadt und Busbeschleunigung

Neben den seit Jahren fälligen Reparaturen an Hamburgs Straßen, die über einen langjährigen Sanierungsstau nun alle auf einmal fällig werden, ist die gesamte Hamburger Verkehrsinfrastruktur im Wandel. Einerseits zugunsten der Radfahrer: Unter dem Stichwort Fahrradstadt Hamburg soll der Anteil an Radverkehr auf 25 Prozent in naher Zukunft angehoben werden. Andererseits zugunsten des ÖPNV: Mithilfe der Maßnahmen zur Busbeschleunigung sollen Reisegeschwindigkeit und Taktung erhöht werden.

Auch in Lübeck und Kiel herrscht das Chaos

Die Städte Lübeck und Kiel sind ebenfalls von einem massiven Baustellen-Chaos betroffen. In Lübeck handelt es sich bei vielen Baustellen um "infrastrukturelle Sanierungsarbeiten", wie die Stadt mitteilte. So zum Beispiel an der Bahnhofsbrücke, der Lachswehrbrücke und in der Malmöstraße. Lange Staus und nervenaufreibende Verkehrsbehinderungen seien "leider unvermeidbar", sagte die Stadt. "Wir kritisieren, dass zu lange nichts gemacht wurde", sagt ADAC-Schleswig-Holstein-Sprecher Ulf Evert. Die Substanz der Straßen und Brücken sei kaputt, daher müsse überall gleichzeitig gebaut werden.

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Plötzlich geht es nicht mehr weiter: Baustelleneinrichtungen erscheinen den Verkehrsteilnehmern oft chaotisch.

Gleiches gelte für Kiel: Auch hier gehören Staus durch Baustellen zum Alltag. Hinzu kommt, dass die gesamte Innenstadt in Kiel umgestaltet wird. So werden zum Beispiel nicht nur öffentliche und privatwirtschaftliche Projekte gleichzeitig umgesetzt, sondern auch die Wege im öffentlichen Raum neu gestaltet. Schwerpunkt ist die Wiederherstellung der Wasserverbindung zwischen Bootshafen und Kleinem Kiel. Die Bauarbeiten ziehen sich bis mindestens 2020. Die Stadt hat eine Übersicht über das Verkehrskonzept sowie die Sperrungen veröffentlicht.

Niedersachsen: Ballungsräume ebenfalls vom Verkehrschaos betroffen

Die Bilanz des ADAC für das Jahr 2017 in Niedersachsen: In Hannover gab es 5.000 Baustellen, in Braunschweig 4.000 und in Göttingen 1.000. "Es sind nicht die Dimensionen wie in Hamburg, aber auch hier sind die Verkehrsteilnehmer genervt, weil die Koordinierung nicht reibungslos läuft", sagt Christine Rettig vom ADAC Niedersachsen. Ähnlich wie in Hamburg fehle oft eine Absprache zwischen den verschiedenen Baustellenbetreibern. Es sei eine Überlegung wert, ob es nicht weniger belastend wäre, die Baustellen hintereinander, anstatt gleichzeitig zu betreiben.

Mecklenburg-Vorpommern: Lage entspannter

In der Staustatistik liegt Mecklenburg-Vorpommern deutschlandweit auf dem letzten Platz. "Würde man die Leute fragen, so sind Staus und Baustellen sicher nicht ihr Sorgenkind im Land", sagt ADAC-Sprecher Hieff. Allerdings sei das Bundesland mit der Absackung der A20 bei Tribsees sowie die Erneuerung der Peterdorfer Brücke auf der A 19 bei Malchow ebenfalls geplagt von Verkehrsbehinderungen.

In der Küstenregion kenne man sich zwar mit langen Staus zu Hauptferienzeiten aus. "Allerdings haben die Verkehrsbelastungen lange nicht denselben Stellenwert wie im Hamburger Stadtgebiet", sagt Hieff.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 10.10.2018 | 19:30 Uhr

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